Lackester
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Lackfarben
leichter in der Sonne oder bei mäßiger Wärme
lösen und durch Filtration von den Verunreinigungen
trennen. Bei der Darstellung im großen
bedient man sich geschlossener Destillierblasen
oder des sog. Deplazierungsverfahrens.
indem man das Harz in ein Sieb schüttet und
dieses so weit in ein mit Weingeist gefülltes
Faß hängt, daß es gerade noch von der
Flüssigkeit bespült wird. Die Lösung des Harzes
sinkt dann beständig nach unten und kann
nach entsprechendem Absetzen aus einem etwas
oberhalb des Bodens angebrachten Hahn ohne
Filtration klar abgezogen werden. Als Ausgangsmaterial
für Spirituslack kommen sämtliche
Harze in Betracht. Die spröderen, wie Sandarak
und Mastix, geben sehr glänzende, aber
wenig haltbare Überzüge und werden daher
meist i durch Zusatz von etwas venezianischem
Terpentin oder weicherem Harz, z. B. Elemi,
verbessert. — TerpentinöHacke unterscheiden
sich von den vorigen nur dadurch, daß
an Stelle von Spiritus Terpentinöl oder andere
ätherische Öle (Rosmarinöl) als Lösungsmittel
benutzt werden. Sie trocknen etwas langsamer,
sind aber haltbarer und weniger spröde, weil
ein Teil des Lösungsmittels von dem eintrocknenden
Harzüberzug festgehalten wird. Das
Terpentinöl löst manche Harze schon in der
Kälte. Andere, wie Bernstein und Kopal, werden
erst in der Wärme geschmolzen und dann
mit dem Lösungsmittel verdünnt. Die billigsten
Terpentinöllacke werden aus Kolophonium,
bessere Sorten aus Sandarak oder Dammara,
die besten Fußboden-, Wagen- und Schleiflacke
aus Bernstein oder echtem Kopal hergestellt.
Geschmolzener und dann mit Terpentinöl
gemischter Asphalt gibt den schwarzen
Asphalt- oder Eisenlack, der durch Zusatz
von heißem Leinölfirnis dauerhafter wird. Als
allgemeine Regel für die Verwendung der flüchtigen
Lacke gilt, daß sich die Terpentinöl-L.
besonders zum Aufsetzen auf Ölanstriche, die
Weingeist-L, zum Aufsetzen auf Wasser- und
Leimfarben eignen. An Stelle des Terpentinöls
werden vielfach auch andere Lösungsmittel, wie
Benzin, Schwefelkohlenstoff, Holzgeist, Chloroform,
Kampferöl, Eukalyptusöl, an Stelle der
genannten Harze die neueren Harzersatzmittel
(s. d.) benutzt. — Als Kennzeichen eines guten
Lackes gilt, daß er nach dem Aufstreichen
schnell trocknet und einen nicht klebrigen
stark glänzenden Überzug hinterläßt, der mit
der Zeit weder Risse noch Sprünge bekommt.
Bei sorgfältiger Aufbewahrung in verschlossenen
Gefäßen gewinnen die Lacke durch das
Alter an Güte. Die feinsten Wagenlacke, von
denen der höchste Grad von Dauerhaftigkeit
und Schönheit verlangt wurde, kamen früher
aus England, werden aber jetzt von den Fabriken
in Dresden, Berlin, Mainz, Offenbach und
Wien mindestens ebensogut erzeugt.
Lackester (Esterlacke) nennt man eine heue
Art von Anstrichlacken, bei denen an Stelle der
Harze die durch Vereinigung von Lfarzen mit
Alkoholen unter Wasseraustritt entstehenden
Harzsäureester als Grundstoff dienen. Sic
sollen weit ergiebiger als Kopallacke sein, so
daß zwei Teile L. ungefähr so viel Fläche
decken, als drei Teile Kopallack, und überdies
Anstriche von großer Widerstandsfähigkeit
gegen Luft und Feuchtigkeit liefern.
Lackfarben (Farblacke) sind Verbindungen
von organischen Farbstoffen mit anorganischen
Oxyden oder Salzen. Die zahlreichen, zum
Teil sehr schönen, in Hölzern und anderen
Pflanzenteilen enthaltenen Farbstoffe bilden, soweit
sie in Wasser löslich sind, nur Farbenbrühen.
Um sie in die Form einer Körperfarbe
zu bringen, muß man sie an eine feste Grundlage
binden und bedient sich hierzu der Eigenschaft
mancher Metalloxyde und alkalischen
Erden, mit den Pflanzenfarbstoffen unlösliche
Niederschläge zu bilden. Wird z. B. zu einer
Alaunlösung die Lösung eines ätzenden oder
kohlensauren Alkalis gebracht, so fällt die Tonerde
des Alauns als weiße Gallerte aus; ist aber
die Alaunlösung vorher mit einer Farbenbrühe
gemischt worden, so reißt die Tonerde den
Farbstoff so vollständig an sich, daß die überstehende
Flüssigkeit farblos erscheint. In gleicher
Weise wirkt das' Zinnoxydul, welches aus
einer Lösung von Zinnchlorür (Zinnsolution)
ausgefällt wird. Die Lackfarbe fällt dabei noch
feuriger aus, aber wegen seiner Kostspieligkeit
kann das Zinnsalz nur zu feinerer Ware
benutzt werden, während es für gewöhnlich im
Gemisch mit Alaun Anwendung findet. Beide
Salze bilden auch die gewöhnlichsten Beizen
der Färberei, bei welcher der Farblack auf der
Faser erzeugt wird. Nicht alle Farbstoffe vertragen
die gleiche Behandlung. Einige lassen
sich mit kalter oder heißer Alaunlösung äusziehen
und dann mit der alkalischen Lauge
fällen. Bei anderen muß diese das Lösungsmittel
abgeben und der Alaun zuletzt hinzugesetzt
werden. Unter Umständen ist es auch
geboten, die Tonerde für sich auszufällen und
rein zu waschen und sie dann erst mit der
Farbenbrühe unter Erwärmung zusammenzubringen.
Die als farbiger Schlamm erhaltenen
Lacke werden schließlich mit Wasser rein ausgewaschen
und entweder noch feucht als Teig
(en päte) für Kattun- und Wolldruck, Tapeten
und Buntpapier verkauft, oder getrocknet und
in Brocken oder zu Täfelchen geformt in den
Handel gebracht. Um die Farben in möglichster
Schönheit herzustellen, sind verschiedene
Vorsichtsmaßregeln zu beobachten, die
zum Teil als Fabrikgeheimnisse bewahrt werden.
Von den L. sind die roten und gelben am
gebräuchlichsten. Der feinste rote L. ist der
Karminlack aus der Koschenille und den Abgängen
von der Karminbereitung (vgl. Koschenille).
Weiter sehr beliebt und außerordentlich
dauerhaft sind auch die Krapplacke (vgl.
Krapp), die in einer großen Farbenfolge von
Dunkelrot bis zart Rosa dargestellt und durch
Zusatz von mehr oder weniger feinem Bleiweiß
in verschiedenen helleren Tönen abgestuft werden.
Außerdem erhält man aus Pernambukholz
und Lack dye, dem Farbstoff des Gummilacks,
schöne rote L. Die roten Lacke aus Karmin
und Farbhölzern sowie Mischungen derselben
mit anderen Stoffen führen verschiedene Handelsnamen:
Pariser, Wiener, Venezianer,
Florentiner Lack, Kugel lack usw. Ein
schöner violetter Lack ist der Orseillelack.
Zu gelben Lacken dienen Abkochungen von