Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kirschwasser

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Kleesamen

Kirschwasser  (Kirschgeist,  Kirschbranntwein), ­
  ein  in  der  Schvyeiz  und  Süddeutschland ­
  sehr  beliebter,  farbloser,  wasserheller
Branntwein  von  schwach  bittermandelölartigem
Geruch  und  Geschmack,  wird  aus  schwarzen,
zuweilen  auch  roten,  weichen  Kirschen  bereitet,
indem  man  die  zerstampften  Früchte  einer
12—15  Tage  lang  dauernden  Gärung  überläßt
und  die  gegorene  Masse  entweder  in  kupfernen
Blasen  über  freiem  Feuer,  oder  in  größeren
Fabriken  mit  Dampf  destilliert.  Zur  Erhöhung
des  Bittermandelgeschmacks  werden  häufig  gemahlene ­
  Kirschkerne  bis  zu  1 / 6  der  Masse  vor
der  Gärung  zugesetzt.  50  kg  Kirschen  liefern
5—7  1  Kirschwasser  von  etwa  500/0  Alkoholgehalt. ­
  Durch  längeres  Lagern  wird  das  K.
feiner  und  milder  und  verliert  den  anfangs  etwas
herben  Geschmack.  Zusätze  von  anderen  Rohstoffen, ­
  insbesondere  von  Spiritus,  haben  als
Verfälschung  zu  gelten;  der  Alkoholgehalt  soll
mindestens  45  Vol.  0/0  betragen.  Verschnitte  mit
Branntwein  anderer  Art  dürfen  als  Kirschwasserverschnitt ­
  nur  dann  bezeichnet  werden,
wenn  mindestens  Vxo  des  .  Alkohols  echtem
Kirschgeist  entstammt  und  der  Charakter  als
letzterer  noch  erkennbar  ist.
Kitelor  (malaiisch)  ist  das  sehr  dauerhafte
faserige  Holz  der  in  Indien  wachsenden  Polygalazee
  Xanthophyllum  vitellinum.
Kitool  (malaiisch,  engl.  Black  fiber)  heißt  die
Blatthüllenfaser  der  in  Indien  und  auf  Zeylon
wachsenden  Brennpalme  Caryota  urens.
Kitte.  In  der  Hauptsache  versteht  man  darunter ­
  Firnis-  oder  Glaserkitte,  die  aus
Schlämmkreide  und  Firnis  hergestellt  werden.
Daneben  gibt  es  aber  noch  eine  große  Anzahl
anderer  Arten  Kitte,  z.  B.  Porzellankitt,  Mastixkitt, ­
  Schellackkitt,  Wachskitt  usw.,  auf  die  bei
Besprechung  der  Urstoffe  hingewiesen  worden ­
  ist.
Klärspäne,  zum  Klären  von  trübem  Bier,
werden  aus  Haselnußholz  meist  in  Fabriken
mit  Dampfbetrieb  hergestellt  und  in  Kisten  oder
Säcken  versandt.
Klatschrosen  (Klapperrosen,  lat.  Flores  papaveris
  rhoeados,  frz.  Fleurs  de  coquelicot,
engl.  Red  poppy  flowers),  die  getrockneten
Blumenblätter  des  roten  Feldmohns  (Papaver
  rhoeas),  bilden  einen  regelmäßigen  Artikel ­
  des  Drogenhandels.  Die  frisch  gepflückten
Blätter  werden  zum  Trocknen  sehr  dünn  an
der  Luft  ausgebreitet,  dann  noch  in  der  Ofenwärme ­
  nachgetrocknet  und  wegen  ihrer  Geneigtheit, ­
  Feuchtigkeit  anzuziehen,  sorgfältig
verpackt.  Die  trockene  Ware  wiegt  etwa  ein
Zehntel  der  frischen  Blätter  und  besitzt  violettrote ­
  Farbe.  K.  haben  einen  schleimig-bitteren
Geschmack  und  enthalten  ein  Alkaloid,  das
Rhoeadin,  welches  auch  im  Opium  vorkommt ­
  Sowie  einen  dunkelroten  Farbstoff,  die
Rhoeadinsäure.  Sie  werden  in  Abkochung
medizinisch  und  zum  Färben  von  Likören  und
anderen  Hausmitteln  angewandt.
Klauenfett  (Klauenöl,  lat.  Axungia  pedum
tauri,  frz.  Huile  de  pieds,  engl.  Foot  oil)  wird
durch  Auskochen  der  Klauen  von  Rindern,
Hammeln,  Pferden  und  Schweinen  mit  Wasser
und  Filtration  der  oben  schwimmenden  Schicht
erhalten.  Es  ist  ein  weißliches  bis  hellgelbes.

geruchloses  Öl  von  dickflüssiger  Konsistenz,
wird  nicht  ranzig  und'  findet  daher  als  Schmiermittel ­
  für  feinere  Instrumente,  besonders  Uhren,
vielfache  Anwendung.
Kleber  (Gluten,  Mehlleim,  Collor,  Tritizin),
  der  stickstoffhaltige  und  sehr  nahrhafte
Bestandteil  des  Getreidemehls,  wird  namentlich
aus  dem  Weizenmehl  bei  der  Fabrikation  von
Stärke  (s.  d.)  als  Rückstand  erhalten  und  bildet ­
  im  nassen  Zustande  eine  fadenziehende,
elastische  und  graugelbliche,  nach  dem  Trocknen ­
  eine  hornähnliche  Masse.  Er  wurde  früher
meist  als  Klebemittel  (Schusterpapp)  benutzt,
kann  aber  auch  frisch  unter  Teig  zu  Backwerk,
Klößen  und  dgl.  gearbeitet  werden  und  kommt
neuerdings  auch  als  feines  Pulver  (s.  Glidin)  in
den  Handel.  K.  ist  keine  einheitliche  chemische
Verbindung,  sondern  ein  Gemisch  aus  vier  verschiedenen ­
  stickstoffhaltigen  Substanzen:  Glutenkasein, ­
  Glutenfibrin,  Gliadin  und
Muzedin.
Kleesamen  (Kleesaat,  frz.  Graine  de  trefle,
engl.  Cloverseed),  im  engeren  Sinne  nur  die  Samen ­
  der  als  Kulturpflanzen  allgemein  gebräuchlichen ­
  Arten  von  Klee  (Trifolium),  im  weiteren ­
  auch  noch  die  der  verwandten  Futterpflanzen ­
  Steinklee  (Melilotus),  Luzerne,
Schneckenklee  oder  Monatsklee  (Medicago)
  und  Esparsette  (Hedysarum).  Der
Kleebau  wird  in  den  Mittelmeerländern  seit  uralten
Zeiten  und  in  Nordfrankreich  und  den  Niederlanden ­
  seit  dem  15.Jahrhundert  betrieben,  ist  aber
in  Deutschland  und  weiter  östlich  erst  seit  etwa
100Jahren  allgemeiner  gebräuchlich  g'eworden.
Seitdem  finden  sich  die  guten  Kleearten  wildwachsend ­
  auf  allen  Wiesen  und  Weiden,  so  daß
man  diese  in  kleeleere,  kleehaltige  und  kleereiche
trennt.  Der  Klee  und  seine  verwandten.  Arten
werden  entweder  in  Reinsaat  oder  mit  Grasgemenge ­
  f—  Kleegrassaat  (vgl.  Grassamen)
auf  den  Feldern  angebaut  oder  auch  auf  Wiesen
und  Weiden  für  Herstellung  von  Grasnarben
ausgesät.  Sie  verlangen  vor  allem  kalkhaltigen,
warm  trockenen  Boden,  reichliche  Düngung  mit
Kali  und  Phosphorsäure  und  während  des
Wachstums  guten  Wechsel  zwischen  Regen  und
Sonnenschein.  Der  Klee  darf  nicht  oft  auf  gleicher ­
  Fläche  wiederkehren  (Kleemüdigkeit)  und
gedeiht  nicht  alle  Jahre  gleich  gut,  vor  allem  da
nicht,  wo  es  an  befruchtenden  Insekten  (Bienen,
Wespen)  fehlt.  Die  Mehrzahl  der  Landwirte  gibt
sich  mit  der  Samengewinnung  nicht  ab,  so  daß
der  K.  ein  wichtiger  Handelsartikel  ist.  Man  bezieht ­
  ihn  am  liebsten  aus  südlicheren  Ländern,
besonders  aus  Frankreich,  welches  großartigen
Handel  damit  treibt.  Weitere  Bezugsländer  sind;
Holland  und  Belgien,  Italien,  Schlesien,  Böhmen,
Bayern,  Baden,  Württemberg,  Thüringen,  die
Rheinlande  und  die  Reichslande,  Haupthandelsplätze: ­
  Berlin,  Leipzig,  Halle,  Erfurt,  Bamberg,
Liegnitz,  Königsberg,  Mainz,  Hamburg,  Prag
und  Wien.  Der  Handel  an  den  Produktenbörsen
ist  Gegenstand  von  Zeit-  und  Differenzgeschäften, ­
  wie  beim  Getreide.  Wegen  des  großen  Verbrauchs ­
  an  K.  und  seines  hohen  Preises  ist  der
K.  Verfälschungen  durch  minderwertige  Sorten
in  hohem  Grade  ausgesetzt.  Auch  wird  er  häufig
durch  die  gefährliche  Kleeseide  verunreinigt.  Es
ist  daher  unbedingt  erforderlich,  nur  gegen  Ga-
            
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