Hecht
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Hefe
Leder für Trommeln, zu Chagrin, hauptsächlich
aber zu Pergament verarbeitet. Außerdem kom
men noch Kamel-, Gnu-, Walroß-, Quagga-,
Alligatorhäute und sonstige Merkwürdigkei
ten in den Handel, doch selten in größeren
Mengen. Während für La-Plata-Häute die
Hauptmärkte in Antwerpen, Havre, Liverpool
und Hamburg sind, hat für ostindische Kips
London bei weitem den größten Markt. Von
anderen europäischen Häfen wären noch Mar
seille, Bordeaux, ■ Genua, Triest, Amsterdam
und Bremen als bedeutende Häutemärkte zu er
wähnen. Im deutschen Binnenlande ist der
Hauptverkehr besonders in Köln, Dresden, Leip
zig, Berlin, Frankfurt a. M. Alle PI. werden
nach Gewicht gehandelt, nur trockene Rößhäute
stückweise.
Hecht (frz. Brochet, engl. Pike). Der ge
wöhnliche H., Esox lucius, ist ein Raubfisch,
der in allen süßen Wässern Europas lebt, seines
wohlschmeckenden Fleisches wegen überall ge
schätzt wird und eine Länge von U/jin und ein
Gewicht von 25 kg, ja in schottischen und irischen
Seen bisweilen von 35 kg erreicht. Er wird meist
frisch verzehrt; eingesalzen oder in Essig ein
gelegt, kommt er nur aus wenigen Gegenden in
den Handel, in denen er besonders häufig ist, so
von der unteren Oder und Havel und von der
Donau. An den Ostseeküsten, z. B. in Livland,
wird der H. öfter an der Luft getrocknet und
so in den Verkehr gebracht. Aus dem Rogen
wird eine Art minderwertiger Kaviar bereitet.
Hederichöl (frz.Huile de raveneile, engl. Coild
radish oil), das aus den kleinen Samen des
Hedrichs (Ackersenf, Ackerkohl, Acker
rettich), Raphanus raphanistfum, gepreßte
fette Öl ist klar, dunkelolivengrün, vom spez. Gew.
0,915—0,917 und im übrigen dem Rüböl ähnlich.
Es kommt aus Ungarn, wo die Pflanze im
großen angebaut wird, da der Rübsen dort keine
guten Ernten mehr gab. Hedrich gilt als Un
kraut und wird bei uns meist im Getreide un
gern gesehen, ausgerottet, oder durch Aufspren
gen von Eisenvitriollösungen am Emporkom
men gehindert. Das H. findet beschränkte Ver
wendung zur Herstellung von Seifen.
Hedonal ist ein neues unschädliches Schlaf
mittel, das in chemischer Hinsicht als Methyl-
propylkarb.nolkarbaminsäurees.er (Methylpro-
pylkarbinolmethan) anzusprechen ist und in Ta
blettenform in den Handel kommt.
Hefe (Bärme, Gest, frz. Levure, engl. Yeast)
besteht aus den mikroskopisch kleinen Zellen
von Sproßpilzen der Gattung Saccharomy
ces, welche die Fähigkeit besitzen, durch ihren
Lebensprozeß zuckerhaltige Flüssigkeiten in
Gärung zu versetzen, d. h. den Zucker in Al
kohol und Kohlensäure zu zerlegen. Da fast
jeder der zahlreichen Zuckerarten ein beson
derer Hefenpilz entspricht und auch die Natur
der Nährlösung für die Entwicklung der Zellen
von Bedeutung ist, so gibt es eine außer
ordentlich große Zahl von Hefesorten. Die
selben lassen sich in drei große Gruppen ein-
ordnen: die Bierhefe, Weinhefe und Branntwein
hefe. — Die Bierhefe wird von den Braue
reien in großem Maßstabe dazu benutzt, die
aus dem verzuckerten Malze hergestellte Würze
zu vergären. Sie besteht aus den Pilzen der
Gattung Saccharomyces cerevisiae und zer
fällt in zwei Unterabteilungen, die sog. Ober
und Unterliefe, von denen die erstere bei höherer
Temperatur von 12—15° eine stürmische, schnell
verlaufende Gärung erregt, während die Unter
liefe bei 4—io° und weit langsamer wirkt. Die
Bezeichnung rührt daher, daß die Oberhefe sich
auf der vergorenen Flüssigkeit als schaumige
Decke ansammelt, die Unterhefe aber zu Boden
sinkt. Die Bierhefe bildet im allgemeinen keinen
Handelsartikel, weil jede Brauerei ihren Bedarf
aus der bei der Gäryng üppig wachsenden und
sich vermehrenden Hefe selbst deckt. Nur weil
die fortwährend in derselben Brauerei erzeugte
Hefe allmählich unwirksam wird (degeneriert),
hat sich der Brauch herausgebildet, daß die
Brauereien ihre Hefe von Zeit zu Zeit aus-
tauschen. Erst seitdem durch Hansen nachge
wiesen wurde, daß die Bierhefe kein einheitlicher
Stoff ist, sondern ein Gemisch der verschieden
sten Rassen enthält, von denen jede besondere
Eigenschaften beshzt, werden von bakteriologi
schen Instituten Reinzucnthefen, aus einer
einzigen Rasse bestehend, an die Brauereien
verkauft. — Das von der Bierhefe Gesagte gilt
auch von der Weinhefe, die früher überhaupt
nicht dem Moste zugesetzt wurde, weil sie auf
den Beeren bereits in genügender Menge vor
handen ist. Auch hier sind neuerdings mit Rein
zuchthefen, die Weine von bestimmtem Bukett
und Gepräge liefern, gute Erfolge erzielt wor
den. — Als Handelsprodukt kommt allein die
Preßhefe oder Kunsthefe in Betracht. Sie
dient dazu, Branntweinmaischen in Gärung zu
versetzen, und entsteht als Nebenprodukt in den
Brennereien, wird aber jetzt von besonderen
Fabriken in großem Maßstabe dargestellt. Zu
diesem Zwecke wird nach dem neueren Luft
verfahren mit Malz verzuckerte Getreidemaische
mit obergäriger Mutterhefe aufgestellt, darauf
ein Luftstrom eingeleitet, worauf die H. lebhaft
wächst. Nach beendeter Gärung wird die H. in
Filterpressen gepreßt und bildet dann eine
lichtgelbe, etwas krümlige Masse von angeneh
mem obstartigen Geruch, die aber nicht lange
haltbar ist, sondern unter Annahme eines dump
figen Geruchs verdirbt. Sie enthält 50—-75 °/»
Wasser und 13—22 0/0 Protein. Der früher üb
liche Zusatz von Kartoffelmehl ist durch das
Lüftungsverfahren überflüssig geworden und
daher ebenso wie die Beimengung von Gips,
Kreide und Bierhefe als Verfälschung zu ver
urteilen und gesetzlich verboten. Den Zusatz
von Stärkemehl erkennt man beim Verreiben
mit Jodlösung, wobei die Pilzzellen ungefärbt
bleiben, während die Stärkekörner sich als blaue
Schicht absetzen. ' Die H. findet ausgedehnte
Anwendung in der Bäckerei zur Lockerung des
Brotes sowie in der Medizin gegen Furunkeln,
Diabetes und verschiedene andere Krankheiten-
In geringerem Maße hat man sie neuerding 5
zur Herstellung von Hefenextrakten (Siris,
Sitogen, Wuk) herangezogen, brauner Suppen
würzen von fle.schextraktähnlichem Geschmack,
welche durch Einkochen der H. oder durch frei
willige Verflüssigung nach Zusatz von Salzsäure
hergestellt werden. — Trockenhefe, ein durch
Eintrpcknen von Hefe hergestelltes hellbraunes
Pulver mit etwa 500/0 Stickstoffsubstanz, wird