Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Hydrastiswurzel 
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Ichthyol 
235 0 C schmelzen und sich ohne Zersetzung 
sublimieren lassen. Die alkalische Lösung fluores 
ziert blau, ähnlich dem Äskulin, von dem sich 
das H. aber durch seine Leichtlöslichkeit in Äther 
und Unlöslichkeit in Salzsäure unterscheidet. 
Auch wird es durch Quecksilberchlorid, Silber 
und Bleinitrat nicht gefällt. 
Hydrastiswurzel (kanadische Gelbwurzel, 
Goldsiegelwurzel, lat. Rhizoma hydrastis, frz. 
Rhizome d hydrastis, engl. Yellow root, Hydrastis 
rhizome), die Wurzel des Kanadischen Wasser 
krautes, Hydrastis canadensis, einer zu den 
Ranunkulazeen gehö.igen Pflanze Nordame 
rikas, die von Kanada bis Karolma auf feuchten 
Plätzen wächst, besteht aus einem höckerigen oder 
gedrehten, gleichsam aus fleischigen, gelben 
Knollen zusammengesetzten Wurzelstocke, andern 
sich zahlreiche gelbe Fasern befinden. Sie bildet 
in Nordamerika sowie jetzt auch in Europa ein 
beliebtes Arzneimittel, aus dem man auch ein 
Fluidextrakt (lat. Extractum hydrastis fluidum, 
frz. Extrait fluide d'hydrastis, engl. Fluid extract 
of hydrastis) als Mittel gegen Wechselfieber, 
Krebs und Frauenleiden herstellt. Der wirksame 
Bestandteil der H. ist ein Alkaloid, das Hydra- 
stin, neben dem auch Berberin aufgefunden 
wurde. Verfälschungen mit anderen Wurzeln, 
z. B. Radix serpentariae, kommen häufig vor. 
Hydrazetin (Azetylphenylhydrazin) ■ ent 
steht beim Kochen von Phenylhydrazin mit Eis 
essig als ein weißes, geruch- und geschmackloses 
Kristallpulver vom Schmelzpunkt 128°. Die Ver 
wendung als Fiebermittel ist wegen der unan 
genehmen Nebenwirkungen wieder aufgegeben 
worden. 
Hydrinsäure, eine von Grüner in Feuerbach 
vertriebenes Konservierungsmittel für Obsterzeug- 
nisse, besteht aus einem Gemisch gleicher Teile 
Benzoesäure und Meta-Kreotinsäure (Meta-Me 
thylsalizylsäure). 
Hydrochinon, Paradioxybenzol, C 6 H 4 (OH) 2 , 
entsteht bei der Behandlung von Chinon mit 
schwefliger Säure, bei der trockenen Destillation 
von Chinasäure und bei der Oxydation des Ani 
lins mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure. 
Die letztere Reaktion dient zur fabrikmäßigen 
Darstellung. —• H. bildet farblose, bei 169° 
schmelzende, in Wasser, Alkohol und Äther 
leicht lösliche, in kaltem Benzol schwer lösliche 
Kristalle, deren wäßrige Lösung an der Luft 
braun wird. Es findet beschränkte medizini 
sche Anwendung a's Antiseptikum und Fieber 
mittel, wird aber in der Technik, besonders 
als photographischer Entwickler, viel gebraucht. 
Hydroxylamin, eine nur aus Wasserstoff, 
Stickstoff und Sauerstoff bestehende starke Base, 
NHjOH, welche dem Ammoniak ähnlich ist 
und sich wie dieses mit Säuren verbindet, bildet 
farblose zerfließliche Kristalle, die bei 33 0 schmel 
zen, bei 58° im Vakuum sieden und sich bei 
höherer Temperatur, oft explosionsartig zersetzen. 
H. ist in Wasser leicht, in Äther und Chloroform 
kaum löslich und wirkt stark reduzierend. In 
Form seines salzsauren Salzes (Hydroxylamin 
hydrochlorid) wird es als photographischer 
Entwickler und in der Medizin als Ersatz des 
Chrysarobins benutzt. 
Hygrin, eine in den Kokablättern neben Ko 
kain enthaltene, organische, stickstoffhaltige Sub 
stanz, besteht nach neueren Untersuchungen aus 
einem Gemenge verschiedener Basen. 
Hyoszin (lat. Hyoscinum), ein dem Atropin 
und Hyoszyamin isomeres Alkaloid aus dem 
Bilsenkraut, der Wurzel von Scopolia japonica 
und den Duboisiablättern, ist nur als eine sirup 
artige Masse bekannt, bildet aber kristallisierbare 
Salze, von denen das Jodwasserstoffhyoszin 
in der Augenheilkunde an Stelle von Atropin An 
wendung findet. Nach neueren Untersuchungen 
ist H. wahrscheinlich mit Skopolamin iden 
tisch. 
Hyoszyamin (lat. Hyoscyaminum), das in den 
Samen und Blättern des Bilsenkrautes (s. d.) 
neben Hyoszin enthaltene, sehr giftig wirkende 
Alkaloid, hat eine ähnliche, die Pupille erwei 
ternde Wirkung, wie Atropin. Das früher nur 
in amorphem Zustande bekannte H. kann jetzt 
auch kristallinisch erhalten werden, und zwar 
durch Verdampfen seiner Lösung in Chloroform 
(rhombische Tafeln) oder in Benzol (nadelförmige 
Kristalle) oder durch vorsichtiges Erhitzen, wo 
bei weiße, seideglänzende Nadeln vom Schmelz 
punkt 108,5 0 entstehen. Mit Säuren bildet das 
H. gut kristallisierbare Salze (Hyoszyamin 
salze), von denen namentlich das schwefel 
saure H. medizinisch verwandt wird. 
Hypnal, Chloralantipyrin, entsteht beim 
Zusammenreiben von Antipyrin mit Chloral- 
hydrat als ein in Wasser leicht lösliches Kri 
stallpulver vom Schmelzpunkt 67—68°. Es wird 
an Stelle des Chloralhydrates verordnet, ohne 
vor diesem besondere Vorzüge zu besitzen. 
I. 
Ichthynat ist ein dem Ichthyol ganz ähnlich 
zusammengesetztes Erzeugnis der chemischen 
Fabrik von H ey den-Radebeul und wird in glei 
cher Weise wie Ichthyol angewandt. 
Ichthyol nennt man ein schwefelhaltiges or 
ganisches Präparat, welches aus dem viele Fisch 
reste enthaltenden bituminösen Schiefer (Stink 
stein) von Seefeld in Tirol durch trockene Destil 
lation gewonnen wird. Das hierbei übergehende 
I.-Rohöl, ein bräunlich gelbes, grünlich fluores 
zierendes öl vom spez. Gew. 0,865, enthält ge 
ringe Mengen Chinolin. Pyridin und organische 
Säuren und besteht der Hauptmenge nach aus 
schwefelhaltigen Kohlenwasserstoffen der Paraf 
fin- und Äthylenreihe. Durch Behandlung nah 
Schwefelsäure wird es in die wasserlösliche 
Sulfosäure übergeführt, die, hauptsächlich nach 
der Neutralisation mit Ammoniak, als Ichthyol- 
sulfosaures Ammonium therapeutische An 
wendung findet. Die zahlreichen I.-Präparate 
werden äußerlich gegen Hautkrankheiten, Rheu 
matismus, Brandwunden, innerlich vor allem
	        
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