Full text : Sozialismus und Regierung

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II.  DAS  WAHLRECHT
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Das  die  Liberalen  und  bürgerlich  Radikalen  beherrschende  Thema  war
die  Zusammensetzung  der  gesetzgebenden  Körperschaft.  Wer  sollte
wählen?  Wie  sollte  man  wählen?  In  welches  Verhältnis  sollten  Parlament ­
  und  Wählerschaft  zueinander  treten?
Der  Liberalismus  ist  zur  Beantwortung  dieser  politischen  Fragen,
die  ein  philosophisches  Gewand  begehrten,  geschaffen  worden;  jetzt
hat  der  Sozialismus  das  Erbe  dieser  politischen  Philosophie  und  Leistung ­
  des  Liberalismus  angetreten.
Sollen  die  politischen  Grundsätze  des  Sozialismus  mit  seiner  Gesellschaftslehre ­
  in  Übereinstimmung  gebracht  werden,  so  muß  die
individualistische  Grundlage  der  liberalen  politischen  Philosophie,
worauf  ich  bereits  hingewiesen  habe,  durch  anderes  ersetzt  werden.
Zeitgemäß  ist  außerdem  die  Ausbesserung  der  Gesetzgebungsmaschine
in  allen  ihren  Teilen,  und  das  Vorrücken  der  sozialistischen  Gesetzgebung ­
  treibt  obendrein  ihre  Widersacher  dazu,  verfassungsrechtliche
Veränderungen  zu  fordern,  um  die  Gesetzgebung  zu  erschweren.  Der
Sozialist  muß  sich  deshalb  anschicken,  die  ihm  wünschenswert  erscheinenden ­
  Reformen  von  seinem  eigenen  Standpunkte  aus  zu  erörtern, ­
  er  muß  eine  klare  Einsicht  in  das  Wesen  seiner  demokratischen ­
  Grundsätze  haben,  so  daß  er  sich  allen  Änderungen  entgegenstemmen ­
  kann,  die  sein  begonnenes  Werk  verzögern,  und  dafür  sorgen, ­
  daß  die  Zeit  nicht  mit  anderen,  für  das  Staatsleben  praktisch
bedeutungslosen  Sachen  vergeudet  wird.  Richtig  geschätzt  wird  eine
solche  Erkenntnis  erst,  wenn  man  sich  daran  erinnert,  daß  der  Regierungsapparat ­
  den  Fortschritt  aufhalten  oder  beschleunigen  kann.
Einige  Sozialisten,  die  sich  durch  gleißnerische  Äußerlichkeiten  und
tönende,  dem  Gefühlsleben  entlockte  Phrasen  haben  betören  lassen,
haben  sich  in  unüberlegten  Augenblicken  für  das  Referendum  verpflichtet. ­
  Es  sind  gerade  die  individualistischen  Gegner  des  Sozialismus, ­
  die  heute  dasselbe  Referendum  als  einen  der  sichersten  Schutzwälle ­
  der  bestehenden  Interessen  preisen.
Gelegentlich  haben  sich  Sozialisten  in  der  Verwaltung  ihrer  eigenen
Geschäfte  zu  den  urwüchsigsten  Begriffen  demokratischer  Kontrolle,
            
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