Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kokosstricke

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Kolkothar

kolonien  (Samoa).  Zur  Gewinnung  des  Fettes  verfahren ­
  die  Eingeborenen  in  der  Weise,  daß  sie
die  Kerne  einfach  in  Wasser  kochen  und  das
oben  schwimmende  Öl  abschöpfen,  oder  auch,
daß  sie,  wie  auf  Zeylon,  die  getrocknete  Kopra
zwischen  heißen  Metallplatten  auspressen.  In
Europa  wird  das  Fett  nach  wirtschaftlicheren
*  Verfahren  durch  hydraulische  Pressen  oder  Lösungsmittel ­
  abgeschieden.  Das  reine  K.  ist  weiß,
von  charakteristischem,  nicht  unangenehmem  Geruch ­
  und  Geschmack,  wird  aber  leicht  ranzig,
und  löst  sich  in  Äther  und  siedendem  Alkohol.
Das  spez.  Gew.  bei  i8°  beträgt  0,925.  Es  schmilzt
bereits  bei  22  °,  hat  aber  trotzdem  eine  ziemlich
harte  Beschaffenheit.  Seiner  chemischen  Zut
  sammensetzung  nach  ist  das  K.  ein  Gemisch  von
Triglyzeriden  der  Palmitinsäure,  Kapron-,  Kaprin-,
  Kapryl-,  Laurin-  und  Myristinsäure,  von
denen  besonders  die  letzteren  seine  charakteristischen ­
  Eigenschaften,  die  hohe  Verseifungszahl ­
  von  240—250  und  die  hohe  Reichert-Meißlsche
  Zahl  von  7—9  bedingen.  Wegen
seines  leichten  Ranzigwerdens  fand  das  K.  früher
fast  nur  zur  Herstellung  gefüllter  Seifen  (s.  d.)
auf  dem  Wege  der  kalten  Verseifung  Anwendung.
Seitdem  man  aber  später  gelernt  hat,  es  von  den
übel  riechenden  Beimengungen  zu  befreien,  findet ­
  es  in  steigendem  Maße  als  Speisefett  Eingang. ­
  Die  zur  Reinigung  des  K.  benutzten,
zum  Teil  geheim  gehaltenen  Verfahren  beruhen
auf  der  Entfernung  der  freien  Fettsäuren  durch
Magnesia  oder  Alkalien  und  nachfolgendes  Auswaschen ­
  mit  siedendem  Wasser,  ferner  zur  Beseitigung ­
  gewisser  Riechstoffe  auf  einer  Behandlung ­
  mit  überhitztem  Wasserdampf,  Kohlensäure
oder  Alkohol.  Das  auf  diese  Weise  völlig  gereinigte, ­
  rein  weiße  und  unbegrenzt  haltbare
Fett  ist  für  alle  küchenmäßigen  Zwecke  ausgezeichnet ­
  verwendbar.  Nur  hat  sich  leider
der  Übelstand  herausgebildet,  daß  es  meist  nicht
mit  seinem  richtigen  Namen,  sondern  unter
allen  möglichen  Phantasiebezeichnungen  wie
Palmin,  Vegetalin,  Kunerol,  Laureol,
Myr  holin,  Nukolin  und  zahlreichen  anderen
in  den  Handel  kommt,  die  zum  Teil  wie  Nußbutter ­
  u.  a.  zu  einer  Täuschung  der  Verbraucher
geeignet  sind.  Auch  macht  sich  immer  mehr  das
Bestreben  geltend,  aus  K.  durch  besondere  Bearbeitung, ­
  Emulgieren  mit  Wasser,  künstliche
Gelbfärbung  u.  dgl.  schmalz-  oder  butterähnliche ­
  Erzeugnisse  herzustellen,  welche  dann  nach
der  neueren  Rechtsprechung  den  für  Kunstspeisefett ­
  oder  Margarine  erlassenen  Vorschriften
unterliegen.  Neben  der  direkten  Verwendung  als
Speisefett  dient  K.  auch  als  Zusatz  zu  Margarine,
zur  Verfälschung  von  Butter  und  Schweineschmalz
und  zur  Herstellung  von  Ersatzstoffen  für  Kakaobutter ­
  (s.  d.).
Kokosstricke  (Kokosfaserstricke)  aus  Ko-I
  kosfaser  werden  von  Hinterindien  (Kochin)  in
drei  Stärken  eingeführt.  Die  stärksten,  von
de m  Umfang  eines  kleinen  Fingers,  dienen  zum
Garbenbinden  anstatt  der  Strohseile  und  haben
v 9 r  diesen  den  Vorzug,  daß  sie  weder  der  Fauln
 ' s ,  noch  den  Angriffen  der  Mäuse  ausgesetzt
und  überdies  billiger  sind.  50  kg  oder  etwa
Sooo  m  kosten  27  M„  schwächere  24  M.  Die
schwächste  Sorte  (50  kg  —  10000  m  für  34  M.)
"drd  in  Gärtnereien  und  Baumschulen  verwandt.

Kokumbutter  (Kokumöl,  Goabutter,  frz.
Beurre  de  cocum,  engl.  Cocum  fat),  das  aus  den
Samen  von  Garcinia  indica  gewonnene  talg
artige,  etwas  brüchige  Fett  von  weißlicher  bis
blaßgelblicher  Farbe,  riecht  frisch  der  Kakaobutter ­
  ähnlich,  wird  aber  leicht  ranzig.  Es
schmilzt  bei  42—45°,  erstarrt  bei  32 0  und  besteht
aus  Oleodistearin.  K.  dient  zur  Seifenfabrikation ­
  sowie  zur  Verfälschung  von  Sheabutter.
Kokzin,  ein  schön  roter  Teerfarbstoff,  soll  aus
einer  Mischung  von  Bromnitrofluoreszein  (einem
Resorzinfarbstoff,  s.  d.)  mit  Aurantia  bestehen.
Kokzinin,  ein  dunkelroter  wasserlöslicher  Azofarbstoff ­
  aus  Aminokresolmethyläther  und  ß-Naphtoldisulfosäure
  zum  Färben  von  Wolle.
Kolanüsse  (Colanüsse,  Gurunüsse,  lat.
Nuces  colae,  frz.  Noix  de  cola,  engl.  Cola  nuts),
die  Samen  eines  in  : Westafrika,  besonders  auch
Deutsch-Kamerun  heimischen  Baumes  Sterculia
acuminata,  sind,  zu  je  fünf  in  dem  saftigen
Fruchtfleische  eingebettet  und  besitzen  eine  runze
lige,  rotbraune,  bisweilen  schwarz  gefleckte  Schale.
Die  3—5  cm  langen  und  2—3  cm  breiten  Samen
sind  innen  'hellbraun,  besitzen  einen  bitter  aromatischen ­
  Geschmack  und  enthalten  nach  König
9,220/0  Protein,  1,35%  Fett,  2,75%  Gerbstoff,
2,7s  %  Zucker,  43,830/0  Stärke,  15,060/0  Extraktstoffe, ­
  7,85  °/o  Rohfaser,  3,05  °/o  Asche.  Als  charakteristische ­
  Bestandteile  finden  sich  0,05  °/o
Theobromin,  2,16  °/o  Koffein  und  ein  Glykosid
(Kolanin),  das  unter  der  Einwirkung  eines
Fermentes,  schon  beim  Trocknen,  in  Koffein,
Theobromin  und  Gerbstoff  sowie  ein  Spaltungsprodukt ­
  des  letzteren,  das  Kolarot,  zerfällt.
K.  werden  im  Ursprungslande  als  nervenerregen
des  Genußmittel  zur  Vertreibung  von  Hunger
und  Ermüdung  verzehrt  und  neuerdings  in  Europa ­
  als  Zusatz  zu  Schokoladen  und  Likören
vielfach  verwandt.  Verschiedene  Arten  sog.  falscher ­
  Kola  von  Heritiera  littoralis,  Garcinia
Kola  u.  a.  unterscheiden  sich  von  der  echten
durch  die  geringere  Größe  der  Stärkekörner,  die
mehr  kreisrunde  und  abgeplattete  Form  der
Samen  und  das  gänzliche  Fehlen  des  Koffeins.
Kolchizin  (lat.  Colchicinum,  frz.  Colchicine),
der  giftige  Stoff  der  Herbstzeitlose,  Colchicum ­
  autumnale,  gehört  zu  Men  Alkaloiden
und  wird  gewöhnlich  aus  dem  Samen  der  Pflanze
dargestellt.  Das  bisher  nur  als  gelblichweißes
Pulver  von  sehr  bitterem  Geschmack  erhaltene
Gift  löst  sich  leicht  in  Wasser,  Weingeist  und
Chloroform,  schmilzt  bei  143—147 0  und  erstarrt
beim  Erkalten  zu  einer  glasartigen  Masse.  Leicht
zu  erkennen  ist  das  K.  daran,  daß  seine  salpetersaure
  Lösung  durch  sehr  vorsichtiges  Hinzufügen ­
  einiger  Tropfen  Schwefelsäure  eine  vorübergehende ­
  violette  Färbung  annimmt.  Es  wird
in  kleinen  Mengen  medizinisch  verwandt.
Kolkothar  (Totenkopf,  Englischrot,  Preußisch-, ­
  Pariser-,  Polierrot,  lat.  Caput  mortuum,
  frz.  Oxyde  de  fer  anhydre,  engl.  Colcothar).
Unter  diesen  Namen  versteht  man  verschiedene,
braunrot  bis  violett  gefärbte  Pulver  aus  mehr
oder  weniger  reinem  Eisenoxyd,  die  geschlämmt
und  abgerieben  teils  zu  Anstrichen,  teils  als  Poliermittel ­
  benutzt  werden.  Der  eigentliche  K.  (Ca
put  mortuum)  wurde  früher  als  Rückstand  aus
dem  Eisenvitriol  bei  Bereitung  der  Nordhäuser
|  Schwefelsäure  erhalten,  wird  aber  jetzt  billiger
            
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