Full text : Sozialismus und Regierung

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tigt  werden.  Der  Umwandlungsprozeß  von  Arbeit  und  Rohmaterial  in
Güter,  von  Werten  in  Gebrauchswerte  und  die  völlige  Durchführung
des  als  Austausch  bekannten  Assimilationsverfahrens  müssen  von
einem  Organ  vollzogen  und  geleitet  werden,  das  sämtliche  Bedürfnisse
des  politischen  Körpers  vertritt.  Und  diese  Auffassung  von  der  sozialen ­
  Organisation  ist  es  eben,  die  den  Sozialismus  von  bloßer  Philanthropie ­
  und  der  anarchistischen  Gedankenwelt  deutlich  unterscheidet.
Es  ergibt  sich  also,  daß  der  Gesellschaft  von  den  Gesetzen  ihres  Daseins ­
  die  Notwendigkeit  aufgezwungen  wird,  den  Staat  zu  erhalten.
Der  Staat  erfüllt  eine  notwendige  Funktion,  er  ist  ein  Teil  der  sozialen ­
  Ökonomie,  und  dies  wirft  ein  neues  Licht  auf  das  Steuerwesen.
Der  Staat  bedarf  der  Einnahmen,  die  aber  nicht  notwendigerweise
aus  den  Einkommen  der  Einzelnen  zu  stammen  brauchen,  wie  die
Ökonomen  der  individualistischen  Schule  behaupteten.  Das  Einkommen ­
  des  Staates  wird  genau  so  gut  erworben,  wie  ein  persönliches
Einkommen,  und  die  überlegene  Richtigkeit  der  sozialistischen  Lehre
bewährt  sich  auch  hier  wieder.  Hinsichtlich  der  Steuergesetzgebung
ist  der  Individualist  nie  mit  sich  ins  Klare  gekommen.  Wohl  war  es
ganz  unbestreitbar,  daß  der  Staat  durch  Kreierung  einer  diplomatischen ­
  Körperschaft  für  die  auswärtigen  Angelegenheiten,  durch
Schaffung  einer  Armee  für  Verteidigungszwecke,  durch  Einsetzung
eines  Richterstandes  für  die  Rechtsprechung  und  durch  die  Errichtung ­
  von  Zivilbehörden  für  den  Verwaltungsdienst  den  Reichtum  und
die  Wohlfahrt  der  Nation  erhöht  hat.  Sobald  aber  die  Kosten  hierfür ­
  aufgebracht  werden  sollten,  fand  der  Individualist  zuerst  nichts
gerechter  als  die  Besteuerung  des  Luxus  und  späterhin  die  Umlagen
auf  große  Einkommen.  Mit  Entschuldigungen  ist  das  System  der  Besteuerung ­
  eingeführt  worden.  Man  setzte  voraus,  daß  die  besteuerten
Einkommen  verdient  worden  wären,  und  es  war  der  mächtige  Staat,
der  mit  der  Pistole  in  der  Hand  den  wehrlosen  Bürger  vor  die  Wahl
stellte:  5  %  deiner  Börse  oder  das  Leben.  In  ihrer  glücklichsten  Ausprägung ­
  vertrat  die  Lehre  die  Ansicht,  daß  das  Einkommen  einer
Person  das  Maß  des  Nutzens  anzeige,  den  sie  dem  Staate  verdanke,
obgleich  dies  natürlich  nicht  den  Tatsachen  entspricht.  Bezieht  jemand ­
  aus  Konsols  ein  Jahreseinkommen  von  100  Pfund  Sterling,  so
erwächst  ihm  aus  dem  Staate  mehr  direkter  Vorteil  als  einem  anderen,
der  durch  seine  ärztliche  Geschicklichkeit  jährlich  1000  Pfund  Sterling
            
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