Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Obsidian 
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Obst 
hüllung iibelschmeckender Arzneimittel dienen. 
— Die in neuerer Zeit aufgekommenen durch 
sichtigen farbigen O. bestehen aus Blättern 
von gefärbter Gelatine, die auf blanke Metall 
tafeln flüssig ausgegossen und eingetrocknet ist. 
Obsidian (Lavaglas, isländischer Achat) 
ist ein Mineral vulkanischen Ursprungs, eine 
glasartige Lava oder vielmehr natürliches 
vulkanisches Glas, das durch Eisenoxyd 
oxydulsilikat schwarz gefärbt erscheint und in 
seinem gewöhnlichen Vorkommen ganz das 
Aussehen von Flaschenglas besitzt. O. ist braun 
gelb, rauchbraun, grau, dunkelgrün oder ganz 
schwarz gefärbt, glasglänzend, in verschiedenen 
Graden durchsichtig oder durchscheinend, und 
zeigt muscheligen Bruch. Die Härte beträgt 
5—sVa 0 . Das Mineral läßt sich wegen seiner 
Sprödigkeit nur schwierig bearbeiten, nimmt 
aber schöne Politur an und wird in seinen ganz 
schwarzen Sorten zu Trauerschmuck, Dosen, 
Knöpfen, Messerheften, Spiegeln für Polarisa 
tionsinstrumente usw. verarbeitet. Eine Abart, 
der schillernde O., wirft einen grüngelben 
Lichtschein und wird zuweilen, in Kappenform 
geschliffen, als Ringstein verwandt. 
Obst (frz. Fruits, Fruitage, engl. Fruits). 
Unter diesem Namen faßt man eine große Zahl 
von Früchten und Scheinfrüchten zusammen, 
die wegen ihres saftigen Fleisches und ihres 
Gehalts an Zucker, organischen Säuren und 
Aromastoffen sowohl roh als auch in verschie 
denen Zubereitungsformen genossen werden. 
Das O. wird, abgesehen von gewissen im 
Walde wild wachsenden Beerenfrüchten, meist 
in Gartenkultur oder in besonderen Anlagen 
gezüchtet, und diese Kultur ist uralt. Schon die 
alten Syrer und Phönizier verstanden sich auf 
die Veredelung und trieben Obstbau, der von 
den Griechen und Römern vervollkommnet und 
von Mönchen zur Zeit Karls des Großen bei 
uns eingeführt wurde. Leider wird die Ernte 
durch harte Winter, Spätfröste, Nässe zur Zeit 
der Blüte, naßkalte Sommer, Hagelschlag, tie 
rische und pflanzliche Schädlinge oft in Frage 
gestellt. Aber im Durchschnitt ist der Ertrag 
bei Geschick und Fleiß, guter Pflege und Aus 
wahl passender Sorten doch sehr groß, und 
besonders in Deutschland bemühen sich daher 
2 ahlreiche Vereine und Lehranstalten um die 
Ausdehnung des Obstbaus. Gerade unser ge- 
■häßigtes Klima ist zur Züchtung feiner Tafel- 
°bstsorten außerordentlich geeignet, während 
die Früchte in den Tropen an Geschmack ver 
lieren. Selbst das in großen Mengen zu uns 
Angeführte amerikanische O. steht unseren Sor 
ten an Güte weit nach. Die vorzüglichsten 
Lagen befinden sich zwischen dem Anbau- 
gebiet des Weins und Ölbaums, utid zwar ver-i 
langen sie im Norden mehr Sonne und Schutz 
Segen rauhe Winde, im Süden mehr Be 
schattung. Alle Obstbäume erfordern Tiefgrün 
digkeit. Lockeres, steiniges Geröll, besonders 
v °n Kalkstein, ist noch besser als schwerer 
oniger oder torfig-humoser Boden. Gute Pflege, 
re ichliche Düngung, sorgfältiger Schnitt so- 
die Wahl der richtigen, dem Klima und 
“Oden angemessenen Sorten sind Hauptbedin- 
gungeu für einen reichen Ertrag. Besondere 
Sorgfalt muß der Ernte und Aufbewahrung des 
O. gewidmet werden. Nur das bei Sonnen 
schein vorsichtig gepflückte O. hält sich län 
gere Zeit, wenn es vor jedem Druck bewahrt 
wird. Man hebt es in luftigen frostfreien 
Kellern oder besonderen Obstkammern, am 
besten auf strohbedeckten Lattengerüsten auf. 
Die einzelnen Stücke (Äpfel, Birnen) dürfen 
sich nicht berühren und müssen häufig nach 
gesehen werden. Fleckige Früchte sind sofort 
zu entfernen. Kirschen lassen sich nicht lange 
frisch aufbewahren, Pflaumen nur für einige 
Monate, wenn man sie mit den Stielen fest in 
Steintöpfe packt, Weintrauben, indem man 
sie paarweise zusammengebunden frei aufhängt. 
Das O. muß nach vollendeter Reife geerntet, 
aber vor dem Erfrieren geschützt, werden, da 
gefrorenes O. seinen Geschmack verliert und 
leicht fault. — In botanischer Hinsicht bezeich 
net man als O. sowohl ganze Früchte oder 
Fruchtstände als auch Teile derselben, ferner 
fleischige Fruchtschalen, Samen, Blütenböden, 
Blütenblätter, Deckblätter und ganze Blüten 
stände und unterscheidet demnach je nach der 
einen oder anderen Abstammung: Kern-, 
Stein-, Beeren- und Schal-O., bisweilen 
auch noch die U nterabteilungen: k a p s e 1 - 
artige, Kelch-, Kürbis- und Schoten- 
früchte. Zum Kernobst, welches von einer 
mit dem Kelche gekrönten Scheinfrucht ge 
bildet wird, gehören Äpfel, Birnen, Quitten, 
Mispeln und Hagebutten, zum Steinobst 
(echte Steinfrüchte) Pfirsiche, Nektarinen, Apri 
kosen, Kirschen und Pflaumen aller Art, wie 
Mirabellen, Reineklauden, Zwetschen sowie aus 
wärmeren Klimaten Tahitiäpfel, Mangopflau 
men, Datteln und Oliven. Zum Beerenobst 
rechnet man die echten Beeren: Weintrauben, 
Johannis-, Stachel- und Moosbeeren, bei denen 
das fleischige Fruchtgewebe (Perikarpium) die 
Beere bildet, ferner die nur beerenähnlichen, 
zusammengesetzten Früchte der Himbeeren, 
Maulbeeren, Brombeeren und die Scheinfrüchte 
der Erdbeeren und Feigen. Das Schalenobst, 
dessen Schalen ungenießbar sind, und von dem 
nur die Samen, genossen werden, umfaßt die 
Nüsse, Kastanien und Mandeln. Als kapsel 
artige Früchte sind Bananen, Affenbrotbaum 
frucht und die bei uns mehr zu den Gemüsen 
gerechneten Melonen, Wassermelonen und Gur 
ken zu nennen. Einen großen Teil der genann 
ten Früchte, besonders Apfelsinen, Zitronen und 
Feigen, pflegt man im Handel auch als Süd 
früchte zu bezeichnen, — Wirtschaftlich spricht 
man von Früh-, Spät-, Sommer- und Winter-, 
Garten- und wildem O., ferner von Tafel-, Wirt 
schafts- und Mostobst. — Die hervorragende 
Bedeutung des O. für die menschliche Ernäh 
rung beruht weniger auf seinem Gehalt an 
Nährstoffen, als vielmehr auf der günstigen 
diätetischen Wirkung auf die Verdauung und 
das allgemeine Wohlbefinden. Abgesehen von 
dem Schalenobst sind die Früchte durchweg 
sehr wasserreich. Neben 70—900/0 Wasser ent 
halten sie außer geringen Mengen Zellulose 
vor allem Zucker, Pektinstoffe, etwas Eiweiß, 
Gummi und Schleim. Von ausschlaggebender 
Bedeutung für den Genußwert ist aber der Ge 
halt an freien und gebundenen organischen 
Säuren (Äpfelsäure, Weinsäure, Zitronensäure),.
	        
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