Full text: Sozialismus und Regierung

137 
die deren Beiträgen ein frühzeitiges Ende gesetzt wird, wirken wirt 
schaftlich wie moralisch unheilvoll. 
Im Anschluß hieran ist eine ganz heikle Frage zu erledigen. Was 
sind die relativen Ansprüche der Welt da draußen und der heimi 
schen Nation auf die Benutzung irgendeines Teiles der Erdoberfläche? 
In letzter Instanz reichen die Ansprüche so weit, als mit der Schärfe des 
Schwertes erzwungen werden kann. Von diesem jus naturae oder jus 
ferae haben die zivilisierten Völker den ausgiebigsten Gebrauch ge 
macht. Sie haben den eingeborenen Rassen ihr Land entrissen; ein Nein 
durften diese sich nicht erlauben. Doch wenn wir die historischen Tat 
sachen auf sich beruhen lassen, so können wir untersuchen, wie weit wir 
kungsvolle Aktionen gerechtfertigt waren, um diese Plätze dem Welt 
handel zu erschließen. Wir können den Grundsatz aufstellen, daß die 
Welt wohl berechtigt ist, sich der Früchte der Tropen zu erfreuen, 
daß sie aber kein Recht hat, die einheimischen Rassen durch Betrug 
zu expropriieren oder grausam auszubeuten, ihre kommunistischen Ge 
wohnheiten aufzulösen, sie zu demoralisieren und zu Vagabunden, 
Bettlern und Verbrechern zu machen. Diese Verpflichtung ist für 
die weiße Rasse eine schwere Bürde, sie hat sich ihr nicht gewachsen 
gezeigt. Die geographischen, klimatischen und sozialen Lebensver 
hältnisse der Tropen zerstören bei den Weißen, deren Dasein inmitten 
der autochthonen Völkerschaften verrinnt, das Vermächtnis gesitteter, 
humaner Lebensführung und Moralität. Auch stumpft das universelle 
Vorhandensein der Rassenantipathie, durch welche Gründe wir sie auch 
immer erklären mögen, das Gefühl unparteiischer Rechtspflege und 
verwandter Empfindungen zwischen weißer und farbiger Rasse ab. 
Hierfür Gründe anzuführen und gleichfalls darzulegen, weshalb die 
ser allgemeine Mangel merkwürdige Ausnahmen aufweist, ist eines der 
dunkelsten Probleme der Rassen Psychologie 1 . Doch offenbar muß sich 
jede in Frage kommende weiße Rasse, es sei denn, sie handle recht, 
nicht allein die Achtung der Eingeborenenverscherzen, sondern sie muß 
a uch ihren eigenen Gerechtigkeitssinn, ihre eigenen Kulturgefühle und 
demokratischen Instinkte einbüßen. Es ist ihr unmöglich, den Geist, 
der das Leben und den Sinn ihrer eigenen Demokratie bedeutet, zu 
behüten und lebendig zu erhalten, wenn sie den Neger zu ihren niedri- 
1 Dieser Gegenstand ist in dem Buche von Sir Sydney Olivier, K. C. M. G.: White 
Capital and Coloured Labour, London, Independent Labour Party, behandelt 
worden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.