Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Milch

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Milch

bilden  hier  eine  zusammenhängende  Schicht,
den  Rahm  oder  die  Sahne.  Beim  Kochen  gerinnt ­
  die  Milch  nicht,  sondern  scheidet  lediglich ­
  an  ihrer  Oberfläche  ein  hauptsächlich  aus
Kasein  bestehendes  Häutchen  ab.  Sie  gerinnt
hingegen  beim  Sauerwerden  und  nach  Zusatz
von  Lab.  In  chemischer  ,  Hinsicht  ist  die  M.
ein  außerordentlich  kompliziertes  Gemisch  der
verschiedensten  Stoffe,  von  denen  neben  Wasser,
geringen  Mengen  gelöster  Gase,  wie  Kohlensäure, ­
  Stickstoff  und  Sauerstoff,  ferner  Zitronensäure, ­
  Lezithin,  Cholesterin,  Harnstoff  und  Kreatin, ­
  besonders  Fett,  Eiweißstoffe  (Kasein  und
Albumin),  Milchzucker  und  Salze  (Phosphate)
anzuführen  sind.  Der  mittlere  Gehalt  für  die
Tagesmilch  größerer  Kuhherden  in  Deutschland
beträgt  nach  Fleischmann:  87,750/0  Wasser,
3,400/0  Fett,  3,50%  Protein,  4,600/0  Milchzucker
und  0,7s  °/o  Mineralstoffe.  Jedoch  unterliegt  die
Zusammensetzung  beträchtlichen  Schwankungen,
welche  durch  die  Rasse  und  die  Fütterung  der
Tiere,  durch  die  Laktationsperiode.  Alter,  Geschlechtsleben ­
  und  allgemeine  Haltung,  Zeit  und
Art  des  Melkens  und  zahlreiche  andere  Umstände ­
  bedingt  werden.  Im  allgemeinen  läßt  sich
sagen,  daß  die  Höhenschläge  eine  gehaltreichere,
besonders  fettreichere  M.  liefern  als  die  Niederungsrassen, ­
  daß  Fütterung  mit  wasserreichen
Futtermitteln  (Schlempe,  Rübenschnitzel)  die
Menge  auf  Kosten  des  Nährstoffgehaltes  erhöht, ­
  daß  Störungen  des  Allgemeinbefindens  und
mangelhafte  Viehhaltung  die  Beschaffenheit  ungünstig ­
  beeinflußt,  und  daß  der  Fettgehalt  um
so  geringer  wird,  je  längere  Zeit  seit  dem  letzten
Melken  verstrichen  ist.  Unter  normalen  Verhältnissen ­
  wird  man  für  die  Milch  einzelner  Kühe
folgende  Schwankungen  anmehmen  können:  Wasser ­
  86,0—89,50/0,  Fett  2,5—4,5  0/0,  Trockensubstanz ­
  10,3—14,5  0/0,  fettfreie  Trockensubstanz  7,8
bis  10,5  %.  Die  M.  ist  eines  der  wichtigsten
Nahrungsmittel,  welches  in  steigenden  Mengen
in  den  Handel  gelangt.  Der  Jahresverbrauch  der
Stadt  Dresden  z.  B.  beträgt  gegen  60  Millionen
Liter,  derjenige  des  Deutschen  Reiches  6—7  Milliarden ­
  Liter,  und  zahllose  Gewerbetreibende
sind  nicht  nur  mit  ihrer  Gewinnung,  sondern
auch  ihrem  Vertriebe  beschäftigt.  Ihre  Hauptbedeutung ­
  liegt  darin,  daß  sie  mit  der  leider  abnehmenden ­
  Fähigkeit  oder  Neigung  der  Frauen,
ihre  Kinder  selbst  zu  stillen,  mehr  und  mehr
zu  der  ausschließlichen  Nahrung  der  Säuglinge
wird,  welche  gegen  ungünstige  Einflüsse  natürlich ­
  besonders  empfindlich  sind.  Es  liegt  daher
auf  der  Hand,  daß  die  für  die  Gesundheit  der
Bevölkerung  verantwortlichen  Behörden  diesem
Gegenstände  ihre  Aufmerksamkeit  gewidmet  und
besondere  Vorschriften  über  den  Verkehr  mit
Milch  aufgestellt  haben.  In  erster  Linie  ist  natürlich ­
  die  völlige  Fernhaltung  der  M.  kranker
Biere,  insbesondere  solcher  Tiere,  welche  an
Tuberkulose,  Maul-  und  Klauenseuche,  Euterentzündungen, ­
  Darmerkrankungen  leiden,  zu  fordern, ­
  Nicht  minder  selbstverständlich  erscheint
es,  daß  M.  aus  Ortschaften,  in  denen  Typhus-,
Cholera-,  Diphtherie-  und  andere  Epidemien
herrschen,  ausgeschlossen  wird,  und  daß  Personen ­
  mit  ekelerregenden  oder  ansteckenden
Krankheiten  sich  auch  mit  dem  Vertriebe  von
M.  nicht  befassen  dürfen.  Die  wichtigste  Maßnahme ­

  zur  Beseitigung  gesundheitlich,  bedenklicher ­
  Milch  besteht  in  einer  Erhöhung  der
Reinlichkeit  der  Milchgewinnung,  der  Fernhaltung ­
  von  Schmutz,  besonders  Kuhkot,  welcher
nicht  nur  Träger  pathogener  Keime  ist,  sondern
auch  das  Verderben  der  Milch  durch  Säuerung
beschleunigt.  Trotz  aller  hierauf  gerichteten
Bestrebungen  der  Hygieniker  läßt  die  Gewinnung ­
  zurzeit  noch  viel  zu  wünschen  übrig,
und  es  ist  daher  notwendig,  unter  den  jetzigen
Verhältnissen  nicht  zu  umgehen,  durch  eine
nachträgliche  Behandlung  schädliche  Einflüsse
zu  beseitigen.  Völlig  zu  verwerfen  ist  allerdings
der  Zusatz  von  Konservierungsmitteln  wie
Borsäure,  Salizylsäure,  Formaldehyd,  Wasserstoffsuperoxyd, ­
  erwünscht  hingegen  starke  Abkühlung ­
  zur  Hemmung  des  Bakterienwachstums
oder  Erhitzung  zur  Abtötung  schädlicher  Keime.
Die  so  erhaltene  pasteurisierte  M.  bildet  zwar
nur  einen  Notbehelf,  aber  einen  zurzeit  unentbehrlichen ­
  Notbehelf  für  frische  M.  Homogenisierte ­
  M.  ist  Milch,  die  unter  hohem  Druck
durch  feine  Achatdüsen  hindurchgepreßt  wurde,
und  infolge  Zertrümmerung  der  Fettröpfchen
nicht  mehr  aufrahmt.  Als  Kur-,  Kinder-  oder
Säuglingsmilch  dürfen  in  den  meisten  Städten
nur  Erzeugnisse  verkauft  werden,  die  von  tierärztlich ­
  untersuchten,  gesunden  und  mit  einwandfreiem ­
  Futter  ernährten  Kühen  stammen.
Der  allgemeinen  Einführung  dieser  Erzeugnisse
steht  leider  ihr  hoher  Preis  entgegen.  Von  den
Verfälschungen  der  M.  spielt  der  Wasserzusatz ­
  die  wichtigste  Rolle.  Er  ist  im  Hinblick
auf  die  häufige  Verseuchung  der  ländlichen
Brunnen  gesundheitlich  höchst  bedenklich  und
selbstredend  nach  den  Bestimmungen  des  Nahrungsmittelgesetzes ­
  verboten.  Starke  Wässerung
offenbart  sich  dem  Kenner  durch  die  bläuliche
Farbe  des  Gemisches,  geringerer  Zusatz  durch
die  Erniedrigung  des  spez.  Gew.  Das  letztere
beträgt  bei  normaler  Milch  im  allgemeinen  nicht
unter  1,029  und  kann  auch  von  Händlern  und
Konsumenten  mit  Hilfe  eines  Aräometers,  der
sog.  Milchwage,  leicht  bestimmt  werden.
Schwieriger  gelingt  bei  den  Schwankungen  des
Fettgehaltes  der  Nachweis  einer  Abrahmung.
Auch  haben  die  Produzenten  es  durchaus  in  der
Hand,  durch  Einstellung  besonderer  Viehrassen
und  Verabreichung  billigen,  wasserreicheren  Futters ­
  große  Mengen  gehaltarmer  Milch  zu  erzeugen, ­
  und  es  ist  daher  zum  Schutze  der  Bevölkerung ­
  gegen  Übervorteilung  unbedingt  notwendig, ­
  daß  von  der  zum  Verkehr  kommenden
Milch  ein  gewisser  Mindestjettgehalt  gefordert
wird.  Die  Grenze  ist  von  den  einzelnen  Behörden ­
  nach  örtlichen  Verhältnissen  verschieden
auf  2,7—3,00/0  festgesetzt  worden.  Die  Überwachung ­
  des  Milchhandels  bildet  einen  wesentlichen ­
  Teil  der  allgemeinen  Nahrungsmittelkontrolle, ­
  welche  durch  fortwährende  Untersuchung
zahlreicher  Milchproben  dem  Uberhandnehmen
der  Verfälschungen  zu  begegnen  sucht.  Neben
der  unveränderten  M.,  der  sog.  Vollmilch,  bildet ­
  die  durch  Abschöpfen  oder  Zentrifugieren
ihres  Fettes  ganz  oder  teilweise  beraubte  Magermilch ­
  eine  wichtige  Handelsware.  Sie  enthält, ­
  abgesehen  vom  Fett,  noch  die  sämtlichen
Nährstoffe  der  M.  und  ist  wegen  ihres  niedrigen
Preises  zu  einem  Volksnahrungsmittel  wie  ge ­
            
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