Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kaffee-Ersatzstoffe

186  Kaiserbrunnen  in  Aachen

unter  Zusatz  anderer  Stoffe,  hergestellt  werden,
mit  heißem  Wasser  ein  kaffeeähnliches  Getränk
liefern  und  dazu  bestimmt  sind,  als  Ersatz  des
Kaffees  zu  dienen.  Da  sie  mit  Ausnahme  des
aus  getrockneten  Kaffeschalen  bestehenden  Sakka-
  oder  Sultankaffees  und  der  gerösteten
Kaffeeblätter,  die  aber  nicht  in  den  hiesigen  Verkehr ­
  gelangen,  frei  von  Koffein  sind,  erscheint
die  Bezeichnung  K.  weniger  treffend  als  das  früher
übliche,  jetzt  verpönte  Fremdwort  Kaffeesurrogat. ­
  Als  Rohstoffe,  die  z.  T.  in  besonderen  Abschnitten ­
  besprochen  sind,  kommen  hauptsächlich
folgende  in  Betracht:  i.  Zuckerhaltige  Wurzeln
(Zichorie,  Rübe,  Möhre);  2.  zuckerreiche
Früchte  (Feigen,  Johannisbrot);  3.  stärkereiche
Früchte  und  Samen  (Gerste,  Roggen,  Eicheln);
4.  gemälztes  Getreide  (Gersten-,  Roggenmalz);
5.  fettreiche  Früchte  (Erdnüsse,  Sojabohnen);
6.  Zuckerarten;  7.  als  vor  oder  nach  dem  Rösten
gemachte  Zusätze:  zucker-,  gerbstoff-  und  koffeinhaltige ­
  Pflanzenauszüge,  Kolanüsse,  Speisefette ­
  und  -öle,  Kochsalz,  Alkalikarbonate  und
Wasser.  Die  K.  gelangen  sowohl  gemahlen  wie
ungemahlen  in  den  Verkehr,  Getreide-  und  Malzkaffee ­
  meist  unzerkleinert,  Zichorien-  und  Feigenkaffe ­
  als  Pulver  oder  knetbare  Masse,  alle  K.
auch  wohl  in  bestimmte  Formen  (Würfel)  gepreßt.
Die  Zusammensetzung  hängt  von  der  Art  der
benutzten  Ausgangsmaterialien  ab,  ebenso  der
Geruch  und  Geschmack  des  Aufgusses,  der  demjenigen ­
  des  gerösteten  Kaffees  mehr  oder  weniger
nahe  kommt.  Zur  Vermeidung  von  Irreführungen
müssen  alle  diese  Erzeugnisse  in  deutlicher  Weise
als  Ersatzstoffe  gekennzeichnet  werden.  Ihre
Bezeichnung  darf  das  Wort  Kaffee  nur  in  den
Wortverbindungen;  Zichorienkaffee,  Feigenkaffee, ­
  Gersten-,  Roggen-,  Korn-,Weizen-, ­
  Malz-,  Eichelkaffee  sowie  Kaffee-Ersatz, ­
  Kaffeezusatz,  Kaffeegewürz  enthalten,  hingegen ­
  sind  andere  Wortbildungen  wie;  Deutscher ­
  Kaffee  (Kichererbse),  Frankkaffee  (Zichorie), ­
  Kneippkaffee  (Gerste  oder  Malz),  Berings
  Kraftkaffee  (Lupine),  Saladinkaffee
(Mais),  Gesundheitskaffee  (Weizen,  Zichorie,
Kakaoschalen),  Kronenkaffee  (rote  Rüben,Roggen, ­
  Zichorie),  Ungarischer  Kaffee  (Lupinen,
Zichorie,  Kaffee),  Hensels  Hämatin-Kaffee  (Zichorie) ­
  unzulässig.  Auch  Mischungen  mit  echtem
Kaffee  dürfen  nicht  als  Kaffeemischung,  sondern
nur  als  Kaffee-Ersatzmischung  bezeichnet
werden.  Im  übrigen  ist  zu  fordern,  daß  zur  Herstellung ­
  unverdorbene,  genügend  gereinigte  Rohstoffe ­
  Verwendung  finden,  daß  insbesondere  der
Aschengehalt  bei  Feigenkaffee  7%  mit  1  °/o  Sand,
bei  anderen  K.  8  0/0  mit  2,5  %  Sand  nicht  übersteigt ­
  Ausgelaugte  Zuckerrübenschnitzel,  Kaffeesatz, ­
  Olivenkerne,  Steinnußabfälle,  Farbstoffe  und
andere  wertlose  Stoffe,  Mineralöle,  Glyzerin,
Rückstände  von  der  Melasseentzuckerung  sollen
überhaupt  nicht  benutzt  werden.  Als  Überzugs-(Glasierungs-)mittel
  dürfen  nur  Zuckeraften  oder
Schellack  benutzt  werden.  Der  höchstzulässige
Wassergehalt  beträgt  bei  Zichorienkaffee  30  0/0,
bei  Feigenkaffee  20%,  bei  Getreide-  und  Malzkaffee ­
  10  0/0.  Die  nach  bestimmten  Rohstoffen
benannten  K.  müssen  auch  ausschließlich  aus
diesen  bestehen.  Insbesondere  darf  K.  aus  ungekeimtem
  (gemälztem)  Getreide  nicht  als  Malzkaffee ­
  bezeichnet  werden.  Verschimmelte,  sauer

gewordene  oder  durch  Käfer,  Milben  u.  dgl.  verunreinigte ­
  K.  sind  als  verdorben  zu  beurteilen-Diese
  während  des  Krieges  recht  vernachlässigten ­
  Grundsätze  werden  nach  Friedensschluß  wi e '
der  in  ihre  Rechte  treten.  Für  die  Untersuchung
der  K.  spielt  das  Mikroskop  die  ausschlaggebende ­
  Rolle.  Ein  ganz  brauchbares  Mittel
zur  vorläufigen  Unterscheidung  des  echten  gemahlenen ­
  Kaffees  von  den  K.  besteht  darin,  daß/
man  das  Pulver  auf  Wasser  schüttet,  wobei
Kaffee  oben  schwimmt,  während  die  Ersatzstoffe  1
nach  unten  sinken  und  das  Wasser  braun  färben.  I
Der  Wert  det  in  Deutschland  verbrauchten  Er-  1
satzstoffe  wird  auf  30  Millionen  M.  jährlich  ge-1
schätzt.
Kaffee-Extrakte  (Kaffee-Essenz)  sind  ein-  j
gedickte  wäßrige  Auszüge  aus  gebrannten  Kaffee-  I
höhnen,  allenfalls  unter  Zusatz  geringer  Mengen  I
Zucker  und  Milch,  doch  müssen  letztere  gekenn-  I
zeichnet  werden.
Kainit,  neben  Karnallit  der  wichtigste  Be-  J
standteil  der  Abraumsalze  von  Staßfurt  und  r
Kalusz,  besteht  aus  einem  wasserhaltigen  Dop-  I
pelsalze  von  schwefelsaurer  .Magnesia  und  Chlor-  J
kalium,  MgS0 4  -(-  KC1 2  yf-  3H ä O.  Er  wird  zur  I
Bereitung  von  Chlorkalium  benutzt,  wobei  als  1
Nebenprodukte  noch  schwefelsaures  Kalium,  Mag-  J
nesia  und  Bittersalz  erhalten  werden.
Kainkawurzel  (brasilianische  Schlangen-  I
wurzel,  lat.  Radix  caincae,  frz.  Racine  de  caince,  j|
engl.  Cainca-root),  die  holzigen  Wurzeln  einiger  I
Arten  der  im  tropischen  Amerika  heimischen,  J
zu  den  Rubiazeen  gehörigen  Gattung  Chio-  !
cocca.  Die  westindische  Schlangenwurzel  j
stammt  von  Ch.  racemosa,  die  brasilianische  von  |
Ch.  anguifuga,  densifolia  und  scandens.  J
Die  1—2  cm  dicke,  stark  verästelte  und  hin  und  I
her  gebogene  Wurzel,  an  der  oft  noch  Stamm-  I
Stückchen  sitzen,  ist  von  einer  außen  graubrau-  |
nen,  runzelig-geringeltem,  innen  dunkelbraunen  ||
und  harzigen  Rinde  umgeben.  Das  harte  Holz  1
erscheint  blaßbräunüch.  Beim  Kauen  entwik-  j
kelt  sich  ein  schwach  aromatischer  kaffeeartiger  |
Geruch  und  ein  bitterlich  kratzender  Geschmack,  j
der  durch  eine  der  Wurzel  eigentümliche,  in  1
farblosen  seideglänzenden  Nadeln  kristallisie-  I
rende,  Säure,  die  Kainkasäure  (auch  Kainzin  i
und  Kainkabitter  genannt),  verursacht  wird.  I
Die  Wurzel  wurde  früher  mehr  als  jetzt  als  |
kräftig  purgierendes  und  harntreibendes  Mittel,
auch  gegen  Wassersucht,  angewandt.
Kairin  (salzsaures  Äthylhydroxychino-  |
lin,  lat.  Kairinum,  frz.  Cairine,  engl.  Kairin)  1
wurde  im  Jahre  1882  von  O.  Fischer  synthetisch  j
dargestellt,  indem  er  Chinolin  mit  Schwefelsäure
erwärmte,  das  entstehende  Oxychinolin  der  Na-  1
tronschmelze  unterwarf,  reduzierte  und  schließlich ­
  mit  Äthyljodid  behandelte.  K.,  ein  in  Wasser  |
und  Alkohol  lösliches  farbloses  Kristallpulver,
erregte  seinerzeit  als  erstes  künstliches  Ersatzmittel
  des  Chinins  das  lebhafteste  Interesse,  ist  j
aber  jetzt  wegen  seiner  gefährlichen  Nebenwir-  f
kungen.  auf  Herz  und  Nervensystem  völlig  auf-  i
gegeben  worden.
Kaiserbrunnen  ln  Aachen,  eine  alkalischmuriatische
  Schwefelthermet  von  55 0  C,  besitzt
folgende  Zusammensetzung  für  1000  Gewichtsteile: ­
  Bikarbonate  des  Natriums  0,9244g,  Li-  j
thiums  0,0004  g,  Kalziums  0,2197  g,  Strontiums
            
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