Kalzine
194
Kalziumplumbat
streifte gelbe Herbstkalvillen und Gra
vensteiner K.
Kalzine (Calcine). Unter diesem Namen ver
kauft man eine gelbbraune, pulverige Masse,
die durch Oxydation eines Gemisches von Blei
und Zinn beim Schmelzen an der Luft hergestellt
wird und demnach aus Bleioxyd und Zinnoxyd
besteht. Man verwendet sie in Verbindung mit
eisenfreiem Formsand und Kochsalz zur Herstel
lung des weißen Emails auf Ofenkacheln.
Kalziumazetat (essigsaures Kalzium,
essigsaurer Kalk, lat. Calcaria acetica, Cal
cium aceticum, frz. Acötate de chaux, engl. Cal
cium acetate) wird in großen Mengen fabrik
mäßig hergestellt durch Sättigen des rohen Holz
essigs mit kohlensaurem Kalk oder Ätzkalk und
weitere Reinigung des beim Eindampfen hinter
bleibenden Rückstandes (Holzkalk) durch Er
hitzen und Umkristallisieren. K. bildet das
Ausgangsmaterial zur Darstellung der Essigsäure
sowie ihrer Ester und Salze.
Kalziumbisulflt (doppelt oder sau rer schwef
ligsaurer Kalk, lat. Calcium bisulfurosum, frz.
Bisulfite de chaux, engl. Bisulfite of lime),
Ca(HSO s ) 2 , entsteht beim Einleiten von schwef
liger Säure in Kalkmilch und findet als Bleich
mittel in der Zelluloseherstellung und Photo
graphie sowie als Antiseptikum in der Gärungs
industrie Anwendung.
Kalziumchlorid (Chlorkalzium, lat. Calcium
chloratum, frz. Chloride de chaux, Chlorure de
calcium, engl. Chloride of calcium), CaCl 2 , kommt
natürlich vor als Bestandteil vieler Mineral
quellen, des Meerwassers und der Abraumsalze,
wird als wenig wertvolles Nebenprodukt zahl
reicher Industrien, so der Ammoniaksodaherstel
lung, erhalten und in reinem Zustande durch
Auflösen von Kalziumkarbonat in Salzsäure dar
gestellt. Beim Eindampfen der Lösung kristalli
siert das K. mit sechs Molekülen Wasser aus.
Die großen Kristalle geben beim Erhitzen auf
höhere Temperatur ihr Wasser ab, bis eine bei
8oo° schmelzende Masse hinterbleibt, die zu
porösen Stücken erstarrt. Das kristallisierte K.
löst sich in Wasser unter erheblichem Wärme
verbrauch und wird daher zur Erzeugung von
Kältemischungen benutzt. Das geschmolzene Salz
zieht begierig Feuchtigkeit aus der Luft an und
dient in der chemischen Analyse und Technik
als Trockenmittel.
Kalziumhypochlorit (unterchlorigsaures
Kalzium) entsteht bei der Einwirkung von
Wasser auf Chlorkalk (s. d.).
Kalziumkarbid nennt man die Verbindung von
Kalzium mit Kohlenstoff, CaC 2 , welche durch
Erhitzen von Ätzkalk mit Kohlenpulver im elek
trischen Ofen bei den höchsten erreichbaren
Temperaturen gewonnen wird. Es ist eine schwarz
graue, sehr harte, kristallinische Substanz vom
spez. Gew. 2,22, die als Reduktionsmittel bei
Hüttenprozessen, vor allem aber zur Erzeugung
von Azetylengas, C 2 H 2 , große Bedeutung be
sitzt. Durch Glühen mit Stickstoff geht K. in
das Kalziumzyanamid (s. d.) über. Die Gesamt
erzeugung betrug im Jahre 1911 etwa 250000 t,
davon entfielen auf Deutschland 300001 bei einer
Einfuhr von 60 000 t.
Kalziumkarbonat (kohlensaurer Kalk, lat.
Calcium carbonicum, frz. Carbonate de calcium,
engl, Carbonate of lime), CaCO a , findet sich in
der Natur in großen Massen als Kalkstein, Mar
mor (s. d.) und Kreide (s. d.), ferner in den Eier
schalen, Korallenstöcken usw., und wird künstlich
durch Fällung Von Kalziumlösungen mit Kohlen
säure oder Alkalikarbonaten dargestellt. K. löst
sich schwer in reinem, leichter in kohlensäure
haltigem Wasser und findet sich daher in den
meisten natürlichen Wässern. Mit verdünnten
Säuren braust es unter Entweichen von Kohlen
säure auf und gibt letztere auch bei heftigem
Glühen ab unter Hinterlassung von Kalziumoxyd,
das aus der Luft begierig Kohlensäure anzieht
und mit Wasser unter Wärmeentwicklung Kal
ziumhydroxyd liefert. K. findet vielfache An
wendung zur Herstellung von Kohlensäure, Ätz
kalk usw., in gefälltem Zdstande auch zu Zahn-
und Magenpulvern.
Kalziumphosphat (phosphorsaures Kal
zium, phosphorsaurer Kalk, lat. Calcium
phosphoricum, frz. Phosphate de chaux, engl.
Phosphate of lime) findet sich im Handel in
drei Modifikationen: 1. Trikalziumphosphat
(dreibasischer oder tertiärer phosphorsaurer Kalk,
basisches K., lat. Calcium phosphoricum basi-
cum) wird durch Behandlung von weiß gebrannter
Knochenasche, die zu 8o°/o aus K. besteht, mit
Salzsäure und Fällung der Lösung mit Ammoniak
in der Wärme, oder durch Fällung von dreibasi
schem Natriumphosphat mit Kalziumchlorid er
halten. Das weiße amorphe, geruch- und ge
schmacklose Pulver, Ca 3 (P0 4 ) 2 , ist in Wasser
unlöslich, in Salz- und Salpetersäure leicht löslich
und wird bei Rachitis und anderen Knochen
erkrankungen verordnet. 2. Dikalziumphos-
phat (zweibasischer oder sekundärer phosphor
saurer Kalk, neutrales oder gewöhnliches K.,
lat. Calcium phosphoricum neutrale) entsteht
durch Fällung neutraler oder schwach essigsaurer
Kalziumchloridlösung mit Dinatriumphosphat und
gelindes Trocknen des Niederschlages als ein
weißes Kristallpulver, CaHPQ 4 , das, in Wasser
nahezu unlöslich, in Essigsäure und Mineral
säuren leicht löslich ist. Es ist das pharma
zeutisch wichtigste Salz der Phosphorsäure und
dient zur Behandlung aller Knochenkrankheiten
sowie von Diarrhöen und Skrofulöse. 3. Mono
kalziumphosphat (einbasischer oder primärer
phosphorsaurer Kalk, saures K., lat. Calcium
phosphoricum acidum) wird fabrikmäßig durch
Auflösen von Knochenasche in konz. Schwefel
säure als ein kristallinisches Salz von der Formel
CaH 4 (P0 4 ) 2 erhalten und bildet den Haupt
bestandteil der Superphosphate (s. d.). Neuer
dings wird es auch als Ersatz der Weinsäure für
Backpulver benutzt.
Kalziumplumbat (bleisaures Kalzium),,Ca 2 .
Pb0 4 , entsteht beim Glühen von Bleioxyd mit
Kalziumkarbonat auf mittlere Rotglut als ein
schweres gelbrotes, in Wasser unlösliches Pul
ver. Beim Überleiten von Kohlensäure bei Rot
glut gibt es Sauerstoff ab, nimmt beim folgen
den Glühen im Luftstrom neuen Sauerstoff auf
und kann somit zur Erzeugung von Sauerstoff
in ununterbrochenem Betriebe benutzt werden.
Außerdem findet es zur Herstellung giftfreier
Zündhölzer, welche sich ohne besonders prä
parierte Reibflächen entzünden lassen, An
wendung.