Rattengift
361
Rauchwaren
als die echte und ist also eigentlich der echten
vorzuziehen. Die Texas- oder mexikanische
R. aus Mexiko, Texas und benachbarten Gegen
den Nordamerikas ist ebenfalls in der Rinde viel
stärker als im Holz. Die neuerdings in größeren
Mengen eingeführte brasilianische oder Ce-
ara-Ratanhia (Pararatanhia) von Krameria
argentea entspricht den Anforderungen des D.
A. B. Die drei im Handel hauptsächlich vor
kommenden Sorten lassen sich leicht durch die
Färbung der daraus bereiteten weingeistigen
Tinkturen unterscheiden, indem die Tinktur aus
echter Payta-Ratanhia rot, die aus Savanilla-
Ratanhia gelblich, mit einem Stich ins grüne, und
die aus Para- oder Ceara-Ratanhia rein gelb aus
sieht. In sehr verdünnter Tinktur der echten R.
erzeugt Bleizuckerlösung einen roten, in der
jenigen-der beiden anderen Sorten einen hell
violetten Niederschlag.
Rattengift. Zum Vertilgen von Ratten und
Mäusen benutzt man hauptsächlich Arsenik,
Phosphor. Meerzwiebel und Bariumkarbonat
(s.d.), neuerdings aber auch gewisse Bakterien^
Präparate (Ratin, Rattapan, Rattenpest),
die für kleine Nager tödlich sind, anderen Tieren
und auch Menschen aber nicht schaden sollen.
— Als Vertreibungsmittel wird auch Saprol
empfohlen.
Rauchwaren, Pelz werk (frz. Pelleterie, engl.
Peltry) ist die Handelsbezeichnung für die
größtenteils zur menschlichen Bekleidung be
stimmten Pelzfelle wilder und zahmer Tiere, die
zur völligen Erhaltung des ungelockerten Haar
standes nur auf der durch Schaben gereinigten
Fleischseite einer konservierenden Behandlung
(Gerbung) mit Alaun, Salz. Fett, Butter oder Öl
unterworfen worden sind. Da die Behaarung
von der warmen Jahreszeit ungünstig beeinflußt
wird, gelangen fast nur im Winter gewonnene
Pelzfelle zur Verarbeitung und aus dem gleichen
Grunde werden die wertvollsten Pelzfelle von
den kalten nördlichen Gebieten Rußlands (Sibi
riens), Alaskas und Kanadas geliefert. In Kanada
Wurde der Pelzhandel von der Hudsonsbai-Gesell
schaft früher als Monopol betrieben, an dessen
Stelle jetzt der freie Wettbewerb getreten ist.
Die Verkaufskontore der Gesellschaft befinden
sich in Montreal für Büffelhäute und in London
für das eigentliche Pelzwerk, das oft erst nach
'Vz Jahren seinen Bestimmungsort erreicht. Die
großen Londoner Pelzauktipnen finden im Ja
nuar, und März statt. Seitdem der gegen bares
Geld erfolgende Handel wie in den Vereinigten
Staaten auch in Kanada frei ist, werden auch
von anderen Pelzkompagnien sowie großen Han
delshäusern und kleineren Kaufleuten Pelzfelle
auf den Markt gebracht, die entweder direkt
°der auf dem Umwege über Neuyork nach
London oder Leipzig gehen. Die Amerikaner be
vorzugen neuerdings wegen des bequemeren Ab
satzes Leipzig, von wo sie gleichzeitig erhebliche
Mengen russischen und deutschen Pelzwerks, wie
sibirisches Feh, Hermelin, gute russische Zobel,
'n Deutschland zugerichtete polnische und frän
kische Kaninchenfelle entnehmen. — Däne
mark führt aus Grönland, weniger von Island
geringe Mengen Fuchs-, Robben- und einige Eis-
uärfelle ein. — Südamerika beteiligt sich nur
durch seine Chinchilla-, Viscacbe- und Koipu-
felle am Handel, während seine Jaguar- und
Pumafelle von untergeordneter Bedeutung sind.
— Von Schweden und Norwegen kommen
neben allgemeiner verbreiteten Fellen, wie Füchse,
Marder, Iltisse, Dachse, Ottern und Katzen, be
sonders schöne Felle von Luchsen, Seehunden,
Silber- und Kreuzfüchsen zur Leipziger Messe,
von wo die besten Stücke nach Rußland gehen.
— Rußland ist unstreitig das wichtigste Gebiet
für Erzeugung, Verbrauch und Handel in R. Der
besonders wichtige Verkehr mit China geht über
Kiachta, ein anderer Teil über Astrachan nach
Persien. Als weitere Flauptmeßplätze sind Irbit
in Sibirien und Nishnij Nowgorod zu nennen,
letzteres als der eigentliche internationale Tausch
platz, zu dem im Juni und August neben russi
schen und asiatischen auch armenische, ameri
kanische, skandinavische und deutsche Pelzwaren
zusammenströmen. Daneben kommen noch Pe
tersburg, Moskau und Warschau als dauernde
Meßplätze in Betracht. —- Der deutsche Rauch
warenhandel befindet sich in seinen letzten Ver
zweigungen in sehr vielen Händen, da sich zahl
reiche kleine Händler und alle Kürschner am
Einkauf beteiligen. Von den Landleuten werden
Lamm- und Ziegenfelle, in den Städten Kanin
chen- und Katzenfelle, von den Jägern die sog.
Wildwaren (Füchse, Marder, Iltisse, Dachse,
Ottern) gekauft. Auch die Menge der letzteren,
die namentlich aus Württemberg und Bayern, be
sonders den Alpengegenden, stammen, ist nicht
unbeträchtlich. Die von größeren Kaufleuten ge
sammelten Waren kommen schließlich in den
Rauchwarenhandel, der in mehreren größeren
Städten seinen Sitz hat und auch den Vertrieb
ausländischer Pelze umfaßt. Hamburg, Lübeck
und Bremen betreiben ausgedehnte Speditions-,
Aus- und Einfuhrgeschäfte mit amerikanischem,
russischem,skandinavischem,deutschem und fran
zösischem Pelzwerk und mit grönländischen Rob
benfellen. Wien versorgt Österreich, Ungarn und
Italien mit amerikanischen und russischen Rauch
waren und ist ein ständiger Markt für türkische,
ungarische und italienische Lämmerfelle. Berlin
und Breslau haben neben bedeutendem Inlands
handel starken Absatz nach Rußland und Polen.
Der bedeutendste Meßplatz, an dem sämt
liche R. zu kaufen sind, ein eigentlicher Welt
markt, ist Leipzig geworden, das die mehr der
Durchfuhr amerikanischer Ware dienende eng
lische Hauptstadt fast überholt hat. Auf den
beiden Leipziger Messen kommen alle gang
baren Pelzwaren zusammen, die deutschen Wild
waren allerdings vorwiegend auf der Ostermesse,
und jeder Verkäufer tritt in der Regel auch als
Käufer auf. Die Amerikaner kaufen .von den
Deutschen zubereitete Feh, Marder, Iltis und
polnische Kaninchen, von den Franzosen gefärbte
Kaninchen, von den Russen Hermelin, Nerze
und weiße Hasen. Die Engländer entnehmen
rohe Feh, Hermelin, persisches Lammfell, Mar
der, polnische Kaninchen und neuerdings ame
rikanische Felle, die Franzosen und Italiener zu
bereitete Feh, Hermelin, persische und Astra-
chaner Lammfelle, polnische Kaninchen, Zobel
und Chinchillas, Russen und Polen besonders
deutsche und nordische, Füchse, Marder, Otter,
Waschbären, Bären, virginische Iltisse, Skunks,
Biber, Seeotter, Zobel, Chinchilla, Luchs, Bisam,