Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Milchsäure

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Milchzucker

schaffen.  Dasselbe  gilt  von  der  beim  Butterungsprozeß ­
  abfallenden  Buttermilch,  während
die  nach  dem  Ausfällen  des  Kaseins  hinterbleibendc
  klare  Flüssigkeit,  die  Molken,  nur
als  diätetisches  Mittel  in  Frage  kommt.  Auch
die  Sahne  oder  der  Rahm,  das  Ausgangsmaterial ­
  der  Butterbereitung,  wird  für  sich  in  den
Handel  gebracht.  Sie  stellt  nahezu  reines  Butterfett ­
  im  Gemenge  mit  etwas  M.  dar  und  wird
nach  ihrem  Fettgehalte  bewertet.  Als  ein  VerfälSchungsmittel
  für  .  Sahne  und  die  besonders
fettreiche  Schlagsahne  ist  der  Zuckerkalk
anzusehen,  welcher  den  sauren  Geschmack  verdorbener ­
  Sahne  verdeckt  und  einen  höheren
Fettgehalt  vortäuscht.  Um  den  Versand  der
leicht  zersetzlichen  Milch  auf  größere  Entfernungen, ­
  in  milcharme  Gegenden,  besonders  in
den  Tropen,  zu  ermöglichen,  führt  man  sie  in
eine  haltbare  Form,  die  Milchkonserven  über.
Kondensierte  M.  ist  unter  Zusatz  von  Rohrzucker, ­
  oder  für  sich  allein,  bis  zur  dicklichen
Beschaffenheit  eingedampfte  Milch.  Trockenmilch ­
  oder  Milchpulver  erhält  man,  indem
man  die  M.  im  Vakuum  auf  rotierenden  Walzen
in  dünner  Schicht  eintrocknet  und  die  entstehende ­
  Kruste  abschabt,  oder  neuerdings,  indem ­
  man  die  Milch  in  Form  eines  Sprühnebels
in  einen  erhitzten  Raum  einbläst.  Die  Trockenmilch ­
  liefert,  mit  warmem  Wasser  angerührt,
eine  milchähnliche  Emulsion.  Der  Handel  mit
M.  wird  meist  von  Kleingewerbetreibenden  ausgeübt, ­
  die  aber  in  neuerer  Zeit  erfreulicherweise
vielfach  zur  Gründung  von  Genossenschaftsmolkereien ­
  übergehen.
Milchsäure  (Oxypropionsäure,  lat'.  Acidum
lacticum,  frz.  Acide  lactique,  engl.  Lactic  acid),
C 2 H 4 (OH)  .COOH,  eine  starke  organische  Säure,
tritt  in  vier  Modifikationen  auf,  nämlich  als
Gärungs-M.,  Para-  oder  Fleisch-M.,  Links-M.
  und  als  Äthylen-M.  oder  Hydrakrylsäure.
  Nur  die  drei  ersteren,  welche  als  Äthyliden-M-
  zusammengefaßt  werden,  kommen  in
der  Natur  vor,  während  die  letztere  stets  künstlich ­
  dargestellt  wird.  Die  drei  Äthyliden-M.  sind
isomer,  d.  h.  sie  haben  dieselbe  prozentische  Zusammensetzung ­
  und  chemische  Konstitution  und
unterscheiden  sich  lediglich  durch  ihre  physikalischen ­
  Eigenschaften.  Die  Para-  oder  Fleisch-M.
  findet  sich  in  den  Organen  und  Säften  des
tierischen  Körpers,  den  Muskeln,  dem  Magensafte, ­
  dem  Blute,  und  kann  aus  dem  Fleischextrakte
  dargestellt  werden.  Sie  dreht  die  Ebene
des  polarisierten  Lichtes  nach  rechts  und  wird
daher  auch  Rechts-M.  genannt.  Die  Links-M.
  entsteht  bei  einigen  Gärungsarten  sowie
bei  der  Zerlegung  der  gleich  zu  besprechenden
Gärungs-M.  und  ist  linksdrehend.  Praktische
Bedeutung  besitzt  nur  die  sog.  gewöhnliche
oder  Gärungs-M.,  die  in  der  Natur  bei  zahlreichen ­
  Fäulnis-  und  GärungsVorgängen  durch
die  Einwirkung  der  verschiedensten  Mikroorganismen ­
  auf  Kohlenhydrate  gebildet  wird.  Am
reichlichsten  entsteht  sie  bei  der  durch  das
Milchsäureferment,  Bacillus  aqidi  lactici,  hervorgerufenen ­
  Milchsäuregärung  und  bildet  daher
einen  regelmäßigen  Bestandteil  der  sauren  Milch,
des  Sauerkrauts  und  der  sauren  Gurken,  deren
angenehmen  Geschmack  sie  bedingt.  Auch  findet
  sie  sich  im  Wein,  sauer  gewordenem  Kleister

und  der  Lohbrühe.  Zu  ihrer  fabrikmäßigen  Darstellung ­
  invertiert  man  eine  Rohrzuckerlösung
mit  Hilfe  von  Weinsäure  und  setzt  dann  eine
Anschwemmung  von  altem  Käse  in  saurer  Milch
sowie  etwas  Zinkoxyd  hinzu.  Die  anfangs  dünnflüssige ­
  Masse  verwandelt  sich  unter  dem  Einflüsse ­
  der  Bakterien  in  einen  dicken  Kristallbrei
von  milchsaurem  Zink,  welcher  durch  Umkristallisieren ­
  gereinigt  und  durch  Einleiten  von  Schwefelwasserstoff ­
  in  Schwefelzink  und  freie  M.  zerlegt ­
  wird.  Zur  Entfernung  gleichzeitig  gebildeten
Mannits  löst  man  sie  in  Äther,  destilliert  den
letzteren  ab  und  dampft  die  M.  bis  zu  einem
spez.  Gew.  von  1,240  ein.  Völlig  wasserfrei  wird
sie  nur  durch  Destillation  im  Vakuum.  —  Die
reine,  wasserfreie  M.  bildet  farblose  Kristalle,
welche  bei  18 0  schmelzen  und  begierig  Feuchtigkeit ­
  anziehen.  In  den  Handel  kommt  meist  die
sog.  offizinelle  M.  mit  75%  Säure  und  25%
Wasser,  ein  färb-  und  geruchloser,  stark  saurer
Sirup,  der  aus  der  Luft  Wasser  anzieht  und  sich
mit  Wasser  und  Alkohol  in  jedem  Verhältnis
mischt.  Sie  ist  auch  löslich  in  Äther,  hingegen
unlöslich  in  Benzin,  Chloroform  und  Schwefelkohlenstoff. ­
  Der  Sirup  hat  das  spez.  Gew.
i,220  und  ist  optisch  inaktiv.  Die  M.  wird
in  der  Medizin  als  Ätzmittel  und  zu  Inhalationen ­
  gegen  Nasen-  und,  Rachenleiden  benutzt. ­
  Auch  dient  sie  zürn  Auflösen  diphtheri
tischer  Membranen  und  zur  Entfernung  von
Zahnstein,  Warzen  und  Hühneraugen  sowie  zur
Darstellung  der  milchsauren  Salze.  In  der  Form
von  saurer  Milch,  Sauerkraut  und  sauren  Gurken ­
  ist  sie  von  ausgezeichneter  diätetischer  Wirkung, ­
  und  neuerdings  wird  sie  auch  zur  Herstellung ­
  alkoholfreier  Getränke  (Tempril)  herangezogen. ­
  Besonders  im  Kriege  hat  sie  als  Ersatz
der  Wein-  und  Zitronensäure  für  Limonaden
wertvolle  Dienste  geleistet.
Milchsäure  Salze  (Laktate)  werden  durch
Auflösen  der  entsprechenden  Basen  oder  ihrer
Karbonate  in  Milchsäure  und  nachfolgende  Kri
stallisation  dargestellt.  Sie  finden  zum  Teil,  wie
das  milchsaure  Magnesium,  milchsaure  Eisen,
milchsaure  Natron,  Zink  und  Morphin  medizi
nische  Anwendung.  Nähere  Angaben  finden  sich
unter  den  betreffenden  Basen  angeführt.
Milchzucker  (Laktose,  lat.  Saccharum  lac
tis,  frz.  Sucre  de  lait,  engl.  Sugar  of  milk),  ist
eine  eigentümliche,  vom  Rohrzucker  verschie
dene  Zuckerart,  die  sich  in  Menge  von  3—6°/o
in  der  Milch  aller  Säugetiere  vorfindet  und  nach
der  Gerinnung  der  letzteren  durch  Lab  in  den
Molken  verbleibt.  Zu  ihrer  Gewinnung  werden
die  Molken  durch  Aufkochen  und  Filtrieren 1  gereinigt, ­
  und  die  Filtrate  im  Vakuum  eingedampft,
worauf  der  M.  auskristallisiert.  Durch  mehr
faches  Umkristallisieren,  zweckmäßig  unter  Zusatz ­
  von  schwefelsaurer  Tonerde  oder  Kreide,
erhält  man  ihn  in  reinem  Zustande.  Er  bildet
dann  entweder  große  rhombische,  hemiedrische
Prismen,  die  auf  Fäden  oder  Stäbchen  auskristal
lisiert  sind,  oder  ein  feines  Pulver,  das  wegen
der  Härte  der  Kriställchen  zwischen  den  Zähnen
knirscht.  Da  M.  ziemlich  schwer  löslich  ist  und
6  Teile  kaltes  oder  2Vs  Teile  heißes  Wasser  zur
Lösung,  erfordert,  ist  der  Geschmack  nur  schwach
süß.  In  Äther,  Alkohol  und  Chloroform  ist  er
unlöslich.  Die  spez.  Drehung  beträgt  bei  20 0
            
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