Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Marmor 
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Marmor 
lieh aus künstlich rot gefärbtem Stärkesirup 
bestanden, und die nur durch einige hinein 
gerührte Fruchtkerne ein marmeladenähnliches 
Aussehen erhalten hatten. Mit der Einführung 
einer geordneten Nahrungsmittelkontrolle sind 
die gröbsten Übelstände inzwischen beseitigt 
worden. Zusätze von Stärkesirup, Teerfarbstoffen 
u. dgl. werden den Käufern auf Etiketten be 
kannt gegeben, und eine weitere Besserung der 
bestehenden Zustände kann von dem gemein 
samen Zusammenwirken der reellen Fabrikanten 
und der Nahrungsmittelchemiker erwartet wer 
den. Nach den von ihnen getroffenen Verein 
barungen lassen sich folgende allgemeine Grund 
sätze für die Beurteilung aufstellen: Als ohne 
jede Einschränkung, auch unter Deklaration un 
zulässige Zusätze, gelten alle wertlosen Stoffe, 
insbesondere durch Wasser ausgelaugte oder der 
Destillation unterworfen gewesene Preßrück- 
stände, z. B. gewaschene Himbeerkerne, Preß 
rückstände von der Nachpresse, Rückstände von 
der Pomrilfabrikation. Eine Ausnahme bilden 
Preßrückstände von Saueräpfeln, die, wenn sie 
mit nicht mehr als so °/o Wasser gekocht waren, 
unter Deklaration benutzt werden dürfen. Sie 
sind aber auch dann, ebenso wie andere Preß- 
und Obstrückstände, nur für solche M. zulässig, 
die nicht unter dem Namen einer bestimmten 
Fruchtart in den Verkehr gelangen. Für die 
letzteren, z. B. Himbeermarmelade, sind auch 
alle Gelierungsmittel, wie Agar, Gelatine, unter 
sagt. Alle hiernach nicht ohne weiteres aus 
geschlossenen Stoffe außer frischer Frucht und 
Zucker müssen gekennzeichnet werden, insbeson 
dere Dörrobst, Preßrückstände, Agar, Gela 
tine für M. ohne den Namen einer bestimmten 
Fruchtart, sog. gemischte M. Die Deklaration 
„mit Preßrückstän.cfen“ deckt aber nur Zusätze 
bis zu 25 0/0, bei höheren. Mengen ist die Be 
zeichnung „Kunstmarmelade“ zu wählen. Zu 
satz von Stärkesirup ist zu kennzeichnen als „mit 
-Stärkesirup“ bei Mengen unter 25 °/o; als „mit 
mehr als 25 °/o Stärkesirup“ bei Mengen bis zu 
So °/o. Wenn der Gehalt an Stärkesirup oder an 
anderen fremden Stoffen 50% übersteigt, muß 
die Ware als „Kunstmarmelade“ bezeichnet wer 
den. Künstliche Färbung ist durch das Wort 
„gefärbt“ zu deklarieren! Bezüglich weiterer 
Einzelheiten, besonders auch der Deklaration, sei 
auf das Handbuch der Nahrungsmitteluntersuchung 
von Beythien, Hartwich und Klimmer ver 
wiesen. Es ist anzunehmen, daß die im Kriege 
eingeführten Notmarmeladen aus Rüben und 
Kartoffeln mit dem Friedensschlüsse wieder ver 
schwinden und den vortrefflichen Erzeugnissen 
der deutschen Industrie Platz machen werden. 
Ein Bedarf für ausländische Erzeugnisse liegt 
nicht vor. 
Marmor (frz. Marbre, engl. Marble) nennt 
man alle kristallinischen Kalke, die sich durch 
feines Gefüge, hohe Politurfähigkeit und schöne 
Eärbung oder Zeichnung auszeichnen und in 
folgedessen zu Bildhauerarbeiten geeignet sind. 
Ihrer chemischen Zusammensetzung nach be 
stehen sie alle aus mehr oder weniger reinem 
Kalziumkarbonat, ihrer geologischen Entstehung 
n ach gehören sie zum Teil den ältesten Massen- 
Sesteinen wie Gneis und Glimmerschi, fer an 
(Urkalk), während sie zum Teil aus kalkigen 
Sedimenten hervorgegangen und durch späteren 
Druck kristallinisch geworden sind. Nach dem 
äußeren Ansehen unterscheidet man in der Regel 
den eigentlichen Marmor, den Breccienmarmor 
und den Muschelmarmor. — Der. eigentliche 
M., der aus einer gleichmäßigen feinkörnigen 
Masse besteht und rein weiß oder einfarbig er 
scheint, liefert das Material für die Bildhauer 
kunst (Statuen-M.) und wird daher besonders 
geschätzt. Rein weißer Statuenmarmor findet 
sich nur in Italien hei Massa, Karrara und Sera- 
vezza, wo er in 800—900 Brüchen gewonnen 
wird. Als beste Sorte, des sog. karrarischen 
Marmors, gilt der Statuario di Falcovaja 
(Saccharides). Von griechischen Fundorten 
liefert die Insel Paros den berühmten gelblich 
weißen, wachsartig glänzenden parischcn M., 
das Pentelikongebirge den rein weißen pente- 
lischen M., die Insel Tinos geringere weiße, 
schwarze und gestreifte Sorten, die nach der 
Türkei ausgeführt werden. Sehr schöner weißer 
M. kommt neuerdings aus Tirol (Laaser und 
Sterzinger M.), hingegen sind die deutschen 
Vorkommnisse des Erzgebirges, Fichtelgebirges, 
Harzes , und Odenwalds’nicht zu Bildhauerarbei 
ten verwendbar. Die farbigen Marmorsorten 
finden sich an zahlreichen Orten, namentlich 
Italiens, doch werden gerade hier manche Ge 
steine zu unrecht als M. bezeichnet. Der Bei 
name antico besagt, daß eine Gesteinsart un 
bekannter Herkunft, vielfach aus schon im 
Altertum erschöpften Brüchen, vorliegt, die jetzt 
nur noch aus altrömischen Ruinen entnommen 
werden kann. Bisweilen ist es allerdings ge 
lungen, einzelne natürliche Lagerstätten solcher 
anticos wieder aufzufinden, so namentlich die 
Maina in Griechenland, die bereits den Künst 
lern .des Altertums die prachtvoll grünen und 
roten, schwarz geaderten M.-Arten geliefert 
hat. Nach den Hauptfarben, unterscheidet man 
schwarzen, grünen, gelben und roten M. Schwar 
zer, durch Kohlenteilchen gefärbter M. (nero) 
findet sich bei Bergamo (Paragon, Lukul- 
lan), ferner im belgischen Kohlenkalk bei Lüt 
tich, und mit gelben Adern bei Karrara neben 
weißem. Grüner M. kommt im Genuesischen 
vor, hingegen ist der in Griechenland wieder auf 
gefundene verde antico eine Breccie von schwarz- 
grünem Serpentin mit weißem Kalkstein als 
Bindemittel. Einfarbig gelber M. wie der flo- 
rentinische Marmo giallo und der fast dotter 
gelbe numidische giallo antico ist selten. Roter 
M. (rosso) wird bei Verona, Lugezzana und Nar 
bonne gebrochen. Der rosso antico aus Ägypten 
und Griechenland zeigt in braunroter Grund : 
masse weiße Adern und schwarze Punkte. Dun 
kelblauen oder blaugräuen M. mit weißen 
Adern (Bardiglio) liefern einige Brüche bei 
Karrara. Graue Sorten, finden sich häufig in 
Schlesien und Schweden. Als Cipollino (Zwie 
belmarmor) bezeichnet man eine Abart des pente- 
lischen, die auf weißem Grunde grüne Ringe, 
gleich den Durchschnitten von Zwiebeln zeigt. 
— Breccienmarmor besteht aus verschieden 
großen, mehr oder minder eckigen Bruchstücken, 
die in eine Kalkmasse eingebettet und durch 
sie zu einem Ganzen verkittet sind. Zu ihnen ge 
hört der Florentiner oder Klosterneuburger Ru 
inenmarmor, der an Schliffflächen auf hellem
	        
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