Full text : Sozialismus und Regierung

versuchen  noch  obendrein,  auf  stacheligem  und  unfruchtbarem  Wege
eine  Maschine  aufzubauen,  die,  sollte  ihnen  die  Konstruktion  gelingen,
nicht  anders  als  der  moderne  Mechanismus  funktionieren  kann,  dessen
Mechanik  sie  doch  so  verschmähen.
Eine  Demokratie  ohne  Partei  wäre  eine  Menge  ohne  Ziel.  Jede  Person ­
  würde  den  Verlockungen  ihrer  eigenen  persönlichen  Interessen  oder
ihres  eigenen  persönlichen  Willens  folgen.  Ein  politischer  Staatsverband ­
  ohne  Parteien  gliche  einem  moralischen  Staatswesen  ohne  das  Institut ­
  der  Familie:  beide  könnten  auf  die  Dauer  nicht  existieren.  Oder
um  die  symbolische  Vergleichung  zu  variieren:  die  Parteien  leisten  dem
Strome  des  Fortschrittes,  der  seine  Fluten  unaufhörlich  zum  Ozeane
der  Vollendung  rollt,  denselben  Dienst,  den  die  natürliche  Terrainformation ­
  eines  Landstrichs,  welche  die  Bäche  einfängt  und  sie  in  ein  gemeinsames ­
  Bett  leitet,  einem  Flusse  erweist.  Als  eine  politisch  wirkende ­
  Ursache  muß  das  Volk  die  Fähigkeit  entwickeln,  seinen  eigenen
Willen  auszudrücken  und  eine  Methode  zur  Geltendmachung  dieses
Willens  zu  entdecken.  Nur  die  Parteien  in  irgendeiner  Form  oder  Gestalt ­
  ermöglichen  dies  allein.  Der  Unterschied  zwischen  einem  Parlamente, ­
  das  in  seiner  Politik  die  Kontinuität  bewahrt  und  ununterbrochen, ­
  jahraus  jahrein,  seinenLauf  verfolgt,  und  einer  Reihe  vereinzelter ­
  Zusammenkünfte,  auf  denenReihen  getrennter  Gegenstände  beraten
werden,  besteht  darin,  daß  indem  einenFalle  die  Parteien  alsVorinstanz
dafür  sorgen,  daß  die  Fragen  nicht  „rein  meritorisch“  behandelt  werden, ­
  sondern  in  Beziehung  auf  allgemeine  Prinzipien  und  in  verbundenen ­
  Gruppen,  während  in  dem  zweiten  Falle  jene  Führung  mangelt
und  die  Entscheidungen  in  keinem  Zusammenhänge  stehen,  von  keiner
allgemeinen  Idee  getragen  werden.  Folgenreiche  Ereignisse  müssen  mit
kausalen  Geschehnissen  verknüpft  werden,  in  allen  Richtungen  sind  die
Ideen  und  Prinzipien  anzuwenden.  Was  deshalb  so  oft  an  Parteien  bemängelt ­
  wird,  daß  ihre  Mitglieder  sie  nämlich  als  Ganzes  nehmen  müssen
oder  überhaupt  nicht,  mag  damit  zutreffend  begründet  werden  können,
daß  die  Partei  zu  autoritär  geworden  ist.  Wahrscheinlicher  ist  jedoch,
daß  es  die  Tatsache  anzeigt,  daß  die  Partei  der  folgerichtige  und  organische ­
  Weg  für  die  Anwendung  eines  Grundsatzes  ist  und  sie  daher  ungeteilt ­
  und  nicht  stückweise  akzeptiert  werden  will.  Das  Dasein  von
Parteien  bürgt  dafür,  daß  ein  richtunggebender  Strom  durch  die
menschlichen  Angelegenheiten  fließt.  Man  darf  die  Augen  nicht  vor

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