Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Rangoonöl

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Ratanhiawurzel

Nägeln,  Drehspänen  und  Lochputzen  hergestellt
wird.  Man  ordnet  die  Stücke  in  Pakete,  die  mit
Draht  und  Bandeisen  umbunden  werden,  bringt
diese  in  den  Schweißofen  und  streckt  sie  unter
dem  Dampfhammer  und  unter  Walzen  aus.  R.
zeichnet  sich  meist  durch  größere  Zähigkeit  aus
und  wird  deshalb  gern  zu  Radreifen,  Hemmschuhen ­
  und  Ackerwerkzeugen  verwendet.
Rangoonöl  (Rangunöl,  Ranguhnteer,  Ragoonöl),
  eine  Sorte  Erdharz  oder  Erdöl  von
Yenan-Gyoung  und  Payan  in  Ober-Birma,  hat  die
Konsistenz  von  Gänsefett,  eine  grünlichbraune
Farbe,  bituminösen,  nicht  unangenehmem  Geruch
und  ein  spez.  Gew.  von  0,885—0,890.  Es  enthält
über  50  °/o  Paraffin,  ferner  asphaltartige  Stoffe,
leichte  und  schwere  Kohlenwasserstoffe,  darunter
etwas  Benzol,  Toluol  und  Xylol,  sowie  auch
Naphthalin.
Rapontika  (Stabwurzel,  Gartenrapunzel),
eine  Pflanzengattung  aus  der  Familie  der  Oenotheren
  oder  Nachtkerzen,  von  denen  nur  Oeaothera
  biennis  wegen  der  als  Salat,  zu  Gemüse
und  Suppen  verwendeten  Wurzeln  angebaut  wird,
hat  lediglich  örtliche  Bedeutung.  —  Rapontikawurzel
  s.  unter  Rhabarber.
Raps,  Rübsen  (Kohlraps,  Reps,  Lewat,
Kohlsaat,  Kolza,  Ölraps),  mit  den  Abarten
Biewitz  und  Awehl,  sind  wichtige  Ölpflanzen
aus  der  Familie  Brassica,  nämlich;  Brassica
campestris  L.  s.  Brassica  Rapa:  Rübsen,
und  Brassica  Napus  L.;  Raps,  von  denen  ersterer
  wieder  in  B.  annua,  Sommerrübsen,  die
einjährige,  und  B.  oleifera,  Winterrübsen,
die  zweijährige  Art  eingeteilt  wird.  Die  durch
gelbe  Blüten  und  lange,  schmale  Schoten  mit
kl  eitlen,  schwarzen  oder  braunen^  runden,  fast
ganz  glatten,  ölreichen  Samen  ausgezeichneten
Pflanzen  werden  in  ganz  Mittel-  bis  Nordeuropa
auf  kräftigem,  gutem  Boden  und  in  sehr  starker
Düngung  als  erste  Frucht,  oft  noch  nach  Brache
angebaut.  Stets  erfordern  sie  aber  beste  Bodenbearbeitung, ­
  meist  in  Reihen,  und  sorgsamste
Pflege.  Von  dem  etwa  drei  Jahre  keimfähigen
Samen  braucht  man  zu  Drillsaat  für  den  Hektar
0,15,  zu  Breitsaat  0,2—0,3  hl  Saatgut  und  erntet
12—15,  selten  25  hl.  1  hl  wiegt  65—70  kg,  am
schwersten  ist  der  Winterraps,  am  leichtesten
der  Sommerrübsen.  100  kg  Raps  sollen  36—40kg
öl  geben.  Das  Stroh  hat  nur  Streuwert,  die  ölreichen ­
  Schoten  (Kappen)  dienen  als  Futtermittel.
Der  Raps  erschöpft  den  Boden  sehr  stark,  wenn
kein  Ersatz  für  die  entzogenen  Nährstoffe  stattfindet, ­
  bildet  aber  eine  vortreffliche  Vorfrucht
für  Getreide.  Der  Rübsen  trägt  i/t—Vs  weniger,
während  Awehl  und  Biewitz  im  Ertrage  zwischen
beiden  stehen  und  sie  durch  Widerstandsfähigkeit
gegen  die  Witterung  übertreffen.  —  R.  und  Rübsen ­
  leiden  durch  naßkalte,  schneelose,  harte
Winter,  durch  Nässe  zur  Vegetationszeit  und  in
der  Ernte,  durch  stürmisches  Wetter  und  Platzregen, ­
  durch  eine  sehr  große  Zahl  tierischer
Schädlinge,  wie:  Raupen,  Schnecken,  Blattläuse,
Weißlinge,  Gallmücken,  Maikäfer,  Goldkäfer,
Glanzkäfer  und  Vögel  (Tauben)  und  durch  verschiedene ­
  Krankheiten.  Der  Same  muß  sehr  gut
behandelt  und  vor  der  vollen  Reife  geerntet  werden, ­
  da  die  Schoten  leicht  aufspringen  und  den
Inhalt  entleeren.  Er  wird  deshalb  auch  meist  bei
Nacht  oder  doch  im  Morgentau  eingefahren

oder  gleich  auf  dem  Felde  durch  Maschinen  gedroschen. ­
  Bei  der  Aufbewahrung  muß  der  R.
so  dünn  als  möglich  aufgeschüttet  und  fleißig  gewendet ­
  werden,  da  er  leicht  muffig  wird.  Auf
dem  Felde  wächst  er  bei  Nässe  leicht  aus.  Guter
R.  soll  schwarz,  glänzend,  gleichmäßig  und  frei
von  verletzten  Körnern  sein,  hingegen  nicht  rot
oder  rötlich  aussehen.  1  hl  muß  mindestens
66,5  kg  wiegen,  1  kg  etwa  200000  Körner  haben.
Die  Hauptverwendung  findet  der  R.  zur  Ölgewinnung ­
  (s.  Rüböl).  Doch  werden  auch  große
Mengen  als  Vogelfutter  verwendet,  und  zwar
besonders  die  wegen  ihres  süßeren  Geschmackes
beliebtere  Sommerware.
Rapunzel  (Rabinschen,  Feldsalat),  der  bei
tms  vielfach  angebaute,  zur  Gattung  Valerianella
  gehörende  kleine,  grünblättrige  Feldsalat,
gehört  zu  den  Gewächsen  der  Handelsgärtncr
und  wird  vielfach  in  Treibhäusern  gezogen,  um
schon  im  zeitigen  Frühjahr  auf  den  Markt  zu
kommen.
Ratafia  ist  eine  Bezeichnung  für  gewisse  Liköre, ­
  die  mit  Säften  frisch  ausgepreßter  Obstund ­
  Beerenfrüchte  versetzt  und  mit  Gewürzen
aromatisiert  sind.  Die  besten  R.-Sorten  werden
zu  Montpellier,  sowie  zu  Nancy  und  Paris  bereitet. ­
  Grenoble  hat  einen  besonderen  Ruf  wegen
seines  berühmten  Kirschratafia,  der  aus  den
schönsten  großen,  langstieligen,  meist  schwarzen
Kirschen  hergestellt  wird.
Ratanhiawurzel  (lat.  Radix  ratanhiae,  frz.  Racine ­
  de  ratanhia,  engl.  Ratanhy  root)  ist  die  Hauptwurzel ­
  eines  inPeru  wachsendenniederen  Strauches
aus  der  Familie  der  Leguminosen.  Krameria  triandra,
  die  18  cm  lange  und  4V2  cm  dicke,  knorrige  und
sehr  harte  Stücke  bildet  und  nach  unten  in  viele
dünnere,  hin  und  her  gezogene,  bis  3  dm  lange
federkieldicke  Äste  geteilt  ist.  Die  schuppig-rissige
Rinde  erscheint  außen  rotbraun,  auf  dem  Querschnitt ­
  heller,  das  Holz  der  dickeren  Stücke
zimtfarben,  das  der  dünneren  rötlichweiß.  Die
wirksamen  Bestandteile  finden  sich  fast  ausschließlich ­
  in  der  Rinde,  die  stark  adstringierend
und  bitterlich  schmeckt,  während  das  Holz  nahezu ­
  geschmacklos  ist.  Diese  peruanische  Rinde,
die  eigentliche  sog.  echte  R.,  die  allein  zum
medizinischen  Gebrauch  gestattet  ist,  kommt  in
Seronen  von  75—90  kg  Inhalt  hauptsächlich  über
die  Ausfuhrplätze  Payta  und  Kallao  nach  Europa.
Sie  enthält  als  wirksame  Stoffe  eine  eigentümliche, ­
  Eisenoxydsalze  grünlichbraun  fällende  Gerbsäure, ­
  die  Ratanhiagerbsäure,  und  ein  Phlobaphen,
  das  Ratanhiarot  und  wird  in  Form  von
Pulver,  Extrakt  und  Tinktur  als  zusammenziehendes ­
  Mittel  bei  chronischen  Diarrhöen,  Schleimflüssen
  und  Blutungen,  sowie  äußerlich  zu  Zahntinkturen ­
  und  Mundwässern,  das  Extrakt  in  seltenen ­
  Fällen  wohl  auch  als  Gerbmittel  gebraucht.
Das  Ratanhia-Extrakt  (lat.  Extractum  ratanhiae, ­
  frz.  Extrait  de  ratanhia,  engl.  Extrakt  of
ratanhy).  eine  schwarze,  im  Bruche  glänzende,
zerrieben  rotbraune  Masse  schmeckt  sehr  zusammenziehend ­
  und  färbt  beim  Kauen  den  Speichel ­
  rot.  —  Außer  der  echten  Wurzel  kommen
noch  einige  andere,  nicht  offizineile  Sorten  aus
anderen  Ursprungsländern  an  den  Markt:  Di®
Savanilla-  oder  Neu-Granada-Ratanhia  aus
Neugranada,  von  Krameria  ixina  oder  tomentosa
  hat  eine  viel  dickere,  extraktreichere  Rinde
            
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