Natriumazetat
294
N atriumhy droxyd
Bunsenbrenners eine gelbe Farbe und erzeugen
im Spektrum bei der Linie D eine gelbe Bande.
N. wurde früher in großer Menge zur Dar
stellung des metallischen Magnesiums und Alu
miniums benutzt, jedoch hat der Verbrauch für
diesen Zweck in letzter Zeit sehr nachgelassen,
seitdem das Aluminium meist auf dem Wege
der Elektrolyse gewonnen wird. Um so größere
Bedeutung hat es hingegen für die chemische
Analyse und wird daher von den Laboratorien
viel verbraucht. In Verbindung mit Quecksilber
als Natriumamalgam dient es zur Extrak
tion des Goldes aus dem pulverisierten Gestein
sowie zum Vergolden und Versilbern von Me
tallen.
Natriumazetat (essigsaures Natron oder
Natrium, lat. Natrium aceticum, frz. Acetate
de soude, engl. Sodium acetate) wird wie das
entsprechende Kalziumsalz aus rohem Holzessig
durch Neutralisieren mit kohlensaurem Natron
oder durch Umsetzung des essigsauren Kal
ziums mit Natriumsulfat, Eindampfen der Lö
sung zur Trockne und schwaches Glühen des
Rückstandes dargestellt. Es bildet große Stücke
von blättrig-kristallinischem Bruch, die infolge
eines geringen Kohlenstoffgehaltes grau er
scheinen und zu denselben Zwecken wie das
Kalziumazetat benutzt werden. Durch Um
kristallisieren dieses rohen Salzes erhält man
ein halb gereinigtes weißes, Rot salz genannt,
weil es in der Rotfärberei Anwendung findet.
Chemisch reines N., CH 3 . C00Na-(-3H 2 0,
entsteht bei Verwendung reiner Essigsäure in
Form kleiner nadelförmiger Kristalle, die sich
leicht in Wasser lösen und als analytisches
Reagens sowie als Mittel gegen Magen- und
Darmleiden und als Bestandteil der Tonbäder
in der Photographie verwandt werden. Eine
besonders interessante Verwendung des rohen
kristallisierten N. beruht noch auf der Eigen
schaft des in seinem Kristallwasser geschmol
zenen Salzes, viermal soviel Wärme aufzu
speichern und allmählich wieder abzugeben, wie
ein gleiches Volum Wasser. Man hat vorge
schlagen, diese Eigenschaft zur Heizung von
Straßenbahnwagen zu verwerten.
Natriumbikarbonat (doppeltkohlensaures
Natron, lat. Natrium bicarbonicum, frz. Bi-
carbonate de soude, engl. Sodii bicarbonas),
NaHCOj, findet sich gelöst in dem Wasser
zahlreicher alkalischer Säuerlinge und entsteht
in ungeheuren Mengen als Zwischenprodukt
beim Solvayschen Ammoniaksodaprozeß. Die
ses Natrium bicarbonicum venale seu
technipum kann aber wegen seines Gehalts
an Ammonium- und Natriumkarbonat nur
für technische Zwecke benutzt werden. Die
Darstellung des reinen N. erfolgt in der Weise,
daß man Soda in konzentrierter wäßriger Lö
sung mit Kohlensäure sättigt, worauf das
schwerer lösliche Bikarbonat auskristallisiert.
Oder man behandelt Soda mit Kohlensäure und
Wasserdampf bei So», wäscht das Salz nach
der Entferr^tmg der Mutterlauge und trocknet
es bei gelinder Wärme im Kohlensäurestrom.
Das N. erscheint im Handel in Form kleiner
farbloser Kristalle oder weißer kristallinischer
Krusten vom spez. Gew. 2,220. Es besitzt einen
sehr schwach alkalischen Geschmack und löst
sich in 12—13 Teilen kaltem Wasser, aber nicht
in Alkohol. Das Salz enthält 52,40/0 Kohlen
säure, die aber schon bei gewöhnlicher Tempe
ratur teilweise entweicht. Beim Erhitzen auf
350—400 0 C hinterbleibt Natriummonokarbonat
(Soda). Zur Vermeidung von Zersetzungen
muß es daher vor feuchter Luft geschützt und
kühl aufbewahrt werden. Das reine N. dient
in der Pharmazie zur Herstellung von Magen- ]
pulvern gegen Säure sowie von Mund- und
Gurgelwässern, zu Inhalatiorien bei Erkrankun
gen der Atmungsorgane, gegen Harnsäure,
Gicht und Rheumatismus, als Bestandteil des
Brausepulvers, zur Herstellung von Backpulver
usw. Das technische Salz findet Anwendung
zum Entschälen der Seide und zum Waschen
der Wolle.
Natriumchlorat (chlorsaures Natrium, lat.
Natrium chloricum, frz. Chlorate de soude, engl.
Sodium chlorate), NaC10 s , wird durch Behand
lung von Kaliumchlorat mit saurem weinsauren
Natron oder neuerdings durch Elektrolyse her
gestellt als eine dem Kaliumchlorat ganz ana- 1
löge und wie dieses verwertbare Verbindung
Natriumchlorid (Chlornatrium, frz. Natrium
chloratum, Natrium muriaticum, frz. Chlorure |
de sodium purifiö, engl, Chloride of sodium),
das chemisch reine Kochsalz (s. d.), kristallisiert
in Würfeln und findet in der analytischen Che- I
mie beschränkte Anwendung.
Natriumchromat und Natriumdichromat,
Na 2 Cr0 4 und Na 2 Cr 2 0 7 , verhalten sich den ent
sprechenden Kaliumverbindungen ganz analog j
und finden in der Technik als billigerer Ersatz ,i
des Kaliumchromates (s. ü.) Anwendung.
Natriumhydroxyd (Natronhydrat, Ätz
natron, lat. Natrium hydricum, Natrium cau-
sticum, frz. Soude caustique, engl. Sodium
hydroxide), NaOH, ist, seinem Aussehen und •
chemischen Verhalten nach, dem Kaliumhydro- j
xyd ganz analog und wird nach demselben
Verfahren wie dieses dargestellt, indem man
statt von der Pottasche, von der Soda und den
anderen entsprechenden Natrium Verbindungen j
ausgeht. In reinster Form entsteht es bei der
Einwirkung von metallischem Natrium auf
Wasser oder beim Kochen von Sodalösung mit
Ätzkalk. Für den Großbetrieb bedient man sich
des Leblanc-Sodaprozesses, nach welchem
Natriumsulfat und Kalkstein mit Kohle geglüht
wird. Zum Unterschiede von der Sodafabrika
tion verwendet man hier aber einen größeren
Überschuß an Kohle und laugt mit mehr und
wärmerem Wasser von 50 0 aus. Das entstan
dene N. wird von der Soda und den anderen
Beimengungen durch fraktioniertes Eindampfen
befreit und durch Glühen mit etwas Salpeter
entfärbt. Oder man läßt Eisenoxyd bei hoher
Temperatur auf Soda einwirken, wobei die
Kohlensäure ausgetrieben wird. Hierbei ent
stehen keinerlei Nebenprodukte, und das durch
Auslaugen vom N. befreite Eisenoxyd kan»
ebenso wie die entweichende Kohlensäure so
fort wieder benutzt werden. Von den neueren
Verfahren scheint die Elektrolyse des Koch
salzes die größte Bedeutung zu haben. Das N-
ist eine weiße, in der Hitze schmelzbare
Masse, die aus der Luft begierig Wasser und
Kohlensäure anzieht und sich in Wasser unter