Nelkenzimt
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Neunaugen
rötlichem Mark. Die frische Wurzel riecht
schwach nach Gewürznelken, verliert den Ge
ruch indes beim Trocknen und schmeckt bitter
und zusammenziehend. Als wichtigste Bestand
teile sind Gerbstoff, ätherisches Öl und Stärke
nachgewiesen worden. Verwendung findet die
N. bei Durchfällen und äußerlich als blutstillen
des Mittel.
Nelkenzimt (lat. Cortex cassiae caryophyl-
latae, frz. Canelle, engl. Kaneel) nennt man die
Stammrinde von Dicypellium caryophylla-
tum, einem in Brasilien und Westindien wach
senden, zur Familie der Laurineen gehörigen
Baume. Die Ware bildet zusammengerollte
Röhren, die der Hauptsache nach aus der glatten
rotbraunen Bastschicht bestehen und nur teil
weise noch mit Außenrinde bedeckt sind. Der
Geruch und Geschmack erinnert zugleich an
Zimt und an Nelken. Man verwendet die
Rinde bei der Bereitung aromatischer Liköre.
Früher wurde sie auch als Heilmittel gebraucht.
Ihr Pulver dient außerdem zur Verfälschung
der Gewürznelken.
Nerolin ist der Handelsname für /J-Naphthol-
methyläther, C 10 H 7 .O.CH 3 , und ß-Naphthol-
äthyläther, C 10 H 7 OC 2 H 6 , die beide durch mehr
stündiges Erhitzen von /J-Naphthol mit dem be
treffenden Alkohol und konz. Schwefelsäure ge
wonnen werden und dem Orangenblütenöl ähn
lich riechen.
Nessel. Die Fasern verschiedener Nesselarten
werden zur Herstellung von Spinnfasern in
feinen Geweben (Nesseltuch) benutzt, so beson
ders von Boehmeria (s. Chinagras, Ramie) in
China, von Urtica nivea und japonica in
Japan, von U. postulata in Nordamerika,
Mexiko, Kuba, Brasilien und Australien. Auch
Frankreich hat den Anbau von U. nivea in
Südfrankreich und Algier gefördert. In Deutsch
land war die Verwendung der früher viel be
nutzten Faser vonU. dioica, der gewöhnlichen
großen Brennessel, infolge der Einfuhr von
Baumwolle in den Hintergrund getreten, bis die
Abschneidung der überseeischen Zufuhr im
Kriege sie der Vergessenheit entriß. Nachdem
0- Richter ein brauchbares Verfahren zur Ab
scheidung der Faser durch Aufschließung mit
Alkali und nachfolgende Behandlung mit Wal-
ze n und Waschen erfunden hatte, setzte eine
lebhafte Sammeltätigkeit und auch planmäßiger
Anbau ein, der für mehrere Fabriken, u. a, in
Zschopau, ausreichendes Material lieferte. Die
gewonnene Faser, die in Menge von to kg
aus ioo kg frischer Nesselstengel gewonnen
wird, zeigt eine spezifische Festigkeit von 51,5
(Baumwolle 37,6) und einen wollartigen Cha
rakter, der sie als Zusatz zu Wolle für Triko-
ta gen, Möbelplüsch und Garne („Solidonia“)
geeignet erscheinen läßt. Zu einer völligen Ver
drängung der Baumwolle wird ihre Menge aller
dings nicht ausreichen, da der höchstmögliche
Anbau auf 1—1,2 Millionen Dz. geschätzt wird.
Nesselblüten (Taubnekselblüten, lat. Flores
laniii albi, s. urticae mortuae, frz. Fleurs ortie
rn°rte, engl. Nettle flowers) nennt man die
BJunienkronen der zu den Labiaten gehörigen
Taubnessel Lamium album. Die Blüten
werden ohne den Kelch gesammelt und finden
as blutreinigendes Mittel Verwendung,
Neublau (Waschblau). Das eigentliche N.
zum Blauen der Wäsche besteht aus Stärke,
die mit Indigkarmin gefärbt und in kleine
Täfelchen geformt ist. An seiner Stelle wird
fast nur noch künstlicher Ultramarin ange
wandt, der mit heißem Wasser angerührt und
dem Blauwasser zugesetzt wird. Er ist hierzu
auch ganz geeignet, während Berlinerblau, das
ebenfalls bisweilen mit Stärke oder Kreide ge
mischt als N. verkauft wird, ein starkes Ver
gilben der Zeuge bewirkt. Berlinerblau ist
leicht daran erkennbar, daß es beim Kochen mit
Sodalösung seine Farbe verliert und braun wird.
Den Namen Neublau führt auch ein Teer
farbstoff, der mit Echtblau (s. d.) iden
tisch ist.
Neugelb nennt man verschiedene gelbe Teer
farbstoffe, nämlich das Säuregelb D und
das gewöhnliche Säuregelb (Neugelb L),
ferner auch das Zitronin und Kurkumein
(s. d.) und das Flavaurin (s. d.).
Neukokzin. Diesen Namen führen zwei Azo
farbstoffe. Der eine, auch Koschenille
rot A und Brillantponceau (nicht zu ver
wechseln mit einem anderen ebenso genannten
Farbstoff, s. Brillantponceau) genannte, besteht
aus dem Natronsalze der Naphthionsäureazo-
betanaphtholdisulfosäure und erscheint im Han
del als scharlachrotes, in Wasser leicht lös
liches Pulver. Der andere, auch Neukokzin R,
Kristallponceau 6 R genannt, besteht aus
dem Natronsalze der Alphanaphthylaminazo-
betanaphtholdisulfosäure und bildet schöne
braunrote Kristalle mit Goldglanz, die sich in
Wasser mit ponceauroter Farbe lösen. Beide
Farbstoffe färben Wolle im sauren Bade rot.
Neunaugen (Bricken, Pricken, Felsen
sauger, frz. Lamproies, engl. Lambreys), die
bekannten Vertreter der Rundmäuler, aal
artiger Tiere, die bisweilen zu den Fischen ge
rechnet, bisweilen aber auch von ihnen getrennt
werden und durch den Saugmund charakteri
siert sind, haben ihren sonderbaren Namen da
her, daß man die sieben Kiemenlöcher, die auf
jeder Seite liegen, für Augen ansah und sich
noch dazu um zwei verzählte. Von den zwei
Arten: Flußbricke (Petromyzon fluviati-
lis) und große Seebricke oder Lamprete
(Petromyzon marinus), kann die erstere, die
gewöhnlich kaum fingerdick und höchstens
3 dm lang ist, bei gehöriger Schonung an 9 dm
lang werden. Die oben olivengrünen, am Bauche
silberweißen Fische haben ein sehr zähes Leben
und lassen sich daher auch, mit Schnee ver
packt, lebendig weit versenden. Sie leben be
sonders in den Flüssen Norddeutschlands, der
baltischen Ostseeprovinzen und Englands, hal
ten sich im Sommer in der Tiefe auf, steigen
aber im Winter in die Höhe und werden dann
in der Weise gefangen, daß man Löcher in
das Eis haut und Birkenreisig hineinsteckt, an
das sie sich oft in Menge ansaugen. Die Tiere
werden ausgenommen, schwach geröstet oder
gebraten, mit Essig, Gewürzen und Lorbeer
blättern eingelegt und in den bekannten Fäß-
chen von den preußischen Ostseestädten so
wie von Bremen und Lüneburg in den Handel
gebracht. — Die Lamprete (P. marinus), die
in fast allen europäischen Meeren lebt, über