Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Häute

157

Häute

und  Fischschuppen.  Als  durchsichtiger  Körper
liefert  sie  Leim-  oder  Glaspapier,  das  zu  Durchzeichnungen ­
  und  zum  Bedrucken  mit  Bildern
gebraucht  wird.  Als  Glanzstoff  wird  sie  zum
Appretieren  von  seidenen  und  anderen  feinen
Zeugen  und  Bändern  benutzt.  Den  stärksten
Verbrauch  aber  hat  sie  als  Klärmittel  für  trübe
Biere'  und  Weine,  denen  sie  im  aufgequellten
Zustande  beigemischt  wird.  Die  russische  Ware
gelangt  in  den  Handel  entweder  in  Ballen  von
Jo  Pud  (i  Pud  =  16,38  kg)  oder  in  Fässern  von
12—14  Pud,  in  denen  sie,  in  grobe  Säcke  verpackt, ­
  enthalten  ist.  Als  sog.  künstliche  H.
kommen  Erzeugnisse  in  den  Verkehr,  zu  deren
Herstellung  nicht  nur  die  Blase,  sondern  auch
Haut,  Magen  und  Därme  großer  Fische  zu  einer
Gallerte  verkocht  und  dann  zu  dünnen  Blättern
getrocknet  werden.  Sie  bilden  ein  geringwertiges ­
  Material  für  Fischleim.
Häute  (frz.  Peaux  brutes,  Cuirs  en  poil,  engl.
Hides)  nennt  man  die  äußeren  Umkleidungen
tierischer  Köfper,  und  zwar  im  Handel  hauptsächlich ­
  diejenigen  aller  größeren  Tiere,  währ
 end  die  kleinerer  Tiere  Felle  genannt  werden.
So  sagt  man  Riiiderhaut,  Roßhaut,  Eselshaut,
dagegen  Kalbfell,  Hasenfell  und  Ziegenfell.
Auch  werden  sämtliche  Rauchwaren  als  Felle
bezeichnet.  Unter  Häuten  versteht  man  nur
die  rohe,  unbearbeitete  Ware,  die  fast  ausschließlich ­
  zum  Gerben  bestimmt  ist.  Gegerbt
beißen  sie  Leder.  Die  wichtigsten  im  Handel
v orkommenden  Häute  sind  Rinder-,  Roß-  und
Büffelhäute.  Mit  Ausnahme  der  kleineren  und
schwächeren  ostindischen  und  ähnlicher  Sorten
Werden  Ochsen-  und  Kuhhäute  überseeischer
Abkunft,  die  von  Herden  stammen  und  großenteils ­
  mit  Brandzeichen  versehen  sind/meist  zu
Sohlenleder,  die  von  europäischem,  im  Stall
a ufgewachsenem  Vieh  aber  auch  zu  Riemen-JJJJd
  Sattlerleder  gegerbt.  Während  die  Häute
v on  europäischem  Vieh  meist  von  den  Schlachtern ­
  direkt  in  die  Hände  der  Gerber  übergehen,
bilden  die  überseeischen  Häute  (Wildhäute)
einen  bedeutenden  Handelsartikel,  der  von  allen
Weltteilen  nach  Europa  und  den  Vereinigten
Staaten  eingeführt  wird.  Die  Wildhäute  kommen
a nf  dreierlei  Art  zum  Versand:  1.  trocken.
Hie  Trocknung  gelingt  gut  bei  scharfer  Luft,
fahrend  bei  wechselndem  Tau,  Regen  und
Sonnenschein  nur  mit  größter  Sorgfalt  Beschädigungen, ­
  besonders  durch  Sonnenbrand,
^ctmieden  werden  können.  Trockne  Häute  sind
bei  langer  Beförderungsdauer,  namentlich  aus
beißen  Gegenden,  in  hohem  Grade  durch  Wurmttaß
  gefährdet.  2.  trocken  gesalzen,  d.  h.
a ach  dem  Schlachten  auf  der  Fleischseite  mit
balz  (teilweise  auch  Salpeter)  eingerieben  und
bann  an  der  Luft  getrocknet.  Diese  hauptsächf
 c h  in  Brasilien,  Madagaskar  und  Mauritius  üb-‘che
  Behandlung  erhöht  das  Gewicht  nahezu
Un J  die  Hälfte,  aber  die  Ware  erhält  sich  gut,
JbJd  nur  etwa  vorherrschender  Salpeter  bewirkt

bi;

steilen  Erhitzung  oder  Fäulnis.  3.  grün  gegj

  2 en,  naß  gesalzen  oder  in  Kissen  gesalzen
e i® rart 'g c  H,  werden  zwischen  Salzschichten
^mge  Tage  aufgestapelt,  bis  das  Blut

und

asser  abgelaufen  ist,  dann  mit  einigen  Kilog
  atnm  Salz,  das  auf  beiden  Seiten  anhängen
ei bt,  in  ein  Bündel  zusammengefaltet  und  eingeschnürt. ­

  Solche  Häute  behalten  jahrelang  ihre
Frische  und  Geschmeidigkeit  und  sind  für  Sohlleder ­
  ganz  besonders  geeignet.  Das  Gewicht
einer  grün  gesalzenen  Haut  beträgt  fast  das
Doppelte  einer  trockenen,  der  Wert  ist  jedoch
ein  relativ  höherer  wegen  ihrer  Frische  und  der
Gewißheit,  daß  sie  gut  erhalten  ist.  Die  trotzdem ­
  bisweilen  vorkommenden  Beschädigungen,
wie  Schnitte,  Löcher,  wunde  Haarseite  und
dergl.  sind  ohne  weiteres  erkennbar.  Dieser
Art  des  Salzens  bedient  man  sich  meist  in  den
La-Plata-Staaten  und  anderen  Teilen  Südamerikas, ­
  aber  auch  in  Australien  und  am  Kap  der
guten  Hoffnung.  —  Von  den  Exportplätzen
roher  Wildhäute  nimmt  Buenos  Aires  den  ersten
Rang  ein,  dann  folgen  Montevideo  und  Rio
Grande,  die  Erzeugnisse  von  nahezu  gleicher
Güte  liefern,  ferner  Rio  de  Janeiro-,  Bahia,  Pernambuko,
  Ceara,  Valparaiso,  Lima,  Para,  Callao,
Marakaibo,  Kapstadt,  Sidney  und  Melbourne.  Bisweilen ­
  werden  aber  auch,  meist  durch  Futtermangel ­
  oder  Seuchen  veranlaßt,  Massenschlachtungen ­
  in  solchen  Ländern  .vorgenommen,  deren
Ausfuhr  sonst  nicht  belangreich  ist,  so  z.  B.  in
den  60er  Jahren  in  Marokko,  später  in  Tunis
und  Algier,  neuerdings  in  China  und  Arabien.
Nordamerika  ist  hingegen,  wegen  seiner  rasch
entwickelten  Lederindustrie,  zu  einem  Einfuhrlande ­
  geworden,  so  daß  es  jetzt  auf  die  Preise
in  Europa  einen  maßgebenden  Einfluß  ausübt.
Roß  häute  oder  Pferdehäute  f  nden  nur
zu  Schuh-  oder  Stiefeloberleder  Verwendung.
Sie  gelangen  neben  den  beträchtlichen  Erträgnissen ­
  europäischer  Abdeckereien  und  Roßschlächtereien ­
  hauptsächlich  aus  den  La-Plata-Staaten,
  in  geringeren  Mengen  auch  aus  Australien, ­
  Rußland  und  Nordamerika  zur  Einfuhr.
Büffelhäute,  die  hauptsächlich  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nordamerika,  seltener  in
England  und  Deutschland,  wie  die  Ochsen-  und
Kuhhäute,  zu  Sohlenleder  gegerbt  Werden,  sind
billiger,  aber  auch  dicker  und  schwerer,  von
lockerem  Gefüge  und  überhaupt  geringerer  Güte
als  die  Rinderhäute.  —  Ostindische  Häute
(Kips  —  von  Kip,  eine  kleine  Rindhaut)  sind
von  den  besprochenen  Wildhäuten  wesentlich
verschieden.  Sie  werden,  weil  schwächer  und
geschmeidiger,  fast  nur  zu  Oberleder  gegerbt,
ersetzen  sowohl  das  schwache  Kuhleder  wie
das  starke  Kalbleder  und  sind  auch  bei  guter
Gerbung  von  eher  noch  größerer  Dauerhaftigkeit. ­
  Marktstiefel  und  Schuhe  werden  meist  aus
Kips  gefertigt.  Die  ostindischen  Häute  entstammen, ­
  der  religiösen  Vorschrift,  kein  Tier  zu
töten,  entsprechend,  meist  von  gefallenem  Vieh
und  kommen  nach  äußerlicher  Behandlung  mit
Salz,  Kalk  oder  Kot  über  Kalkutta,  Bombay,
Madras,  Kurrachee  und  Kochin  in  den  Handel.
Die  hauptsächlichsten  Sorten,  die  in  Kalkutta
zur  Verschiffung  gelangen,  sind:  Northwestern,
Dacca,  Hoogly,  Kalkutta,.  Durbangah,  Patna,
Burdwan,  Cuttae,  Ganjam,  Gopaulpore  und
Bimlipatam.  Neuerdings  werden  viele  der  besten
H.,  besonders  Delhi-  undLucknow-  und  anderer
Northwestern-Sorten  zum  Schutze  gegen  Vv'urmfraß
  mit  Arseniklösung  zugerichtet,  doch  ist
dieses  Verfahren  ziemlich  kostspielig,  ohne  hinreichende ­
  Gewähr  zu  bieten.  Eselshäute  aus
Italien,  Frankreich  und  Spanien  werden  zu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.