Harlemer Balsam
Harzöl
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Ernährung, ferner als Vogelfutter und, medi
zinisch, zu Emulsionen Verwendung. — Das
Kraut, Herba oder Summitates cannabis,
auch indischer H. genannt, bildet den Roh
stoff zur Darstellung narkotischer Präparate,
Jedoch eignen sich hierzu nur die tropischen,
besonders indischen Sorten, die bisweilen auch
als eine besondere Art, Cannabis indica, an
gesehen werden. Von den drei Handelssorten
bildet die Ganja oder Gunja */ 2 kg wiegende
Bündel, die aus 20—30 verästelten, entblätterten
Stengelspitzen der weiblichen Pflanze bestehen
und einen stark narkotischen Geruch sowie
harzig bitteren Geschmack besitzen. Die zweite
Sorte: Bhang, Guaza oder Siddhi, die in der
Kegel zu uns kommt, besteht aus einem Ge
misch stengelloser Blütenstände mit Blättern
und Früchten und erscheint meist in Form dicht
mit Harz verklebter Knäuel. Sie ist harzärmer
und von schwächerem Geruch. Die dritte Sorte:
Ch aras oder Churus endlich verbleibt in In
dien, Als wirksame Bestandteile der Droge hat
man ein bei 40 0 schmelzendes Harz(Kannabin),
ferner ätherisches Öl und ein Alkaloid (Kanna-
binin) isoliert. Der a'koholische Auszug und
die Tinktur finden medizinische Anwendung als
Schlafmittel. — Der indische Hanfextrakt (lat
Extractum cannabis indicae, frz. Extrait de
chanvre Indien, engl. Extract of Indian hemp)
wird aus dem zerkleinerten Kraute durch Aus
ziehen mit Weingeist gewonnen und als Zusatz
zu verschiedenen Hühneraugenmitteln benutzt.
Eie Hauptmengc dient aber zur Herstellung von
Haschisch, d. s. verschieden zusammengesetzte
Zubereitungen, die geraucht oder getrunken
Werden und dabei wie Opium einen eigentüm
lichen Zustand der Berauschung, bei fortgesetz
ter Anwendung aber schwere Störungen ver
ursachen.
Harlemer Balsam oder öl (Holländischer
°der Silber balsam, Silber- oder Ti 11 y-
tropfen, lat. O.eura tereblnthinae sul.'uratum,
Hz. Baume de soufre thdrübinthme, Huile
d’Haarlem, engl. Harlem balsam), ein Produkt
der trockenen Destillation von Aloe, Weih
much, Myrrhen und Olivenöl, oder ein Gemisch
v °n geschwefeltem Leinöl mit Terpentinöl, wird
als Hausmittel benutzt.
Harmalasamen sind die Samen einer zur Fa
milie der Butazeen gehörigen Steppenpflanze,
Beganum Harmala (L.), die im südlichen
Kußland, in der Türkei, Persien und am Kaspi
schen Meere wild wächst, zuweilen auch an-
ßebaut wird. Sämtliche Teile der Pflanze haben
einen starken und angenehmen Geruch und
etwas brennenden Geschmack; die in einer
Kugdig dreifurchigen Kapsel liegenden Samen,
me im Orient als Gewürz benutzt werden, sind
dreiseitig, an einer Seite gewölbt und enthalten
Ueben einem roten Farbstoff, dem Harmala-
Jot, zwei Alkaloide, das Harmalin und das
Karmin, farblose, kristalliniscne Körper von
®tark bitterem Geschmack. Die Samen sollen in
uer Türkei nach dem Rösten und Behandeln mit
Schwefelsäure zum Rotfärben benutzt werden.
Harnsäure (lat. Acidum uricum, frz. Acide
Ur *que, engl. Uric acid), eine stickstoffhaltige
Organische Säure, CjH^N^Os, war eine Zeitlang
,v°r cl ern Aufkommen der Anilinfarben) ein
ziemlich gesuchter Handelsartikel, den man zur
Bereitung des Murexids benutzte. Zu ihrer Dar
stellung bediente man sich, da der Menschen
harn zu geringe Mengen enthält, der Schlangen
exkremente, späten des Peruguano. 100 kg Guano
geben etwa 7 kg Säure in Form eines bräunlich
gelblichen Pulvers, welches durch weitere Reini
gung in schneeweißen Kristallen erhalten wird.
Hartspirilus ist durch Auflösen von Seife, am
besten reinem stearinsauren Natrium, oder von
Zelluloseazetat in feste Form übergeführter
Spiritus, der zur Beheizung von Spirituskochern
besonders im Kriege viel benutzt wurde.
Harz (lat. Resina, frz. Resine, engl. Resin).
Unter diesem Namen faßt man in der Wissen
schaft zahlreiche pflanzliche Ausscheidungspro
dukte zusammen, die in der Hauptsache aus
stickstofffreien Verbindungen von Kohlenstoff,
Wasserstoff und Sauerstoff (Harzsäuren, Ester)’
bestehen und in Wasser unlöslich, in Alkohol,
Äther, Schwefelkohlenstoff hingegen in der Regel
löslich sind. Als besondere Unterabteilungen
werden von ihnen die Gummiharze (Gum-
migutti, Asa foetida, Ammoniakgummi,
Galbanum, Myrrhe, Weihrauch), das sind
Gemische von Harzstoffen mit Gummi, und die
Balsame (Terpentin, Kopaiva-, Gurjun-,
Mekka-, Peru-, Tolubalsam, Storax), Lö
sungen von Harzstoffen in ätherischen ölen,
unterschieden. Zu den eigentlichen Harzen
gehören u. a. Schellack, Kopal, Mastix,
Benzoe, Drachenblut, Dammat, Elemi,
Sandarak, Guajak- und Akaroidharz so
wie vor allem das Fichtenharz. Die einzelnen
Harze, Gummiharze und Balsame sind unter
ihrem besonderen Namen besprochen worden.
Harztrsatz (Kunstharz) wird durch Erhitzen
von Formaldehyd mit Phenolen (oder Kresolen)
und einer Kontaktsubstanz (Alkalien, Säuren,
Gerbextrakt, Kasein) als eine harzartige Masse'
dargestellt, die in Alkohol oder Azeton löslich
ist, sich, wenn auch unvollkommen, mit Fuß
bodenölen mischt oder mit Universalfarben ver
reiben läßt und glänzende, durchscheinende,
rasch trocknende Anstriche gibt. Ein derartiges
Erzeugnis der Bakelit-Gesellschaft wird als Ba
kelit, im Gemisch mit Kumaronharz (s. d.) als
Albertole bezeichnet. — Ein anderer H. der
Chemischen Fabrik Nördlinger entsteht durch
Behandlung von HolzteerÖl mit Schwefelsäure,
ein weiterer von Bartling und Haege durch Er
hitzen von Lignit mit Kali und Soda. — Schließ
lich ist auch eingedickte Sulfitlauge als Harz
ersatz benutzt worden.
Harzkitte, aus Harzrückständen, meist unter
Zusatz von Kautschuk oder Guttapercha, durch
Auflösen in Schwefelkohlenstoff, hergestellt,
dienen zum Verkitten solcher Gegenstände, bei
denen besondere Haltbarkeit gewünscht wird.
Harzöl (Harzgeist). Das bei der Destillation
von Leuchtgas aus Fichtenharz in Menge von
20—250/0 erhaltene rohe H. dient zur Herstel
lung einiger technisch wichtiger Stoffe. Der bei
120—130 0 übergehende Harzgeist (Pinolin)
kann als Beleuchtungsmittel sowie als Ersatz
für Terpentinöl gebraucht werden, nachdem
er vorher durch Schütteln mit Natronlauge ent
säuert und mit Dampf destilliert worden ist.
Durch weitere Destillation des Rohöls bis zu