Full text : Sozialismus und Regierung

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IV.  DIE  PARTEI  UND  DAS  PARLAMENT
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A.  DIE  NOTWENDIGKEIT  UND  DER  UMFANG  DER  PARTEI
Eine  kritische  Prüfung  der  Pläne,  die  ersonnen  worden  sind,  um  die
Schöpfungen  des  Repräsentationssystems  einem  höheren  Grade  von
Genauigkeit  zu  nähern  und  um  seine  Beziehungen  zu  dem  nationalen
Willen  inniger  zu  gestalten,  hat  bis  jetzt  nicht  nur  zur  Verwerfung  der
Vorschläge  selbst  geführt,  sondern  auch  ihre  Nichtübereinstimmung
mit  den  Leitmotiven  ergeben,  von  denen  sie  ausgehen.
Hinter  den  meisten  dieser  Entwürfe  birgt  sich  die  täuschende  Hoffnung, ­
  daß  sich  an  den  Erzeugnissen  der  Gesetzgebung  Qualitätsunterschiede ­
  herausbilden  könnten,  wenn  die  Stimmen  verschieden  gewertet ­
  und  die  Wahlmethoden  verändert  würden.  Lassen  sich  jedoch  die
Wähler  unter  dem  einen  Systeme  betören,  bestechen  und  durch  einschmeichelnde ­
  Worte  beschwatzen,  so  werden  sie  diese  Charakterschwäche ­
  auch  unter  jedem  anderen  Systeme  zeigen.  Bleibt  den  Wählern ­
  durch  mangelnde  Intelligenz  ihre  eigene  Gedankenwelt  verschlossen ­
  oder  können  sie  ihrer  Seele  kein  eigenes  Ideal  einprägen,  so  werden ­
  auch  kein  Referendum,  keine  Proportionalvertretung  oder  ähnliche ­
  Energieformen  der  demokratischen  Maschine  ihren  Intellekt
retten 1 .  Kein  Wechsel  im  Wahlsystem  vermag  die  politischen  Einflüsse ­
  eines  Gesellschaftszustandes  umzuwandeln,  der,  wie  der  unsrige,
das  Individuum  auf  Schritt  und  Tritt  verlockt,  den  Reichtum  und  den
äußeren  Glanz  zu  verehren,  und  ihn  dazu  erzieht,  das  Opfer  dieser  Anreizungen ­
  zu  werden.  Kein  mechanisches  Kunstwerk  kann  die  Reinheit ­
  der  demokratischen  Regierung  schützen,  durch  eigene  Tatkraft
muß  das  Volk  dies  tun.  Wie  sie  ihre  Wähler  erziehen  sollen  und  mit
welchen  Mitteln  sie  die  Leistungsfähigkeit  des  Repräsentationssystems
aufrecht  erhalten  können,  ist  das  Grundproblem  aller  Staaten.
Hielte  sich  die  große  Mehrheit  der  Wähler  über  die  Einzelheiten  der

1  In  dem  Buche,  worauf  ich  mich  schon  in  der  Fußnote  S.  54  bezogen  habe,  behauptet
Herr  Professor  Commons,  daß  das  Referendum,  indem  es  die  Aufmerksamkeit
von  den  Männern  auf  die  Maßregeln  lenkt,  die  Wähler  in  den  Stand  setze,  eine
sachgemäßere  Entscheidung  zu  treffen.  Auf  diese  Weise  erscheint  das  Referendum
das  Wesen  der  Politik  und  nicht  bloß  ihre  Form  zu  verändern.  Die  Kraft  dieses
Arguments  ist  in  einer  Gemeinschaft  mit  gemischter  Nationalität,  die  Professor
Commons  im  Auge  hat,  am  größten.  So  schlecht  nun  auch  ein  System  ist,  das
darauf  beruht,  daß  die  Wähler  ihre  Stimmen  nur  ihren  Landsleuten  geben  (der
            
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