der Neuzeit, und mit gleicher Klarheit tritt es an den verschiedenen
Funktionen des modernen Staates zutage. Wenn wir die umfangreiche
Sozialgesetzgebung betrachten, die sich energisch von jener individualistischen
Auffassung des Staates entfernt, die der notwendige politische
Aspekt der Ökonomie einer reinen Mittelstandsbewegung ist, so entdecken
wir, daß der Staat nicht den Willen der dominierenden Interessen,
sondern den Willen der ganzen Gemeinschaft vermittelt, der
nach einem immer reicheren und universellen Ausdruck strebt. In
solchen Augenblicken des Wechsels vollziehen sich politische und soziale
Reformen äußerst schnell, oder es stauen sich im Staate revolutionäre
Kräfte. Wenn die Gesellschaft ihr Leben ausdehnt und dann
findet, daß über die im Staate verkörperte Macht eine Klasse verfügt,
deren Vorherrschaft bedroht ist und die auf ihre Gewalt nicht verzichten
will, so folgt die Revolution. Aber die Möglichkeit eines solchen
Konfliktes hängt von der mangelhaften Kontrolle ab, die die Gesellschaft
über den Staat ausübt. Nun haben jedoch die Veränderungen,
die sich über Jahrhunderte erstrecken, in der Richtung gewirkt, diese
Kontrolle umfassender zu gestalten.
Der Staat ist deshalb nicht das Instrument einer Klasse, sondern ein
Organ der Gesellschaft. Wenn der „Staat im Namen der Gesellschaft
von den Produktionsmitteln Besitz genommen hat“, wird er in eine
neue Phase seiner Tätigkeit getreten sein. „Die Regierung über Personen“
als Gegensatz gegen „die Verwaltung von Sachen" ist ein oberflächlicher
Vergleich. Weit entfernt, das Produkt „einer Regierung
über Personen" zu sein, ist der Staat eine Bedingung für die Ordnung
der sozialistischen Beziehungen und für die Organisation des sozialistischen
Austausches. In einem früheren Kapitel habe ich auf die Notwendigkeit
hingewiesen, daß in dem modernen Staate mit seinen komplizierten
ökonomischen Kräften ein höherer Wille und eine überlegenere
Intelligenz walten müssen, die diese Kräfte im Interesse aller kontrollieren.
Dies muß die große Funktion des sozialistischen Staats sein.
Unter der Herrschaft des Sozialismus wird der Staat nicht allein nicht
-abgestorben“ sein, wie Engels sich ausdrückte, sondern er wird eine
Organisation ausgebildet und eine Bedeutung in der Gemeinschaft erlangt
haben, die viel imposanter sein werden, als er sie möglicherweise
unter einem Regime der individualistischen Volkswirtschaft und der
auf Konkurrenz basierten Produktion hätte erreichen können. Mill