Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Heidelbeeren

159

Herba

als  einwandfreies  Futter-  und  Nahrungsmittel
in  den  Handel  gebracht.  Die  dazu  erforderlichen
großen  Hefemengen  züchtet  man  durch  Aussaat
besonderer  Heferassen  auf  eine  Nährlösung  aus
Zucker  (Melasse)  und  Ammoniumsulfat,  wobei
durch  starke  Lüftung  eine  Bildung  von  Kohlensäure ­
  und  Alkohol  verhindert  wird.
Heidelbeeren  (Blaubeeren,  Bickbeeren,
Schwarzbeeren,  lat.  BaCcae  myrtillorum,
Fructus  myrtilli,  frz.  Baies  de  myrtille,  engl.
Bil-berries),  die  Früchte  des  in  höher  gelegenen
Wäldern  häu.ig  wachsenden  kleinen  Strauches
Vaccinium  Myrtillus,  bilden  nicht  nur  im
frischen  Zustande  den  Gegenstand  eines  nicht
unbedeutenden  Handels,  sondern  sind  auch  getrocknet ­
  Gegenstand  des  Drogenhandels.  Die
Beere  enthält  neben  Zucker  und  Gummi  einen
purpurroten  Farbstoff,  Äpfelsäure  und  Zitronensäure ­
  und  schmeckt  angenehm  süßsäuerlich  und
etwas  zusammenziehend.  Getrocknet  ist  sie
schwarz,  runzlig  und  in  der  Form  kleinen  Rosinen ­
  ähnlich,  im  übrigen  aber  an  Gehalt  und
Wirkung  unverändert.  Die  getrockneten  Beeren
bilden  in  Abkochung  ein  Volksheilmittel  gegen
Diarrhöen,  als  welches  sie  in  Frankreich,  Rußland, ­
  Rumänien  und  der  Levante  sogar  für  den
Armeebedarf  benutzt  und  aus  Deutschland  bezogen ­
  werden.  Namentlich  das  Erzgebirge,
Fichtelgebirge,  der  Thüringer  Wald  und  der  Harz
liefern  jährlich  bedeutende  Mengen  H.,  die  in
großen  Körben  versandt  werden.  Auch  der  ausgepreßte ­
  Saft  der  H.  (FI  eidelbeersaft)  ist  ein
Handelsartikel  und  wird  in  Frankreich  zum
Nachfärben  blaßroter  Weine,  zum  Färben  von
Likören,  nachgemachtem  Burgunderessig  und
dergleichen  viel  benu.zt.  In  Deutschland  ist  die
Verwendung  zum  Färben  des  Weines  gesetzlich
verboten.  Der  vergorene  Most  kommt  als  Heidelbeerwein
  in  den  Flandel,  der  als  billiger
Natur  wein  vielfach  gegen  Bleichsucht  und  Blutarmut ­
  benutzt  wird.  •—  Das  Heidelbeerkraut
(lat.  Herba  myrtiili,  frz.Feuilles  de  myrtilli,  engl.
B.Iberries  leaves)  findet  in  der  Naturheilmethode
Anwendung.
Hekto^raphenmasse,  eine  aus  Wasser,  Glyzerin ­
  und  Geiarine  oder  Leim  bestehende  Gallerte,
wird  hergestellt,  indem  man  den  Leim  oder  die
Gelatine  in  der  vorgeschriebenen  Menge  Wasser
löst  und  darauf  das  Glyzerin  hinzusetzt.  Auf
3oo  g  Leim  nimmt  man  500  g  Wasser  und  noog
Glyzerin,  auf  100  g  Gelatine  300  g  Wasser  und
7oo  g  Glyzerin.
Hektographentinte  besteht  aus  konz.  Auflösungen ­
  von  Teerfarbstoffen  in  Alkohol  mit
Zusätzen  von  Glyzerin  oder  Gummiarabikum,
z -  B.  ig  Methylviolett,  1  g  Alkohol  und  8  g
Nasser,  oder  1  g  Methylviolett,  2  g  Nigrosin,
6  g  Alkohol,  0,5  g  Gummi  und  3  g  Glyzerin.
Hehnin,  C 16 H 20 O 2 ,  ein  in  der  Alantwurzel
e nthaltener  kristallinischer  Stoff  von  bitterem
Geschmack,  der  sich  wenig  in  Wasser,  leicht  in
Alkohol  und  in  Äther  löst,  wird  medizinisch  als
Mittel  gegen  Keuchhusten  verwandt.
Hehnit,  ein  auf  der  Grube  Helena  in  Ropa
Sefundener  fossiler  Kautschuk.
Heliosöl,  ein  Nebenprodukt  der  Paraffindarsiellung
  aus  Braunkohlenteer,  besteht  aus  hochs
 *edenden  Kohlenwasserstoffen  (230—300 0  C),

hat  ein  spez.  Gew.  von  0,847  und  wird  zum
Brennen  in  Lampen  benutzt.
Heliotrop  (Sonnenwendstein)  ist  ein  zum
Quarz  gehöriger  Halbedelstein  von  dunkel-,
seladon-  oder  lauchgrüner  Färbung  mit  eingqstreuten
  zinnoberroten  undurchsichtigen  Punkten. ­
  Je  zahlreicher  und  gleichmäßiger  dieselben
sich  in  der  grünen  Grundmasse  finden,  und  je
durchsichtiger  die  letztere  ist,  desto  höher  wird
der  Stein  geschätzt.  Man  findet  ihn  in  Tirol,
Schottland,  Siebenbürgen,  der  Bucharei,  China,
Sibirien  und  Ostindien  und  benutzt  ihn  zuRingund
  Broschensteinen,  im  Orient  auch  zu  größeren ­
  Gegenständen,  wie  Dolchgriffen,  kleinen
Gefäßen  u.  dgl.
Heliotrop,  ein  zur  Gruppe  der  Azofarben  gehöriger ­
  Teerfarbstoff,  ein  braunes,  in  Wasser
mit  roter  Farbe  lösliches  Pulver,  das  Baumwolle
im  Seifenbade  rotviolett  färbt,  besteht  aus  dem
Natronsalze  der  Dianisidindisazodimethylbetanaphtylaminsulfosäure.

Heliotropessenz  (Extrait  de  Heliotrope),  ein
feines,  aus  dem  südlichen  Frankreich  zu  uns
kommendes  Parfüm,  wird  aus  den  Blüten  von
Heliotropium  peruvianum  durch  Mazeration ­
  mit  Fett  und  Behandlung  des  Fettes  mit
feinem  Weingeist  erhalten.  Ebenso  wird  durch
Mazeration  der  Blüten  in  Öl  das  zum  Parfümieren ­
  von  Haarölen  dienende  Heliotropöl
gewonnen.  Die  H.  ist  selten  echt,  hingegen  oft
aus  Vanillon  mit  Zusatz  anderer  Parfüms  bereitet. ­

Helminthochorton,  Wurmtang  (lat.  Muscus
s.  Alga  Helminthochorton,  frz.  Mousse  de  Corse,
engl.  Corsican  Moss),  eine  aus  dem  Mittelmeer
stammende  Alge  von  frisch  purpurroter,  getrocknet ­
  gelbbrauner  Farbe,  die  als  wichtigste
Bestandteile  Gallerte,  Jod,  Brom  und  Kalk  enthält, ­
  wird  noch  manchmal  gegen  Würmer  im
Handverkauf  verlangt.
Hetnlockrinde,  die  Rinde  der  in  Kanada  weitverbreiteten ­
  Schierlingstanne  oder  Hemlocktanne,
  Abies  oder  Pinus  canadensis,
je  nach  ihrem  Alter  grau  oder  grauweiß,  gewöhnlich ­
  mit  Flechten  bedeckt,  wird  im  Juni
gesammelt  und  vor  ihrer  Verwendung  von  der
Oberhaut  befreit.  Man  benutzt  sie  in  Kanada
und  den  Vereinigten  Staaten  anstatt  der  Eichenrinde ­
  zum  Gerben.  Das  damit  erhaltene  rote
Leder,  Hemlockleder,  wird  schon  seit  Jahren
in  großer  Menge  in  Deutschland  eingeführt.  Der
zur  Sirupdicke  eingedampfte  wäßrige  Auszug,
Hemlockextrakt  (amerik.  Lohextrakt),
dient  in  Amerika,  neuerdings  auch  in  Europa,
ebenfalls  zum  Gerben,  wird  aber  nach  einem
englischen  Patent  auch  statt  des  Sumachs  zum
Färben  und  Drucken  von  Baumwolle,  namentlich ­
  mit  Zinnsalz  als  Grundierbeize,  benutzt.
Herba  ist  die  in  der  Drogenkunde  gebräuchliche ­
  lateinische  Bezeichnung  für  Kraut.  Zahlreiche ­
  offizinelle  Kräuter  sind  wichtige  Waren
des  Drogenhandels  und  werden  sowohl  eingeführt ­
  als  auch  besonders  nach  Nordamerika
in  großen  Mengen  ausgeführt.  Gangbarere  Kräuter ­
  sind:  H.  abrotani,  Eberrautenkraut,  H.  absinthii,
  Wermut,  H.  aconiti,  Eisenhutkraut,  H.
althaeae,  Eibisch,  H.  antirrhim  s.  linariae,  gelbes
Löwenmaul,  H.  anthos  s.  rorismarini.  Rosmarinkraut, ­
  H.  aristolochiae,  Osterluzei,  H.  arte-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.