Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Krebsaugen

227

Kreide

silvestris)  entstanden.  Der  Anbau  der  K.  geschieht ­
  in  Deutschland  besonders  in  Thüringen
und  im  Harz,  ferner  in  Ungarn  und  Amerika.
Die  für  den  offizinellen  Gebrauch  bestimmten
Blätter  werden  vor  der  Blüte  gesammelt  und
getrocknet  in  den  Handel  gebracht.  Sie  dienen
zur  Herstellung  von  Aufgüssen,  die  innerlich  als
erwärmendes  magenstärkendes  Mittel,  äußerlich
zu  Bädern  und  Umschlägen  Verwendung  finden.
Außerdem  bereitet  man  aus  ihnen  ein  destilliertes ­
  K.-Wasser  (lat.  Aqua  menthae  crispae,
frz.  Eaü  de  menthe  cröpue,  engl.  Curled  mint
water),  den  Krauseminzgeist,  und  ein  ätherisches ­
  Öl,  welches  der  riechende  und  schmeckende
Bestandteil  der  Pflanze  ist.  Das  Krauseminzöl
(lat.  Oleum  menthae  crispae,  frz.  Essence  de
menthe  cröpue,  engl.  Oil  of  spearmint)  wird
durch  Destillation  .mit  Wasser  abgetrieben.  Es
hat  eine  .gelbliche  oder  grünliche  Farbe  und
dünnflüssige  Konsistenz,  .wird  aber  mit  der  Zeit
bräunlich  und  dick.  Geruch  und  Geschmack  des
Öls  sind  schwächer  als  bei  dem  Pfefferminzöl
und  auch  .von  diesem  verschieden,  aber  lieblich.
Das  rektifizierte  Krauseminzöl  hat  bei  15 0  C  ein
spez.  Gew.  von  0,92p—0,940  und  enthält  neben
Terpenen  (Limonen  und  Pinen)  erhebliche  Mengen ­
  linksdrehendes  Karvon.  Es  wird  zu  Parfümerien ­
  und  Likören  sowie  medizinisch  benutzt.
Krebsaugen  {Krebssteine,  lat.  Lapis  cancrorum,
  frz.  Oeil  d’öcrevisse,  engl.  Crabs  eye)  nennt
man  die  steinigen,  weißen  oder  gelblichen  Körperchen, ­
  die  sich  zwischen  den  Magenhäuten
des  Flußkrebses  bilden  und  bei  der  Häutung
ausgeworfen  werden.  Sie  sind  linsengroß  oder
größer,  auf  einer  Seite  konvex,  auf  der  anderen
konkav  wie  ein  Näpfchen  und  bestehen  aus
kohlensaurem  und  phosphorsaurem  Kalk  nebst
Gallerte,  die  beim  Auflösen  der  Sternchen  in
Salzsäure  zurückbleibt  und  die  ursprüngliche
Form  beibehält.  Man  bezieht  sie  aus  Südrußland ­
  und  Galizien  und  führt  sie  in  Apotheken
und  Drogenhandlungen  als  Volksmittel,  um  Staub
oder  andere  Körner,  die  in  die  Augen  geraten
sind,  aus  diesen  zu  entfernen.
Krebsbutter,  ein  gelblichrotes  Fett,  wird  in
Delikatessenhandlungen  in  l /i-  Vs  und  V4'D° sen
verkauft  und  als  Zusatz  zu  Suppen  und  Speisen
verwandt.  Zur  Bereitung  von  K.  werden  grob
zerstoßene  rote  Krebsschalen  kurze  Zeit  mit
Butter  gelinde  gekocht,  wobei  letztere  Farbe,
Geruch  und  Geschmack  der  Krebsschalen  annimmt. ­
  Früher  häufiger  beobachtete  Verfälschungen ­
  aus  Margarine  und  Teerfarben  sind
durch  die  Nahrungsmittelkontrolle  aus  dem  Handel ­
  verdrängt  worden.
Krebse  (Flußkrebse,  frz.  Ecrevisses,  engl,
Grabs)  sind  nicht  nur  ein  Gegenstand  des  örtlichen, ­
  Handels,  sondern  werden  oft  weithin  versandt; ­
  gerade  die  besten  und  größten  bei  uns
v °rkommenden  K.,  die  Spreekrebse,  gehen  in
Menge  nach  Frankreich.  Die  Schonzeit  der  K.,
deren  wissenschaftlicher  Name  Astacus  fluv
  i  a  t  il  i  s  ist,  reicht  in  den  meisten  deutschen
Ländern  vom  1.  November  bis  31.  Mai  des  nächsten ­
  Jahres.  Während  dieser  Zeit  dürfen  sie
weder  gefangen  noch  feilgeboten  werden.  Mit
Eiern  versehene  weibliche  K.  dürfen  auch  außerhalb ­
  dieser  Zeit  nicht  verkauft  werden,  sondern
müssen,  wenn  sie  gefangen  wurden,  sofort  wieder

ins  Wasser  gesetzt  werden.  Durch  eine  in  vielen
Gegenden  Deutschlands  seit  einigen  Jahren  plötzlich ­
  aufgetauchte  Krankheit,  die  Krebspest,  haben
viele  Krebszüchter  großen  Schaden  erlitten.  Eingemachte ­
  Krebsschwänze  sind  ein  Artikel  des
Delikatessenhandels.  Die  Verwendung  von  Borsäure ­
  zu  ihrer  Konservierung  ist  in  letzter  Zeit
mehrfach  beanstandet  worden  und  sollte  unter
allen  Umständen  gekennzeichnet  werden.  Über
Seekrebse  s.  Hummer.
Krefeider  Sprudel  besitzt  nach  der  Analyse
von  R.  Fresenius  und  Plintz  vom  Jahre  1896
folgende  Zusammensetzung  für  1000  Gewichtsteile ­
  :  0,0023  g  Kalziumbikarbonat,  0,4527  g  Magnesiumbikarbonat, ­
  0,0113  g  Ferrobikarbonat,
o,ooot  g  Manganbikarbonat,  0,0954  g  Chlorkalium,
6,8492  g  Chlornatrium,  0,0049  g  Chlorli.hium,
0,0125  g  Chlorammonium,  0,0075  g  Chlorbarium,
0,0061  g  Chlorstrontium,  0,2859  S  Chlorkalzium,
0,0069  g  Bromnatrium,  0,0003  g  Jodnatrium,
0,0003  g  Natriumphosphat,  0,0127  g  Natriumborat,
0,0029  g  Natriumnitrat,  0,0099  g  Kieselsäure  und
0,0148  g  freie  Kohlensäure.
Kreide  (lat.  Creta,  frz.  Craie,  engl.  Chalk)  besteht ­
  in  chemischer  Hinsicht  aus  einem  durch
Ton  und  Kieselsäure  mehr  oder  weniger  verunreinigten ­
  kohlensauren  Kalk,  CaCOs,  und
ähnelt  insofern  einem  weichen  erdigen  Kalkstein,
von  dem  sie  sich  aber  dadurch  unterscheidet,
daß  sie  als  Ablagerung  alter  Meere  aus  '  den
Kalkgehäusen  mikroskopischer  Weichtiere  (Polythalamien,
  Foraminiferen)  und  den  Kieselpanzern ­
  von  Infusorien  und  Algen  zusammengesetzt ­
  wird.  Sie  bildet  oft  mächtige  Lager  und
ganze  Plöhenzüge,  und  vor  allem  die  Küsten
Englands,  Dänemarks  und  Norddeutschlands
(Insel  Rügen)  bestehen  zum  großen  Teil  aus
diesem  Mineral.  Auch  Frankreich  hat  große
Lager  in  der  Champagne,  bei  Rouen,  Paris  sowie
an  der  Nordküste.  Für  den  deutschen  Bedarf
dient  besonders  die  über  Stettin  kommende  K.
von  Rügen,  die  teils  in  Stücken,  wie  sie  bricht,
teils  pulverförmig  im  geschlämmten  Zustande
(Schlämmkreide)  in  den  Handel  gelangt.  Als
Schreibkreide  werden  meist  aus  Schlämmkreide
geformte  zylindrische  oder  vierkantige  Stifte,
gewöhnlich  mit  papiernem  Überzüge,  benutzt.
Der  Verbrauch  von  K.,  besonders  geschlämmter,
ist  sehr  bedeutend  und  mannigfaltig.  Man  verwendet ­
  sie  für  sich  allein,  wie  im  Gemisch  mit
anderen  Farbstoffen  zu  Anstrichen,  und  zwar
meist  als  Leimfarbe;  ferner  dient  sie  als  sog.
Leim-  oder  Kreidegrund  zur  Unterlage  von  Vergoldungen ­
  und  Lackfarbenanstrichen,  zu  Kitten,
Kreidepapier,  als  Grundmasse  zu  Schüttgelb  usw.
Auch  in  der  chemischen  Großindustrie  wird  K.
gebraucht,  besonders  bei  der  Glasbereitung,  in
den  Färbereien  und  zur  Entwicklung  von  Kohlensäure. ­
  Feine,  mehrmals  geschlämmte  K.  dient
zum  Putzen  von  Silbergeschirr.  —  Bologneser
K.  ist  eine  sehr  leichte  und  feine  Masse,  die
in  Stücken  von  der  Form  und  Größe  von  Backsteinen ­
  versandt  wird,  ähnlich  die  Champagner-K.
  —  Außerdem  führen  im  Handel  noch  einige
andere,  nicht  aus  kohlensaurem  Kalk  bestehende
Minerale  den  Namen  K.  Die  zur  Entfernung  von
Flecken  dienende  sog.  spanische  (venezianische, ­
  Briangoner)  K.  ist  eine  Art  Speckstein
(s.  d.),  gelbe  und  rote  K.  nennt  man  zuweilen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.