Full text : Sozialismus und Regierung

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niedergehendes  Athen  oder  ein  gefallenes  Rom:  führend,  wenn  es  hierzu ­
  stark  genug  wäre;  untergeordnet,  wenn  seine  Schwäche  in  die  Augen ­
  spränge.  Es  gäbe  keine  allgemeine  britische  Justiz,  keine  gemeinsame ­
  Regierungstradition.  Jeder  Staat  ginge  seine  eigenen  Wege  und
fände  die  Unterstützung  der  übrigen  Staaten,  weil  jeder  gegen  die
Reichskontrolle  argwöhnisch  wäre.  Dies  wäre  ganz  deutlich  eine  Auflösung ­
  des  Reiches.  Und  dies  ist  die  Politik  der  modernen  Imperialisten ­
  mit  ihren  Programmen  der  Vorzugszölle  und  ihrem  Zögern,  den
Staaten,  wo  Schwarze  und  Weiße  beisammen  wohnen,  die  Bedingungen ­
  einer  Eingeborenenregierung  zu  diktieren.
Andererseits  kann  sich  das  Reich  unter  der  Leitung  weiser  Regierungskunst ­
  auf  organischen  Bahnen  entwickeln.  Es  kann  mit  einem
Nervenzentrum  versehen  werden;  seine  Tätigkeit,  Politik  und  Persönlichkeit ­
  ließen  sich  organisieren  und  würden  einen  Reichsgedanken  und
einen  Reichszweck  widerspiegeln.  Groß  sind  die  im  Wege  stehenden
praktischen  Schwierigkeiten.  Die  zu  ihrer  Überwindung  ersonnenen
Auskunftsmittel,  wie  die  Reichsföderation,  sind  nach  einer  längeren
oder  kürzeren  Dauer  der  Zustimmung  sämtlich  verworfen  worden.
Die  sich  selbst  regierenden  Staaten,  die  erst  jetzt  ihre  Unabhängigkeit
und  Bedeutung  empfinden,  sind  mit  vollem  Recht  empfindlich  gegen
Eingriffe  von  außen.  Sie  sind  gewillt,  an  dem  Ansehen  des  Reiches
teilzunehmen,  aber  es  soll  sich  nicht  in  ihre  Selbstregierung  mischen.
So  sind  die  Vorschläge  für  die  Schaffung  eines  Reichsparlamentes  auf
föderativer  Grundlage  und  eines  Reichsrates  abgelehnt  worden.  Nicht
besser  wird  es  der  Reichszollgesetzgebung  gehen,  sobald  man  sich  näher
mit  ihr  befaßt;  denn  wenn  der  Plan  bis  ins  einzelne  ausgedacht  wird,
sieht  man,  daß  er  durchaus  nichts  Imperialistisches  an  sich  trägt.  Gewisse ­
  Wirtschaftsinteressen  wären  innerhalb  des  Reiches  auf  Kosten  anderer ­
  Interessen  zu  begünstigen.  So  soll  z.  B.  der  kanadische  Weizenbauer ­
  durch  ein  Vorzugsabkommen  geschützt  werden,  unter  dem  der
kanadischeWollfabrikant  zu  leiden  glaubt;  dem  britischen  Industriellen
sollen  auf  dem  australischen  Markte  Vergünstigungen  gewährt  werden, ­
  die  der  britische  Lebensmittelkonsument  zu  bezahlen  hätte,  während ­
  die  Vergünstigungen  sich  faktisch  nur  auf  solche  ausgefallenen
Handelsartikel  beziehen  würden,  die  der  australische  Produzent  trotz
des  Schutzzolles,  der  in  manchen  Fällen  prohibitiv  wirkt,  gar  nicht
erobern  kann.  Das  ist  aber  kein  Vorschlag  für  eine  Reichseinheit,  son-
            
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