Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kokablätter

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Kokosöl

entfernt  wird.  Das  Unterhaar  hat  bräunliche,
aschgraue  oder  graugelbUche  Färbung  und  kommt
an  Feinheit  demjenigen  des  Bibers  nahe.  Gerupft ­
  und  gegerbt  liefern  die  Felle  ein  sehr  hübsches ­
  Pelzwerk.  Zum  größeren  Teile  wird  das
Unterhaar  jedoch  abgeschoren  und  als  Zutat
zu  feinen  Hüten  verarbeitet.  Die  kr  England  gebräuchliche ­
  Bezeichnung  Affenfelle  ist  falsch,
ebenso  der  Name  Nutria,  welcher  der  Fischotter ­
  zukommt.
Kokablätter  (Cocablätter,  lat,  Folia  cocae,
frz.  Feuilles  de  coca,  engl.  Coca  leaves)  stammen
von  einem  baumartigen  Strauche,  Erythroxylon
  Coca,  der  auf  den  östlichen  Abhängen  der
Anden  wild  wächst,  in  großem  Maßstabe  aber
auch  wie  Wein  angebaut  wird.  Der  Strauch  gibt
jährlich  drei,  bei  reichlichem  Begießen  sogar
vier  Ernten  von  Blättern,  welche  den  Blättern
von  Sauerkirschen  in  Gestalt  und  Größe  ähneln
und  an  der  Sonne  getrocknet  werden.  Sie  riechen ­
  wie  gutes  Heu,  besitzen  einen  teeähnlichen, ­
  schwach  bitter-aromatischen  Geschmack
und  bewirken  beim  Kauen  starke  Speichelabsonderung. ­
  Ihre  Haltbarkeit  ist  gering,  da  sie  bei
Einwirkung  von  Feuchtigkeit  rasch  dumpfig  und
unbrauchbar  werden.  Sie  müssen  daher  in  gut
schließenden  Blechkisten  oder  gepulvert  in  gelben
Flaschen  mit  Glasstöpsel  aufbewahrt  werden.
Die  wichtigsten  Handelssorten  sind:  Bolivia,
Huanuko,  Huanta,  Cuczko,  Truxillo  und  Limaoder ­
  Peru-K.,  doch  kommen  neuerdings  auch  K.
aus  Zeylon,  Java  und  Kamerun  in  den  Handel.
Als  kennzeichnende  Bestandteile  enthalten  sie
die  Alkaloide:  Kokain,  Zinnamylkokain,  Kokamin,
  Isokokamin,  Benzoylpseudotropein.
  Benzoylekgonin  und  Hygrin,  ferner
Methylsalizylat,  Glykoside  und  Gerbsäure.
Der  Alkaloidgehalt  unterliegt  ziemlich  großen
Schwankungen  und  beträgt  im  Mittel  0,7%.
Die  K.  werden  von  den  Indianerstämmen  Perus
mit  Asche  oder  Kalk  gekaut,  wodurch  eine  Erregung ­
  des  Nervensystems  und  Stillung  des
Hungers,  bei  unmäßigem  Genuß  aber  ebenso
schädliche  Wirkungen  wie  durch  Alkohol  und
Opium  hervorgerufen  werden.  Die  K.  dienen  zur
Darstellung  des  Alkaloides  und  des  Kokaweins.
Kokain  (Cocain,  lat.  Cocainum,  frz.  Cocaine,
engl.Cocaina),  das  wichtigste  Alkaloid  der  Kokablätter, ­
  wird  durch  Benzin-  oder  Petrolätherextraktion ­
  der  mit  Sodalösung  befeuchteten  Blätter ­
  und  nachherige  Ausschüttelung  mit  verd.
Schwefelsäure,  Fällung  mit  Soda  und  Umkristallisieren ­
  aus  Alkohol  rein  dargestellt.  Es
bildet  färb-  und  geruchlose  Prismen,  die  bei
98°  schmelzen,  in  Alkohol.  Äther  und  den  meisten ­
  anderen  organischen  Lösungsmitteln  leicht,
in  Wasser  hingegen  nur  wenig  löslich  sind.  Beim
Erhitzen  mit  Salzsäure  spaltet  sich  das  K.  in
Ekgonin,  Methylalkohol  und  Benzoesäure  und
ist  daher  als  Methyl  benzoylekgonin  anzusprechen. ­
  Aus  den  genannten  Bestandteilen  läßt
sich  chemisch  reines  K.  synthetisch  darstellen,
das  nicht  die  unangenehmen  Nebenwirkungen
des  natürlichen  Alkaloides  zeigt.  Das  K.  wirkt
äußerlich  örtlich  anästhesierend  und  findet  daher
ebenso  wie  das  salzsaure  Salz,  Kokainhydrochlorid, ­
  ausgedehnte  medizinische  Anwendung
in  der  Chirurgie,  Zahnheilkunde  und  Augenheilkunde, ­
  da  die  Bepinselung  von  Schleimhäuten

mit  K.  völlige  Unempfindlichkeit  hervorruft  und
schmerzlose  Operationen  ermöglicht.  Zurzeit  wird
das  rohe  K.  meist  schon  in  Peru  dargestellt,  aber
erst  in  Europa  weiter  verarbeitet.
Koka-Koka,  eine  aus  Peru  stammende,  der
Ratanhia  ähnliche  Wurzel  von  bitterem  und  zusammenziehendem ­
  Geschmack,  wird  dort  als  Abkochung ­
  gegen  Leberleiden  und  zum  Rotfärben
benutzt.  Die  Kokablätter  (s.  d.)  stammen  von
einer  anderen  Pflanze.
Kokos.  Die  Früchte  der  in  fast  allen  Tropenländern ­
  an  Küsten  und  auf  Inseln  wild  wachsenden ­
  und  angepflanzten  Kokospalme  (Cocos
nucifera)  bilden  sowohl  in  ganzem  Zustande,
wie  in  ihren  einzelnen  Teilen  überaus  wich
tige  Handelswaren.  Die  Kokosnüsse  sind
bis  zu  kopfgroße  Steinfrüchte,  die  unter  einer
4—6  cm  dicken  Faserhülle  das  von  einer  harten
Steinschale  umgebene  weiße  und  mit  einer  milchartigen ­
  Flüssigkeit  angefüllte  Endosperm  (Kokoskern) ­
  enthalten.  Die  Faserhülle  besteht  aus
längslaüfenden,  dicht  zusammenhängenden  Fasern, ­
  welche  zugerichtet  als  Kokosfaser  (Coir)
bezeichnet  werden.  Zu  ihrer  Gewinnung  wird  die
Außenschicht  (Roya)  völlig  reifer  Früchte  von
Cocos  nucifera  var.  rutila  und  cupuliformis
  mehrere  Wochen  in  Wasser  gelegt  und  dann
mit  Klopfern  oder  zwischen  geriffelten  Walzen
bearbeitet,  wodurch  sich  die  Fasern  vereinzeln
und  in  verschiedene  Stärken  sortiert  werden
können.  Sie  besitzen  dann  eine  bräunliche  Färbung, ­
  eine  Länge  von  15—33  cm  und  eine  Dicke
von  0,05—0,30  mm.  Die  Kokosfaser  findet  vielseitige ­
  Verwendung  als  Polstermaterial,  zur  Herstellung ­
  von  geflochtenen  Teppichen,  gleichartig
gewebt  zu  Fußdecken,  Unterlagen  und  Abtretern,
zu  Bürsten  und  Pinseln,  gesponnen  zu  Seilerwaren, ­
  selbst  Schiffstauen  und  neuerdings  zu
Maschinentreibbändern.  Die  harte  Kernschale,
Kokosnußschale,  mit  welchem  Namen  übrigens ­
  häufig  auch  die  Schale  der  brasilianischen ­
  Palme  Attalea  funifera  (coquilla)  belegt ­
  wird,  dient  zu  kleinen  Drechsler-  und  Schnitzarbeiten. ­
  Das  Endosperm  endlich,  der  Kokoskern, ­
  findet  in  frischem  Zustande  als  Nahrungsmittel ­
  beschränkte  Anwendung,  wird  aber  zur
technischen  Verwertung,  besonders  zur  Gewinnung ­
  des  Fettes,  unter  dem  NamenKopra  in,  ungeheuren ­
  Mengen  verarbeitet.  Die  Kopra  (Co
prah,  Kopra,  Copperah)  enthält  nach  König
5,81  %  Wasser,  8,88  °/o  '  Stickstoffsubstanz,  67,0  %
Fett,  12,44%  stickstofffreie  Extraktstoffe,  4,06%
Rohfaser  und  1,81%  Asche,  Die  nach  dem  Auspressen ­
  des  Kokosöles  (s.  d.)  hinterbleibenden
Rückstände,  die  etwa  20%  Stickstoffsubstanz
enthalten,  bilden  als  Kokos-  oder  Koprakuchen
  ein  wertvolles  Futtermittel.
Kokosöl  (Kokosfett,  Kokosbutter,  lat
Oleum  cocos,  frz.  Huile  ou  Beurre  de  cocos,  engl
Cocoa  nut  oil,  Cochin  oil),  das  fette  öl  der
Kokoskerne,  wird  entweder  schon  im  Ursprungslande
  oder  in  Europa  aus  der,  nach  hier  eingeführten ­
  Kopra  ausgepreßt.  Die  Haupterzeugungsländer
  sind  Vorder-  und  Hinterindien  und
Zeylon,  nach  welchen  die  besten  Sorten  den
Namen  Kochin-Kopra,  die  minder  wertvoll 611
den  Namen  Zeylon-  und  indische  Kopra
führen.  Außerdem  kommt  K.  aus  Zanzibar  und
Westindien  und  neuerdings  aus  unseren  Südsee-
            
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