Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Raute

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Reglise

Pelzseehunde  und  Kaninchen.  Griechen  und
Rumänen  brauchen  für  ihre  Volkstrachten  hauptsächlich ­
  Füchse  aller  Arten,  ferner  Luchse,  Zobel,
Nerze,  Wölfe,  schwarze  Katzen  und  französische
Kaninchen.  Die  deutschen  Händler  entnehmen
hier  fast  ihren  ganzen  Bedarf.  Auch  außer  den
Messen  ist  Leipzig  ein  ständiger  Markt  für  R.,
an  dem  die  bedeutendsten  fremden  Häuser  Vertretungen ­
  unterhalten.  Ein  Urteil  über  den  LTmfang
  des  Handels  gewährt  die  Angabe,  daß
der  jährliche  Umsatz  in  Leipzig  auf  1.50  Millionen
Mark,  fast  die  Hälfte  des  Weltumsatzes,  geschätzt
wird.  —  Wohl  kein  Gegenstand  des  Welthandels
bringt  die  Völker  der  nördlichen  Erdhälfte  aller
Kulturstufen  in  so  nahe  Geschäftsbeziehungen
wie  das  Pelzwerk,  und  wie  unsere  Vorfahren  im
Mittelalter  von  den  Russen,  so  bezogen  schon  die
alten  Griechen  und  Römer  aus  denselben
Quellen,  d.  h.  von  Skythen  und  anderen  nordischen ­
  Völkern,  ihr  Luxuspelzwerk.  Mit  dem  zunehmenden ­
  Wohlstand  ist  der  von  Luxus  und
Mode  stark  beeinflußte  Bedarf  an  R.  beständig
gewachsen  und  trotz  der  zunehmenden  Schwierigkeiten ­
  der  Pelzjagden  ist  die  Zufuhr,  zum  Teil
allerdings  infolge  der  Verwendung  früher  nicht
benutzter  Felle  in  beständiger  Zunahme  begriffen.
Ein  großer  Teil  des  Bedarfs  wird  durch  die
neuerdings  in  Aufnahme  gekommenen  Felle  von
Skunks,  Bisam,  Chinchilla  und  Affen,  sowie  besonders ­
  von  Opossum  (jährlich  mehrere  Millionen
Felle  nach  Europa)  und  anderen  australischen
Beuteltieren  gedeckt.  Dazu  kommt,  daß  jetzt
die  Zurichtung  unansehnlicher  Felle  einen  hohen
Grad  der  Vollendung  erreicht  hat.  Das  Färben,
Rupfen  und  Scheren  ist  eine  blühende  Industrie
geworden,  die  namentlich  in  der  Umgebung  Leipzigs ­
  Tausende  von  Arbeitern  lohnend  beschäftigt. ­
  Die  Färberei  ist  besonders  dadurch  hervorgerufen ­
  worden,  daß  die  Mode  fiefschwarze  oder
tiefdunkelbraune  Farben  verlangt,  die  bei  natürlichen ­
  Fellen  nur  selten  verkommen.  Da  künstlich ­
  gefärbte  Felle  aber  von  natürlichen  dadurch
unterschieden  werden  können,  daß  nicht  nur
das  ganze  Haar  bis  zur  Wurzel,  sondern  auch  das
Leder  den  Farbstoff  auf  nimmt,  so  bevorzugt
man  jetzt  meist  das  sog.  „Blenden“,  bei  dem
nur  die  Spitzen  gefärbt  werden.  Bisweilen  werden
zur  Vortäuschung  wertvollerer  Pelzarten  auch
wohl  weiße  Spitzen,  Grannen,  eingezogen.  Die
schon  von  1720—1820  auf  das  Doppelte  und  im
letzten  Jahrhundert  auf  das  Dreifache  gestiegenen
Preise  haben  im  Kriege  eine  unsinnige  Höhe
erreicht.
Raute  (lat.'  Herba  rutae,  frz.  Herbe  de  rue,
engl.  Rue  leaves).  Im  Drogenhandel  werden
zwei  Sorten  R.  geführt,  die  Gartenraute  (Herba ­
  rutae  hortensis)  und  die  Mauerraute  (Herba
rutae  murariae).  Die  erstere,  Ruta  graveolens
(Gattung  der  Rutazeen),  ist  ein  auf  Gebirgshängen
  des  südlichen  Europa  und  zum  Teil  selbst
Süddeutschlands  wild  wachsender  Strauch,  der
auch  in  unseren  Gärten  gut  fortkommt  und  sich
durch  Wurzelteilung,  Stecklinge  und  Samen  vermehren ­
  läßt.  Die  frischen  Blätter,  die  zuweilen
als  Gewürz  an  Salat  oder  auf  Butterbrot  genossen
werden,  haben  einen  durchdringenden,  widrigen
Geruch  und  brennend-bitterlichen  Geschmack.
Die  Mauerraute,  Asplenium  Ruta,  wird  nur
etwa  fingerlang,  ähnelt  aber  sonst  der  Gartenraute ­

  sehr  und  wächst  hauptsächlich  auf  Gemäuer ­
  und  steinigem  Boden.  Als  riechende  und
schmeckende  Bestandteile  finden  sich  ein  dem
Querzitrin  nahestehendes  Glykosid,  Rutin,  und
ein  ätherisches  Öl,  das  in  allen  Teilen  der
Pflanze  abgelagert  ist.  Durch  das  Trocknen  werden ­
  Geruch  und  Geschmack  stark  verringert.
Aus  dem  getrockneten  Kraute  oder  den  Blättern
beider  Arten  gewinnt  man  das  Rautenwasser
und  den  Rautenessig.  Das  mit  Wasser  oder
Dampf  von  den  frischen  blühenden  Pflanzen  abdestillierte ­
  ätherische  Rautenöl  (lat.  Oleum
rutae,  frz.  Essence  de  rue,  engl.  Öil  of  rue)
zeigt  gelbliche  Farbe,  starken  Rautengeruch  und
bitterscharfen  Geschmack  und  hat  ein  spez.  Gew.
von  0,833—0,847.  Es  dreht  gewöhnlich  schwach
rechts,  bisweilen  auch  schwach  links,  löst  sich
in  2—4  Vol.  700/oigen  Alkohols  und  besteht,  je
•nach  der  botanischen  Herkunft,  vorwiegend  aus
Methylnonylketon  oder  Methylheptylketon.  Diejenigen ­
  Rautenöle,  deren  Hauptbestandteil  Methylnonylketon ­
  ist,  erstarren  oberhalb  o°,  die
anderen  unterhalb  o°.  Eine  Verfälschung  mit
Terpentinöl  erkennt  man  an  der  Erhöhung  des
spez.  Gew.  Die  Raute  wird  in  der  Volksmedizin
als  magenstärkendes  Mittel  verwendet  und  kann
in  größeren  Mengen  dem  Mutterkorn  ähnlich
wirken.  Die  Auszüge  und  Destillate  finden  als
nervenstärkende  Mittel  Anwendung.
Rebenschwarz  (frz.  Noir  de  vigne,  engl.  Vineblack)
  nennt  man  eine  sehr  feine  Kohle,  die  als
gut  deckende  schwarze  Farbe  zum  Malen  mit
Wasser  und  Öl  und  zu  Druckfirnis  gebraucht  und
durch  Glühen  von  Weinreben  und  den  Kämmen
der  Weintrauben  in  geschlossenen  eisernen  Töpfen ­
  oder  Retorten  erhalten  wird.  Das  R.  bildet
die  zweite  Sorte  des  Frankfurter  Schwarz,
dessen  erste  und  bessere  Sorte  durch  Verkohlen
von  Weinhefe  hergestellt  wird.
Reginaviolett  ist  eine  Bezeichnung  für  drei
seit  1860  bekannte  Teerfarbstoffe.  Das  ohne
nähere  Bezeichnung,  auch  Violet  impörial
rouge,  Regina  purple  genannteR.  erhält  man
aus  den  bei  Herstellung  des  Fuchsins  nach
dem  Arsenverfahren  entstehenden  Abfällen  durch
Behandlung  mit  einem  Gemenge  von  Rosapilin
und  Essigsäure  bei  120 0  als  ein  grünes,  in  Wasser
mit  rotvioletter  Farbe  lösliches  Pulver,  welches
Wolle  direkt  färbt.  Reginaviolett,  spritlöslich, ­
  entsteht  bei  der  Herstellung  des  Fuchsins
nach  dem  Nitrobenzolverfahren,  während  das
wasserlösliche  R.  aus  dem  spritlöslichen  durch
Einwirkung  von  konzentrierter  Schwefelsäure  und
Neutralisieren  mit  Soda  erhalten  wird.  Nur  das
letztere  findet  in  der  Färberei  Anwendung,  während ­
  das  spritlösliche  zur  Darstellung  von  sog.
Goldkäferlack  dient.
Reglise.  Mit  diesem  Namen  belegt  man  einerseits ­
  den  Süßholz-  oder  Lakritzensaft  (s.  Süßholz), ­
  hauptsächlich  aber  den  in  Apotheken,
Drogerien  und  Konditoreien  bereiteten  Lederzucker
  (Pasta),  der  sowohl  weiß  als  braun  hergestellt ­
  wird.  Die  weiße  R.  (lat.  Pasta  gummosa, ­
  seu  Pasta  althaeae,  frz.  Pate  de  gomme,
engl.  Paste  of  gum)  wurde  früher  mit  Altheewurzelschleim
  bereitet,  in  dem  arabisches  Gummi
und  Zucker  aufgelöst  war.  Jetzt  verwendet  man
nur  letztere  beiden  Stoffe,  löst  sie  in  Wasser,
dampft  die  geklärte  Lösung  bei  gelinder  Hitze
            
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