Full text : Sozialismus und Regierung

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Aus  zwei  großen  Gründen  hat  unsere  Weltpolitik  Fiasko  gemacht.
Erstens  hat  unser  Reich  hauptsächlich  auf  wirtschaftlicher  Ausbeutung
beruht.  Zweitens  ist  seine  Politik  zu  einer  Zeit  ausgebildet  worden,  wo
die  durch  die  historische  Erfahrung  bewirkten  wesentlichen  Unterschiede ­
  zwischen  den  Völkern  noch  nicht  erkannt  wurden;  wo  der
Westen,  der  von  seiner  Überlegenheit  über  den  Rest  der  Welt  überzeugt
war  und  glaubte,  daß  Fortschritt  die  Erziehung  der  übrigen  Welt  mit
abendländischen  Mitteln  und  Methoden  bedeutete,  seine  Kultur,  sein
Recht,  seine  Politik,  seine  Religion  mit  sich  nahm,  so  wie  er  seine  Kleidung ­
  mit  sich  schleppte,  und  dann  versuchte,  alle  Völker  nach  seinem
Ebenbilde  neu  zu  schaffen.  Der  Westen  hat  es  ehrlich  gemeint,  er  hat
sich  redlich  und  ergeben  befleißigt,  seine  Pflicht  zu  erfüllen,  aber  er  hat
sein  Ziel  verfehlt.
B.  DAS  REICH  UND  DIE  SELBSTREGIERUNGS-KOLONIEN
E in  Reich  autonomer  Staaten  gibt  nicht  dieselben  Probleme  auf  wie
ein  Reich  abhängiger  Gebiete,  aber  es  stellt  uns  vor  eine  sehr  wichtige
Frage.  Welche  Stellung  sollen  solche  Staaten  im  Reiche  einnehmen?
Wenn  das  Stammland  von  den  Tochterstaaten  verehrt  wird,  so  entsteht ­
  die  Frage  kaum,  aber  ein  solcher  Zustand  der  Dinge  kann  nicht
viele  Generationen  lang  währen.  Die  Pflanzstaaten  fühlen  bald  den
Stolz  und  die  Unabhängigkeit  der  Reife.  Sie  werden  reich,  nehmen  in
der  Welt  einen  Platz  ein  und  erwerben  ökonomische  und  politische  Interessen, ­
  die  sowohl  mit  denen  fremder  Staaten  als  des  Mutterlandes  ringen ­
  und  kollidieren.  Sie  reklamieren  infolgedessen  ein  stets  wachsendes
Maß  von  Unabhängigkeit.  Wenn  die  Staaten  tatsächlich  unabhängige
Nationen  geworden  sind,  —  wie  unsere  sich  selbstregierenden  Kolonien ­
  es  jetzt  sind,  —  was  sollen  dann  innerhalb  des  Reiches  die  Grenzen ­
  ihrer  Macht  sein?  Kann  z.  B.  jeder  einzelne  Staat  die  anderen  in
einen  Krieg  verwickeln?  Allmählich  aber  stetig  erwächst  dies  Problem.
Es  kann  mit  folgenden  Worten  gekennzeichnet  werden:  Soll  sowohl  das
Reich  wie  die  es  bildenden  Staaten  ein  Organismus  sein  oder  ein  mechanischer ­
  Verband  gleicher  Staaten?  Wäre  letzteres  der  Fall,  so  wäre  das
Reich  wenig  mehr  als  eine  Allianz,  wie  sie  unter  den  griechischen  Staatswesen ­
  und  zwischen  den  italienischen  Städten  üblich  war.  Die  Eigentümlichkeiten ­
  einer  solchen  Union  würden  sich  mit  der  Zeit  entwickeln.
Das  Stammland  hörte  auf,  das  Haupt  des  Bundes  zu  sein.  Es  wäre  ein
            
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