Opium
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Orange
nen Einfuhr nach China bestimmt ist, wird be
sonders in Bengalen (Provinzen Benares und
Behar) von den unter scharfer Kontrolle der
Engländer stehenden Bauern gewonnen, dann
gegen festgesetzte Preise an die Regierungs
lager abgeliefert und von dort ums Doppelte
weiterverkauft. Geringere Mengen gelangen
auch aus Nepal und Assam in die Hände der
Engländer, die es für die Ausfuhr zu 2,2 kg
schweren Kugeln, für den inländischen Ver
brauch zu Platten oder kleineren, mit Öl be
strichenen Kugeln formen. Die indische Er
zeugung wird von Hartwich auf 6000000 kg
geschätzt. Davon wird nur ein kleiner Teil, das
sog. Akbari-O,, im Lande verbraucht, wäh-
rund rund 5000000 kg zur Ausfuhr nach China
gelangen. Die Menge' wird meist in Pikuls zu
60,13 kg angegeben. — 4. Chinesisches O.
kommt meist in Form von Ziegelsteinen oder
kleinen Broten, in Papier gewickelt, oder neuer
dings auch als gereinigtes Rauchopium von
sirupöser Konsistenz in Horn- oder Metall
büchsen zum Verkauf. Die Erzeugung ist zur
Verdrängung des englischen O. beständig ge
steigert worden und dürfte sich zurzeit auf
mehr als 13000000 kg belaufen. Der Ver
brauch in China beträgt über 18000000 kg.
— Das O. bildet im frischen Zustande eine
weiche, knetbare Masse von gelbbrauner Farbe,
scharf bitterem Geschmack und stark narko
tischem Geruch. Auch die Brote sind anfangs
im Inneren noch weich, werden aber mit der
Zeit hart und spröde upd lassen sich zu einem
lichtbraunen Pulver stoßen. Unter dem Mikro
skope darf reines kleinasiatisches O. nur Reste
von der Epidermis der Mohnkapseln und ver
einzelte Blattfragmente, hingegen keine Stärke
oder andere Pflanzenteile zeigen. In Wasser ist
reines O. zu 2 / s bis 8 / 4 löslich. Neben Harzen,
Wachs, Kautschuk, Gummi, Pektinstoffen und
Salzen sowie zwei indifferenten Stoffen, dem
Mekonin und dem Mekonoisin, enthält das
O. als wirksame Stoffe zahlreiche Alkaloide,
die, abgesehen von dem frei vorhandenen Nar
kotin, an Säuren, und zwar Mekonsäure, Schwe
felsäure und Milchsäure, gebunden sind und
unter ihrem Namen besonders besprochen wer
den. Das wichtigste Alkaloid, der Wertmesser
jedes O., ist das Morphin. Daneben sind
noch die bei der Darstellung des Morphins
mitgewonnenen Alkaloide Kodein, Narko
tin und Narzein von größerer praktischer
Bedeutung, während die übrigen, u. a, Koda-
min, Kryptopin, Laudanin, Papaverin,
Protopin, Pseudomorphin, Thebain, meist
nur chemisches Interesse beanspruchen. Der
durchschnittliche Gehalt des O, an Morphin be
trägt 10 0/0, an Narkotin 60/0, Kodein 0,30/0,
Narzein 0,20/0, Papaverin 1 o/ 0 , Thebain 0,150/0,
Mekonsäure 40/0, Milchsäure 1,250/0, Mekonin
0,01 o/o. Von den beiden wichtigsten Alkaloiden
Morphin und Narkotin enthält das kleinasia
tische O. 1,68—16,16 bzw. 1,56—12,560/0, das
persische 0,15—0,27 bzw. 0,01—6,8oo/ 0 , das in
dische 2,77—3,80 bzw. 3,33—4,23 0/0, das chine
sische 4,32—11,270/0 bzw. 1,97—6,610/0, Von
den häufigen Verfälschungen sind Einkneten
von Bleikugeln, Schrotkörnern und Steinen in
die Brote sowie Zusätze von Sand, Ton, Gips,
Bolus, Harz, Wachs, Lakritzen und Traubensaft
zu erwähnen. Der Nachweis der anorganischen
Beschwerungsmittel erfolgt durch die Bestim
mung des Aschengehalts, der 3—50/0, jedenfalls
nicht über 8 o/ 0 betragen soll. Der Wassergehalt
darf 16—18 0/0 nicht übersteigen. —• O. ist ein
narkotisches, in größeren Mengen tödlich wir
kendes Gift, findet aber in kleineren Gaben, in
Form von Extrakten, Tinkturen und zusammen
gesetzter Mittel, sog. Opiate, ausgedehnte An
wendung als beruhigendes, krampfstillendes und
stopfendes Mittel. Neuerdings bevorzugt die
Medizin die rein dargestellten Alkaloide Mor
phin, Kodein und Narkotin. Die Hauptmenge
des O. wird aber als Genußmittel (Opium
raucher) verbraucht, besonders in China, wo
jährlich auf den Kopf der Bevölkerung 47 g
entfallen, gegen 0,22 g in Deutschland.
Opodeldok (lat. Linitfientum saponato-cam-
phoratum), eine pharmazeutische Zubereitung,
die zu Einreibungen verwandt wird und eine
durchscheinende Gallertmasse bildet, besteht
aus einer alkoholischen Lösung neutraler Seife,
die mit Kampfer, Ammoniak und ätherischen
Ölen versetzt ist.
Opopanax (Panaxgummi, lat. Gummi opo-
panax, frz. und engl. Opopanax), ein Gummi
harz, besteht aus dem getrockneten Milchsaft
der fleischigen Wurzel einer Art Pastinake
(Pastinaca Opopanax, O. chironium), die
in Südeuropa und Kleinasien wächst. Wie ähn
liche Drogen kommt es in zwei Sorten, einer
besseren, in Tropfen oder Körnern von der
Größe einer Erbse bis zu einer Nuß, und einer
unreineren, in Massen oder Kuchen vor. Die
Ware bildet zerbrechliche Stücke von außen
brauner, innen gelblicher Farbe, die einen, an
Liebstöckel erinnernden Geruch und widrig
scharfen Geschmack besitzen und nur selten
zu Pflastern benutzt werden. — Denselben
Namen führt auch ein spirituöses, in den Handel
kommendes Taschentuchparfüm.
Opopanäxöl, das zu 5—100/0 aus dem Opo
panax durch Destillation mit Wasserdampf ge
wonnene ätherische Öl, hat eine grüngelbe Farbe
und riecht wie Buttersäurekaprylester und Ka-
pronsäurekaprylester.
Opossumfelle von dem zu den Beutel-
ratten gehörigen Opossum (Didelphys vir-
giniana), das in Nordamerika (Virginien, Ohio,
Arkansas) lebt, zeigen ein langes, schlichtes,
graues Haar mit weißlichem Flaumhaar. Die
Felle werden den deutschen Mardern und Iltissen
ähnlich gefärbt und bilden eine wohlfeile Han
delsware, die zu Unterfuttern und kleineren Ge
brauchsgegenständen verarbeitet wird.
Orange ist ein Sammelname für eine große
Anzahl verschiedener Teerfarbsto ffe, die
zum Teil auch noch andere Bezeichnungen
führen und durch Nummern und Buchstaben
unterschieden werden. Orange I ist Tro
päolin 000 Nr. 1 (s. d.); .Orange II, Gold
orange, ist Tropäolin 000 Nr. 2; Orange III
ist Tropäolin D, Helianthin; Orange IV
(Orange M, Orange GS, Diphenylorange)
ist Säuregelb D. (s. d.). Orange G (Orange-
gelb), das Natronsalz der Anilinazobetanaph-
toldisulfosäure, bildet ein gelbrotes, in Wasser
lösliches Pulver. Orange GT besteht aus de«