Full text : Sozialismus und Regierung

punkten  geleitet;  denn  als  drohenden  Nachbar  hatte  es  Rußland  in
der  Mandschurei  und  Korea.  Handelsinteressen  bestimmten  Frankreich ­
  zur  Besitzergreifung  Madagaskars,  Amerika  zum  kubanischen  Feldzug ­
  und  uns  zum  Burenkrieg.  Ähnliche  Erwägungen  wirken  in  der  Anziehung, ­
  die  Ägypten  und  unsere  autonomen  Kolonien  auf  uns  ausüben.
Deutschland  glaubte  man  lange  Zeit  vom  Wunsche  beseelt,  Brasilien  zu
erobern,  damit  sich  die  deutschen  Auswanderer  unter  deutscher  Flagge
ansiedeln  könnten  und  nicht  gezwungen  wären,  dort  als  Fremdlinge  zu
wohnen,  wie  es  jetzt  der  Fall  ist.  Uns  dienen  unsere  Kolonien  zu  demselben ­
  Zwecke.  Wenn  diese  Motive  nicht  zu  einer  wirklichen  politischen ­
  Einverleibung  von  Territorien  führen,  so  errichten  sie  oft  eine  Art
Autorität,  die  wohl  schlecht  definiert  ist  und  keine  internationale
Anerkennung  hat,  aber  trotzdem  eine  Tatsache  ist,  wie  die  Vormundschaft ­
  der  Vereinigten  Staaten  über  Zentralamerika  oder  Japans  über
China.
Was  nun  auch  in  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  nicht  von  einer,
sondern  von  allen  politischen  Parteien  gegen  diese  Gebietsvergrößerung ­
  gesagt  worden  sein  mag  oder  was  man  darüber  dachte,  die
Bewegung  für  die  Zerbröckelung  und  Preisgabe  der  Kolonien  ist  erloschen. ­
  Die  politische  und  wirtschaftliche  Organisation  der  Welt  hat
sich  in  den  Köpfen  der  Menschen  eingenistet,  wenn  auch  nicht  gerade ­
  als  ein  klar  umrissenes  Ziel,  wohl  aber  als  eine  Idee,  als  Voraussetzung, ­
  die  nie  zu  Ende  gedacht,  nie  bewußt  formuliert  wird  und  die
doch  zur  selben  Zeit  unbestritten  waltet  und  als  Quelle  und  Führerin
für  Gedanken  und  Handlungen  tätig  ist.  Wie  ist  diese  Bewegung  von
dem  in  dieser  Studie  vertretenen  Standpunkt  zu  bewerten?
Zuerst  werde  ich  mich  mit  den  Fragen  der  Ernährung  befassen,  da
sie  die  geringsten  Schwierigkeiten  bieten.  Zweifellos  ist  der  Gewinn
eines  weltumspannenden  Warenaustausches  für  alle  Nationen  absolut.
Daß  die  Inseln  der  heißen  Zone  ihre  Produkte  nach  den  Wohnorten
der  gemäßigten  Zone  senden  sollen,  damit  diese  die  Erzeugnisse  anderer ­
  Klimate  genießen  können,  liegt  gewiß  im  Schöpfungszweck,
gäbe  es  so  etwas.  Auf  diesem  Wege  werden  die  Vorräte  für  die  Ernährung ­
  der  Welt  und  die  Hilfsquellen  der  Menschheit  bedeutend  vermehrt, ­
  Austausch  und  Güterzirkulation  nehmen  gewaltig  an  Umfang
zu.  Jede  Schranke,  die  hiergegen  errichtet  wird,  ist  schädlich.  Sowohl
Zollmauern  als  die  mörderische  Ausbeutung  der  Eingeborenen,  durch
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