Leder
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Legierungen
Vdcheleder wird hauptsächlich in Frankreich
und Belgien, am Rhein und in Thüringen er
zeugt und kommt in Rollen zu fünf bis acht
Häuten zum Verkauf. — In der Erzeugung von
schwarzem und braunem Blankleder, welches
die Sattler verwenden, haben Mülheim a. R.,
Pößneck in Thüringen und Weißenfels beson
deren Ruf; Mülheim auch in Wagenver
deckledern. Zur Herstellung dieser Leder
sorten werden die Häute gespalten, so daß aus
einer Haut zwei werden. Der Narbenteil, der
schwächer, biegsamer und größer ist, dient zur
Verdeckhaut, der Unterspalt hingegen meist zu
Brandrohleder und ähnlichen Zwecken. Auch
Fahlleder, welche das beste Material für
Arbeiterstiefeloberleder bilden und in
Thüringen, Bayern und Sachsen erzeugt werden,
spaltet man bisweilen. Alle diese Sorten, mit
Ausnahme der Sohlleder, welche vorzugsweise
von Wildhäuten gefertigt werden, stammen von
gewöhnlichem Stallvieh, Kühen, Ochsen und
Büffeln. Von größter Bedeutung für die Ge
winnung von Oberleder ist die ostindische Kips
haut, die in großen Mengen in ganz Deutsch
land, am meisten in Thüringen und Sachsen,
England, Italien und Spanien gegerbt wird, und
im allgemeinen schwächer als die Rindshaut,
hingegen stärker als das Kalbfell ist. In der
Herstellung von braunem Kalbleder zeichnet
sich Frankreich aus, in Deutschland das Elsaß,
die Rheinprovinz und namentlich Gera. Lack
leder, Wichsleder sowie überhaupt die fei
neren Kalbleder werden besonders am Rhein,
namentlich in Worms und Mainz, hergestellt.
Schafleder werden in großen Mengen in
Kirchhain in der Niederlausitz und Umgegend
gefertigt, und zwar teils in Alaun, teils in Lohe
gegerbt als gewöhnliches Schuhfutterleder;
Saffiane, d. h. gefärbte und besonders zube
reitete Ziegen- und Schafleder in Mainz
und anderen rheinischen Städten; sog. Bock
leder, wozu das Material gegerbt aus Madras
und Bombay kommt, in Kirn an der Nahe und
Wien. — Roßleder, das in früherer Zeit fast
ausschließlich zu Wagenverdecken oder zu ge
ringeren Sattlerarbeiten verwendet wurde und
keinen hohen Wert hatte, findet seit einigen
Jahrzehnten eine erheblich bessere Verwendung
zu Oberleder, und zwar das Schild (d. i. das
jenige Stück, welches einen sogenannten Spie
gel hat) zu Stiefelvorderteilen, der Rest zu
Hinterteilen und Schuhleder. Zu erwähnen ist
ferner noch das aus Mexiko und Mittelamerika
stammende Alligatorleder von bräunlichgelber
Farbe mit vertiefter Musterung, welches zu
feinen Lederarbeiten verarbeitet wird, und das
Känguru bieder aus Australien, das, dünn und
geschmeidig, dem Regen besser widersteht und
•'lebt so leicht bricht als Kalbleder. Auch aus
d er Haut des Katzenhais (s. Fischhaut) macht
'han ein weiches und sehr geschmeidiges hell
graues L. — Beim Einkauf von L. hat man sich
hüten, daß man nicht beschwertes L. er
kält, welches vor der Fettung mit einer Lösung
v °n Bittersalz oder von Chlorbarium imprä
gniert worden ist. Die deutsche Ledererzeugung
katte es im Jahre 1908 auf eine Ausfuhr von
a st 169 Millionen M. gebracht, ist aber hin
sichtlich der erforderlichen Häute stark vom
Ausland abhängig.
Lederersatzmittel (Kunstleder) sind Kunst
erzeugnisse, die wenigstens in gewissen Fäll, n
Ersatz für das Leder bieten und, was die
Widerstandsfähigkeit gegen das Wasser und
die Witterung anlangt, dieses zum Teil noch
übertreffen. Sie bestehen meist aus mit Kaut
schuk, Guttapercha, Leinölfirnis, Asphalt und
anderen Stoffen imprägnierten Geweben, denen
man durch gravierte Walzen mittels Aufpressens
einer künstlichen Narbe das Aussehen von Leder
gegeben hat. Hierher gehören z. B. das sog.
Ledertuch oder Krokettledertuch und ver
schiedene ähnliche, als vegetabilisches Leder
empfohlene Erzeugnisse aus Jute, Baumwolle
oder Leinen, die mit den genannten Stoffen im
prägniert und überstrichen sind. Auch hat man
schon mehrfach versucht, aus Lederabfällen ein
künstliches Leder wieder herzustellen. Das
neuerdings vielgenannte Pegamoid besteht aus
einer zelluloidähnlichen Masse aus nitrierter
Baumwolle.
Lederholz, die starken, lederartigen Bast
fasern der Schößlinge von Dirca palustris,
einer zu den Seidelbastgewächsen (Daph-
noideen) gehörigen Pflanze des südlicheren
Nordamerika, sind 1—1,5 m lang und werden
zur Anfertigung von Stricken und Matten ver
wendet.
Legierungen nennt man alle Verbindungen
zweier oder mehrerer Metalle, für die im ge
wöhnlichen Leben oft der Ausdruck Kompo
sition gebraucht wird, während quecksilber
haltige Legierungen die besondere Bezeichnung
Amalgame führen. Die Darstellung von Le
gierungen erfolgt in der Regel durch einfaches
ZuSammenschmelzen der Bestandteile, in ein
zelnen Fällen auch in der Weise, daß man das
eine Metall in Dampfform an das andere treten
läßt. Nach dem letzteren Verfahren, durch wel
ches jedoch nur eine unvollkommene, oberfläch
liche L. entsteht, wurde früher viel Messing dar
gestellt, indem man Zinkdämpfe auf Kupfer ein
wirken ließ. In gleicher Weise wurde das gif
tige Weißkupfer dadurch erhalten, daß man
Kupfer den Dämpfen von Arsenik aussetzte. —
Die L. verhalten sich physikalisch ganz wie ein
fache Metalle, zeigen aber oft Eigenschaften,
die sich aus denen der Einzelmetalle nicht Vor
hersagen lassen. Dies gilt sowohl hinsichtlich
der Farbe, als der Härte, Dehnbarkeit, Sprö
digkeit, des spezifischen Gewichts und des
Schmelzpunktes. Insbesondere ist der letztere
häufig niedriger, als die durchschnittliche Be
rechnung aus den Schmelzpunkten der Einzel
bestandteile ergibt. Es unterliegt keinem Zwei
fel, daß auch die Metalle wie die anderen Ele
mente sich nach festen Verhältnissen mitein
ander verbinden, und daß zwischen zwei Me
tallen mehrere solcher Verbindungen in ver
schiedenen Mengenverhältnissen möglich sind.
Die Praxis aber kann ihre Zusammensetzungen
nur nach Erfahrungsregeln herstellen und wählt
die Bestandteile und ihre Mengen so, daß ein
bestimmter Zweck mit den geringsten Kosten
erreicht wird. Ihre Erzeugnisse sind dem
nach als Gemische aus wirklichen Legie
rungen und möglicherweise überschüssigem