Marmor
267
Marmor
lieh aus künstlich rot gefärbtem Stärkesirup
bestanden, und die nur durch einige hinein
gerührte Fruchtkerne ein marmeladenähnliches
Aussehen erhalten hatten. Mit der Einführung
einer geordneten Nahrungsmittelkontrolle sind
die gröbsten Übelstände inzwischen beseitigt
worden. Zusätze von Stärkesirup, Teerfarbstoffen
u. dgl. werden den Käufern auf Etiketten be
kannt gegeben, und eine weitere Besserung der
bestehenden Zustände kann von dem gemein
samen Zusammenwirken der reellen Fabrikanten
und der Nahrungsmittelchemiker erwartet wer
den. Nach den von ihnen getroffenen Verein
barungen lassen sich folgende allgemeine Grund
sätze für die Beurteilung aufstellen: Als ohne
jede Einschränkung, auch unter Deklaration un
zulässige Zusätze, gelten alle wertlosen Stoffe,
insbesondere durch Wasser ausgelaugte oder der
Destillation unterworfen gewesene Preßrück-
stände, z. B. gewaschene Himbeerkerne, Preß
rückstände von der Nachpresse, Rückstände von
der Pomrilfabrikation. Eine Ausnahme bilden
Preßrückstände von Saueräpfeln, die, wenn sie
mit nicht mehr als so °/o Wasser gekocht waren,
unter Deklaration benutzt werden dürfen. Sie
sind aber auch dann, ebenso wie andere Preß-
und Obstrückstände, nur für solche M. zulässig,
die nicht unter dem Namen einer bestimmten
Fruchtart in den Verkehr gelangen. Für die
letzteren, z. B. Himbeermarmelade, sind auch
alle Gelierungsmittel, wie Agar, Gelatine, unter
sagt. Alle hiernach nicht ohne weiteres aus
geschlossenen Stoffe außer frischer Frucht und
Zucker müssen gekennzeichnet werden, insbeson
dere Dörrobst, Preßrückstände, Agar, Gela
tine für M. ohne den Namen einer bestimmten
Fruchtart, sog. gemischte M. Die Deklaration
„mit Preßrückstän.cfen“ deckt aber nur Zusätze
bis zu 25 0/0, bei höheren. Mengen ist die Be
zeichnung „Kunstmarmelade“ zu wählen. Zu
satz von Stärkesirup ist zu kennzeichnen als „mit
-Stärkesirup“ bei Mengen unter 25 °/o; als „mit
mehr als 25 °/o Stärkesirup“ bei Mengen bis zu
So °/o. Wenn der Gehalt an Stärkesirup oder an
anderen fremden Stoffen 50% übersteigt, muß
die Ware als „Kunstmarmelade“ bezeichnet wer
den. Künstliche Färbung ist durch das Wort
„gefärbt“ zu deklarieren! Bezüglich weiterer
Einzelheiten, besonders auch der Deklaration, sei
auf das Handbuch der Nahrungsmitteluntersuchung
von Beythien, Hartwich und Klimmer ver
wiesen. Es ist anzunehmen, daß die im Kriege
eingeführten Notmarmeladen aus Rüben und
Kartoffeln mit dem Friedensschlüsse wieder ver
schwinden und den vortrefflichen Erzeugnissen
der deutschen Industrie Platz machen werden.
Ein Bedarf für ausländische Erzeugnisse liegt
nicht vor.
Marmor (frz. Marbre, engl. Marble) nennt
man alle kristallinischen Kalke, die sich durch
feines Gefüge, hohe Politurfähigkeit und schöne
Eärbung oder Zeichnung auszeichnen und in
folgedessen zu Bildhauerarbeiten geeignet sind.
Ihrer chemischen Zusammensetzung nach be
stehen sie alle aus mehr oder weniger reinem
Kalziumkarbonat, ihrer geologischen Entstehung
n ach gehören sie zum Teil den ältesten Massen-
Sesteinen wie Gneis und Glimmerschi, fer an
(Urkalk), während sie zum Teil aus kalkigen
Sedimenten hervorgegangen und durch späteren
Druck kristallinisch geworden sind. Nach dem
äußeren Ansehen unterscheidet man in der Regel
den eigentlichen Marmor, den Breccienmarmor
und den Muschelmarmor. — Der. eigentliche
M., der aus einer gleichmäßigen feinkörnigen
Masse besteht und rein weiß oder einfarbig er
scheint, liefert das Material für die Bildhauer
kunst (Statuen-M.) und wird daher besonders
geschätzt. Rein weißer Statuenmarmor findet
sich nur in Italien hei Massa, Karrara und Sera-
vezza, wo er in 800—900 Brüchen gewonnen
wird. Als beste Sorte, des sog. karrarischen
Marmors, gilt der Statuario di Falcovaja
(Saccharides). Von griechischen Fundorten
liefert die Insel Paros den berühmten gelblich
weißen, wachsartig glänzenden parischcn M.,
das Pentelikongebirge den rein weißen pente-
lischen M., die Insel Tinos geringere weiße,
schwarze und gestreifte Sorten, die nach der
Türkei ausgeführt werden. Sehr schöner weißer
M. kommt neuerdings aus Tirol (Laaser und
Sterzinger M.), hingegen sind die deutschen
Vorkommnisse des Erzgebirges, Fichtelgebirges,
Harzes , und Odenwalds’nicht zu Bildhauerarbei
ten verwendbar. Die farbigen Marmorsorten
finden sich an zahlreichen Orten, namentlich
Italiens, doch werden gerade hier manche Ge
steine zu unrecht als M. bezeichnet. Der Bei
name antico besagt, daß eine Gesteinsart un
bekannter Herkunft, vielfach aus schon im
Altertum erschöpften Brüchen, vorliegt, die jetzt
nur noch aus altrömischen Ruinen entnommen
werden kann. Bisweilen ist es allerdings ge
lungen, einzelne natürliche Lagerstätten solcher
anticos wieder aufzufinden, so namentlich die
Maina in Griechenland, die bereits den Künst
lern .des Altertums die prachtvoll grünen und
roten, schwarz geaderten M.-Arten geliefert
hat. Nach den Hauptfarben, unterscheidet man
schwarzen, grünen, gelben und roten M. Schwar
zer, durch Kohlenteilchen gefärbter M. (nero)
findet sich bei Bergamo (Paragon, Lukul-
lan), ferner im belgischen Kohlenkalk bei Lüt
tich, und mit gelben Adern bei Karrara neben
weißem. Grüner M. kommt im Genuesischen
vor, hingegen ist der in Griechenland wieder auf
gefundene verde antico eine Breccie von schwarz-
grünem Serpentin mit weißem Kalkstein als
Bindemittel. Einfarbig gelber M. wie der flo-
rentinische Marmo giallo und der fast dotter
gelbe numidische giallo antico ist selten. Roter
M. (rosso) wird bei Verona, Lugezzana und Nar
bonne gebrochen. Der rosso antico aus Ägypten
und Griechenland zeigt in braunroter Grund :
masse weiße Adern und schwarze Punkte. Dun
kelblauen oder blaugräuen M. mit weißen
Adern (Bardiglio) liefern einige Brüche bei
Karrara. Graue Sorten, finden sich häufig in
Schlesien und Schweden. Als Cipollino (Zwie
belmarmor) bezeichnet man eine Abart des pente-
lischen, die auf weißem Grunde grüne Ringe,
gleich den Durchschnitten von Zwiebeln zeigt.
— Breccienmarmor besteht aus verschieden
großen, mehr oder minder eckigen Bruchstücken,
die in eine Kalkmasse eingebettet und durch
sie zu einem Ganzen verkittet sind. Zu ihnen ge
hört der Florentiner oder Klosterneuburger Ru
inenmarmor, der an Schliffflächen auf hellem