Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Eisen

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Eisen

fast  ganz  aus  Eisenspat.  Fast  nirgends  fehlt
Eisen  völlig.  Nahezu  alle  Tiere,  Pflanzen  und
Mineralien  enthalten  Eisen,  wenn  manchmal  auch
in  recht  geringer  Menge.  Unter  „Eisenerz“
versteht  man  nur  diejenigen  mineralischen  Vorkommnisse ­
  von  Eisenverbindungen,  die  bei  der
Eisenerzeugung  eine  Rolle  spielen,  nur  von  ihnen
seien  hier  die  wichtigsten  angeführt.  In  erster
Linie  treten  die  Sauerstoffverbindungen  des  Eisens
hervor.  Magneteisenstein,  ein  Eisenoxydoxydul, ­
  findet  sich  ziemlich  rein  in  Schweden  und
liefert  das  beste  Eisen  (Schwedisches  Eisen).
Hämatit,  Eisenoxyd,  kommt  als  Eisenglanz
und  als  Roteisenstein  vor.  Hauptfundort  für
ersteren  ist  Schweden,  Lappland  und  die  Insel
Elba,  während  der  Roteisenstein  mit  den  Abarten
roter  Glaskopf  und  —  bei  höherem  Gehalt  an
Ton  —  toniger  Roteisenstein  sich  in  Deutschland, ­
  Frankreich  und  England  vorfindet.  Brauneisenstein ­
  ist  Eisenhydroxyd,  Bohnerz  ein
toniger  Brauneisenstein  vom  Harz,  Süddeutschland, ­
  der  Schweiz  und  Südfrankreich.  Raseneisenerz ­
  besteht  ebenfalls  aus  Eisenhydroxyd,
enthält  jedoch  Manganoxyd,  Phosphorsäure,  Kieselsäure ­
  und  organische  Reste.  Es  entsteht  noch
jetzt  an  moorigen  Stellen  aus  Pflanzenresten,
und  das  aus  ihm  hergestellte  Eisen  ist  infolge
des  Phosphorgehaltes  „kaltbrüchig“.  —  Zu
diesen  wertvollen  Sauerstoffverbindungen  tritt  als
wichtigstes  Eisensälz  das  kohlensaure  Eisenoxydul ­
  in  den  Mineralien  Eisenspat  und  Sphärosiderit.
  Hierher  gehört  auch  der  tonige  Eisenstein ­
  und  der  Kohleneisenstein,  welche,  für
England  die  wichtigsten  Erze  bilden  und  fast
900/0  seiner  gesamten  Eisenerzeugung  ergeben.
Die  Schwefelverbindungen  des  Eisens  werden
nicht  direkt  zur  Eisengewinnung  verwandt,  sondern ­
  dienen  zunächst  der  Schwefelsäurerzeugung,
und  erst  die  dabei  erhaltenen  Abbrände  werden
auf  Eisen  verarbeitet.  Im  Laufe  der  Jahrhunderte
ist  die  Eisengewinnung  so  verbessert  worden,  daß
viele  früher  als  wertlos  angesehene  Vorkommen
jetzt  zu  den  Eisenerzen  zu  rechnen  sind.  Der
Weltkrieg  hat  für  Deutschland  diesen  Vorgang  in
ungeahnter  Weise  beschleunigt.  —■  Das  Ziel  der
Eisenherstellung  bleibt  fast  immer  ein  mehr  oder
weniger  kohlenstoffhaltiges  Eisen,  da  das  reine
Metall  für  die  Technik  ohne  Wert  ist  und  nur  in
der  Galvanoplastik  etwas  stärkere  Verwendung
findet.  Chemisch  reines  Eisen  entsteht,
wenn  man  reines  Eisenoxyd  oder  oxalsaures  Eisen
mittels  Wasserstoffs  bei  dunkler  Rotglut  reduziert,
als  ein  schwarzes  Pulver,  das  bei  starkem  Erhitzen
an  der  Luft  unter  lebhafter  Feuererscheinung  verbrennt ­
  („pyrophosphorisches  Eisen“);  findet
die  Reduktion  bei  höherer  Temperatur  statt,  so
wird  das  E.  in  kompaktem  Zustande  gewonnen,
ebenso  wenn  man  Schmiedeeisen  mit  Eisenoxyd
im  Gebläse  glüht.  Bei  diesem  Prozesse  wird
der  geringe  Kohlenstoffgehalt  des  Schmiedeeisens
dazu  verwandt,  aus  dem  Eisenoxyd  etwas  E.  zu
bilden,  das  dann  zu  dem  jetzt  vom  Kohlenstoff
befreiten  Schmiedeeisen  hinzutritt.  Schließlich
kann  auch  durch  elektrische  Zersetzung  einer
mit  Salmiak  gesättigten  Eisenvitripllösung  reines
Eisen  gewonnen  werden.  Es  ist  in  kompaktem
Zustande  fast  silberweiß,  sehr  geschmeidig  und
politurfähig  und  bei  beginnender  Weißglut
schweißbar,  wird  aber  bei  steigender  Temperatur

wieder  spröde  und  schmilzt  erst  im  heftigsten
Gebläsefeuer  (bei  1529 0  C).  Während  des  Erhitzens
  des  festen  Eisens  und  ebenso  beim  Erkalten ­
  weist  die  Temperaturbewegung  drei  Halte
punkte  —  bei  768,  907,  1401  bzw.  1401,  898,
768°  C  —  auf,  die  als  Umwandlungstempe
raturen  des  Eisens  angesehen  werden  (a-,  ß-,  y-,
^Modifikation).  Der  bei  der  ß-y-  bzw.  y-ß-Umwandlung
  stattfindende  Temperaturunterschied
(907—898°)  wird  Hystaresis  genannt.  Vom  Magneten ­
  wird  die  «-Modifikation  angezogen  und
durch  Umleiten  eines  elektrischen  Stromes  selbst
zu  einem  Magneten,  verliert  diese  Eigenschaft
aber  mit  dem  Aufhören  des  Stromes.  Reines  E.
rostet  nicht  in  trockener  Luft  und  in  luftfreiem
Wasser,  wohl  aber,  wenn  Luft  und  Feuchtigkeit
vereint  darauf  einwirken,  besonders  wenn  überdies ­
  Säuren,  wie  Kohlensäure,  zugegen  sind.  Die
dem  reinen  E.  innewohnenden  Eigenschaften
werden  durch  den  mehr  oder  weniger  großen
Gehalt  des  technischen  E.  an  Kohlenstoff  modifiziert. ­
  Man  unterschied  bis  zum  Jahre  1876
hauptsächlich  nach  dem  Kohlenstoffgehalte  folgende ­
  Gruppen  von  Eisensorten:  E.  von  0,1  bis
0,4,  höchstens  0,6%  Kohlenstoff  wurde  und  wird
noch  heute  als  Schmiedeeisen  (frz.  Fer,  engl.
Soft  iron)  bezeichnet.  Es  soll  sich  rotglühend
leicht  mit  dem  Hammer  bearbeiten,  weißglühend
schweißen  lassen  und  glühend  in  kaltes  Wasser
getaucht  keine  Veränderung  der  ursprünglichen
Weichheit  zeigen.  Auch  nahm  man  früher  an,
daß  frischer  Bruch  ein  sehniges  oder  hakiges
Gefüge  zu  zeigen  habe,  und  daß  das  E.  in  größeren ­
  Massen  sich  nicht  schmelzen  ließe.  E.  mit
0,4  oder  0,6—2  °/o  Kohlenstoff  hieß  Stahl  (frz.
Acier,  engl.  Steel).  Er  soll  sich  schmieden,
schweißen,  schmelzen  und  härten  lassen.  (Die
Schweißbarkeit  nimmt  mit  wachsendem  Kohlenstoffgehalte ­
  ab,  die  Schmelzbarkeit  zu.)  Als
Hauptmerkmal  für  Stahl  gilt  die  Härtbarkeit.
Glühender  Stahl  in  Wasser  getaucht  nimmt  bedeutend ­
  an  Härte  zu,  im  Zusammenhang  mit
einer  mehr  oder  weniger  vollständigen  Unterdrückung ­
  der  Modifikationsumwandlungen.  Der
Bruch  soll  immer  ein  feinkörniges  Gefüge  haben
und  möglichst  gleichmäßig  sein.  E.  mit  2—5  °/o
Kohlenstoff  hieß  und  heißt  noch  Roheisen
(frz.  Fer  fonte,  engl.  Pig  iron),  läßt  sich  nicht
schmieden  und  schweißen,  schmilzt  aber  leicht,
—  Wenn  gelegentlich  der  Weltausstellung  in
Philadelphia  1876  beschlossen  wurde,  von  dieser
älteren  Einteilung  abzugehen,  so  lag  dies  einerseits ­
  daran,  daß  einige  der  genannten  Merkmale
des  Schmiedeeisens,  Unschmelzbarkeit  und  sehniger ­
  oder  hakiger  Bruch,  nicht  mehr  für  alles
Eisen  mit  niedrigem  Kohlenstoffgehalte  zutrafen,
und  andererseits  die  angegebenen  Grenzzahlen
für  Kohlenstoff  auch  sonst  oft  infolge  des  Einflusses ­
  gewisser  Zusätze  zum  Teil  stark  verwischt
wurden.  Schmiedeeisen  wird  jetzt  im  großen  in
flüssigem  Zustande  erhalten,  und  der  Bruch
dieses  Erzeugnisses  erscheint  stahlartig  und  feinkörnig, ­

            
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