Kalzine
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Kalziumplumbat
streifte gelbe Herbstkalvillen und Gravensteiner
K.
Kalzine (Calcine). Unter diesem Namen verkauft
man eine gelbbraune, pulverige Masse,
die durch Oxydation eines Gemisches von Blei
und Zinn beim Schmelzen an der Luft hergestellt
wird und demnach aus Bleioxyd und Zinnoxyd
besteht. Man verwendet sie in Verbindung mit
eisenfreiem Formsand und Kochsalz zur Herstellung
des weißen Emails auf Ofenkacheln.
Kalziumazetat (essigsaures Kalzium,
essigsaurer Kalk, lat. Calcaria acetica, Calcium
aceticum, frz. Acötate de chaux, engl. Calcium
acetate) wird in großen Mengen fabrikmäßig
hergestellt durch Sättigen des rohen Holzessigs
mit kohlensaurem Kalk oder Ätzkalk und
weitere Reinigung des beim Eindampfen hinterbleibenden
Rückstandes (Holzkalk) durch Erhitzen
und Umkristallisieren. K. bildet das
Ausgangsmaterial zur Darstellung der Essigsäure
sowie ihrer Ester und Salze.
Kalziumbisulflt (doppelt oder sau rer schwefligsaurer
Kalk, lat. Calcium bisulfurosum, frz.
Bisulfite de chaux, engl. Bisulfite of lime),
Ca(HSO s ) 2 , entsteht beim Einleiten von schwefliger
Säure in Kalkmilch und findet als Bleichmittel
in der Zelluloseherstellung und Photographie
sowie als Antiseptikum in der Gärungsindustrie
Anwendung.
Kalziumchlorid (Chlorkalzium, lat. Calcium
chloratum, frz. Chloride de chaux, Chlorure de
calcium, engl. Chloride of calcium), CaCl 2 , kommt
natürlich vor als Bestandteil vieler Mineralquellen,
des Meerwassers und der Abraumsalze,
wird als wenig wertvolles Nebenprodukt zahlreicher
Industrien, so der Ammoniaksodaherstellung,
erhalten und in reinem Zustande durch
Auflösen von Kalziumkarbonat in Salzsäure dargestellt.
Beim Eindampfen der Lösung kristalli
siert das K. mit sechs Molekülen Wasser aus.
Die großen Kristalle geben beim Erhitzen auf
höhere Temperatur ihr Wasser ab, bis eine bei
8oo° schmelzende Masse hinterbleibt, die zu
porösen Stücken erstarrt. Das kristallisierte K.
löst sich in Wasser unter erheblichem Wärmeverbrauch
und wird daher zur Erzeugung von
Kältemischungen benutzt. Das geschmolzene Salz
zieht begierig Feuchtigkeit aus der Luft an und
dient in der chemischen Analyse und Technik
als Trockenmittel.
Kalziumhypochlorit (unterchlorigsaures
Kalzium) entsteht bei der Einwirkung von
Wasser auf Chlorkalk (s. d.).
Kalziumkarbid nennt man die Verbindung von
Kalzium mit Kohlenstoff, CaC 2 , welche durch
Erhitzen von Ätzkalk mit Kohlenpulver im elektrischen
Ofen bei den höchsten erreichbaren
Temperaturen gewonnen wird. Es ist eine schwarz
graue, sehr harte, kristallinische Substanz vom
spez. Gew. 2,22, die als Reduktionsmittel bei
Hüttenprozessen, vor allem aber zur Erzeugung
von Azetylengas, C 2 H 2 , große Bedeutung besitzt.
Durch Glühen mit Stickstoff geht K. in
das Kalziumzyanamid (s. d.) über. Die Gesamterzeugung
betrug im Jahre 1911 etwa 250000 t,
davon entfielen auf Deutschland 300001 bei einer
Einfuhr von 60 000 t.
Kalziumkarbonat (kohlensaurer Kalk, lat.
Calcium carbonicum, frz. Carbonate de calcium,
engl, Carbonate of lime), CaCO a , findet sich in
der Natur in großen Massen als Kalkstein, Marmor
(s. d.) und Kreide (s. d.), ferner in den Eierschalen,
Korallenstöcken usw., und wird künstlich
durch Fällung Von Kalziumlösungen mit Kohlensäure
oder Alkalikarbonaten dargestellt. K. löst
sich schwer in reinem, leichter in kohlensäurehaltigem
Wasser und findet sich daher in den
meisten natürlichen Wässern. Mit verdünnten
Säuren braust es unter Entweichen von Kohlensäure
auf und gibt letztere auch bei heftigem
Glühen ab unter Hinterlassung von Kalziumoxyd,
das aus der Luft begierig Kohlensäure anzieht
und mit Wasser unter Wärmeentwicklung Kalziumhydroxyd
liefert. K. findet vielfache Anwendung
zur Herstellung von Kohlensäure, Ätzkalk
usw., in gefälltem Zdstande auch zu Zahnund
Magenpulvern.
Kalziumphosphat (phosphorsaures Kalzium,
phosphorsaurer Kalk, lat. Calcium
phosphoricum, frz. Phosphate de chaux, engl.
Phosphate of lime) findet sich im Handel in
drei Modifikationen: 1. Trikalziumphosphat
(dreibasischer oder tertiärer phosphorsaurer Kalk,
basisches K., lat. Calcium phosphoricum basicum)
wird durch Behandlung von weiß gebrannter
Knochenasche, die zu 8o°/o aus K. besteht, mit
Salzsäure und Fällung der Lösung mit Ammoniak
in der Wärme, oder durch Fällung von dreibasischem
Natriumphosphat mit Kalziumchlorid erhalten.
Das weiße amorphe, geruch- und geschmacklose
Pulver, Ca 3 (P0 4 ) 2 , ist in Wasser
unlöslich, in Salz- und Salpetersäure leicht löslich
und wird bei Rachitis und anderen Knochenerkrankungen
verordnet. 2. Dikalziumphosphat
(zweibasischer oder sekundärer phosphorsaurer
Kalk, neutrales oder gewöhnliches K.,
lat. Calcium phosphoricum neutrale) entsteht
durch Fällung neutraler oder schwach essigsaurer
Kalziumchloridlösung mit Dinatriumphosphat und
gelindes Trocknen des Niederschlages als ein
weißes Kristallpulver, CaHPQ 4 , das, in Wasser
nahezu unlöslich, in Essigsäure und Mineralsäuren
leicht löslich ist. Es ist das pharmazeutisch
wichtigste Salz der Phosphorsäure und
dient zur Behandlung aller Knochenkrankheiten
sowie von Diarrhöen und Skrofulöse. 3. Monokalziumphosphat
(einbasischer oder primärer
phosphorsaurer Kalk, saures K., lat. Calcium
phosphoricum acidum) wird fabrikmäßig durch
Auflösen von Knochenasche in konz. Schwefelsäure
als ein kristallinisches Salz von der Formel
CaH 4 (P0 4 ) 2 erhalten und bildet den Hauptbestandteil
der Superphosphate (s. d.). Neuerdings
wird es auch als Ersatz der Weinsäure für
Backpulver benutzt.
Kalziumplumbat (bleisaures Kalzium),,Ca 2 .
Pb0 4 , entsteht beim Glühen von Bleioxyd mit
Kalziumkarbonat auf mittlere Rotglut als ein
schweres gelbrotes, in Wasser unlösliches Pulver.
Beim Überleiten von Kohlensäure bei Rotglut
gibt es Sauerstoff ab, nimmt beim folgenden
Glühen im Luftstrom neuen Sauerstoff auf
und kann somit zur Erzeugung von Sauerstoff
in ununterbrochenem Betriebe benutzt werden.
Außerdem findet es zur Herstellung giftfreier
Zündhölzer, welche sich ohne besonders präparierte
Reibflächen entzünden lassen, Anwendung.