Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Reinettenessenz 
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Reseda 
unter fortwährendem Rühren bis zur Sirupsdicke 
®in und verbindet sie mit zu Schaum geschla 
genem Eiweiß. Darauf aromatisiert man mit 
etwas Orangenblütenwasser, dickt weiter ein, bis. 
eine Probe beim Erkalten einen steifen Teig 
bildet, gießt dann die Masse auf Blech oder in 
Papierkapseln aus und beläßt sie noch einige 
Tage in der Wärme, bis sie die richtige Festig 
keit erlangt hat. Schließlich wird sie in Stücke 
geschnitten und verpackt. Die so erhaltene Paste 
ist weiß, rein süß, porös und zerbrechlich, wird 
aber an der Luft durch Anziehen von Feuchtig 
keit wieder zähe. Zu dem bräunen Lederzucker 
(lat. Pasta liquiritiae, frz. Pate de röglisse, engl. 
Pase of liquorice root) benutzt man ein Extrakt 
aus geschälter und fein geschnittener Süßholz- 
uuirzel und eine Lösung von arabischem Gummi 
und Zucker. Die gemischte und geklärte Lösung 
'vird in gelinder Wärme unter sorgfältigem Ab 
schäumen eingedampft, die klare Masse nach Er 
langung der erforderlichen Konsistenz auf Blech 
oder Papier zu Tafeln ausgegossen, vollends ge 
trocknet und in Stückchen geschnitten. Diese 
Masse bleibt biegsam, bernsteingelb und durch 
sichtig. Die R. dienen als Hausmittel gegen 
Husten und Heiserkeit und gehören zu der Klasse 
der Bonbons. 
Reinettenessenz, ein zu den künstlichen Frucht- 
athern gehöriger Riechstoff, besteht aus Birnen 
essenz mit 5—ioo/ 0 Baldriansäureamyläther. 
Reis (lat. Fructus s. Semen oryzae, frz. Riz, 
engERice), die Hauptbrotfrucht der Asiaten, ist 
eineflpflanze aus der Gattung der Gramineen, 
die sich, wahrscheinlich von Ostindien aus, weit 
''erbreitet hat und jetzt in der ganzen subtro 
pischen und gemäßigt warmen Zone angebaut 
ydrd. In Europa gedeiht der R. bis zu 45 0 n. Br. 
kt den Mittelmeerländern, besonders in N orditalien, 
hnd zwar auf sumpfigem Boden, oder über 
schwemmt gehaltenem, eingedämmtem Lande. 
Man baut mehrere Arten, und zwar Bergreis, 
Oryza montana Lour., auch auf trockenerem 
“öden, gemeinen R., Oryza sativa, früh 
reifen R., unbegrannten R. und Klebreis 
(Otyza glutinosa) als Hauptsorten. Der Anbau 
bietet große Schwierigkeiten, da der R., mit Aus 
nahme des Bergreises, nur im Sumpfboden ge 
deiht und in das Wasser eingesäet werden muß. 
Man braucht 60 kg Saatgut für den Hektar, läßt 
das Wasser auf den Feldern stehen, bis die Pflanzen 
über dem Wasserspiegel erscheinen, und sorgt 
dann erst für Abfluß. Nach fünf bis acht Tage 
jangem Abtrocknen reinigt man den R. von Un 
kraut, verpflanzt und füllt Lücken aus und wieder 
holt dieses Verfahren, 'mit jedesmaligem Ab 
bild Zulassen von Wasser, bis vier Wochen vor 
der Ernte (Oktober). Der R. ist eine ziemlich 
sichere Pflanze, die weniger als andere von 
Peinden zu leiden hat. Am gefährlichsten sind die 
Reisquecke und mehrere Pilze. Auch Vögel 
stellen ihm stark nach. Man erntet etwa 12 bis 
*3 dz, welche 47—50 0/0 geschälte Ware, 12 bis 
t & % Bruchreis und 35—40 °/o Spelzen geben. 
Jetzt ist der Versand mit den Hülsen gebräuch- 
bcher, da in Europa die Herstellung der Markt 
ware auf Hämmer- oder Stempelwerken erfolgt. 
JJer R. hat Blüten in aufrechter, zuletzt über 
düngender Rispe, traubig angeordnete Äste und 
einblütige Ährchen, kleine, spitze, häutige, un- 
begrannte Hüllspelzen, doppelt so lange, be- 
grannte und unbegrannte Knöspchen und weißen 
Samen, der sich durch seinen hohen Stärkemehl 
gehalt (84—88 0/0), bei nur geringem Gehalte an 
Eiweißstoffen, auszeichnet. ■— Geschälter R. ent 
hält 7—8 0/0 Protein, 78 °/o Stärkemehl, o,s—1 °/o 
Dextrin und Zucker, 0,3—0,5 °/o Fett, 12 °/o Wasser 
und 0,3s—0,85 °/o Asche. Die stickstoffhaltigen 
Substanzen (Kleber) liegen meist nach der Schale 
zu und gehen größtenteils mit in die Kleie, die 
zur Fütterung sehr gesucht ist. Reisfuttermehl 
ist der Abfall beim Schälen des Reises und wird 
wie die geringwertigeren Reissorten zur Fütte 
rung benutzt. Der Reis selbst findet mannigfache 
Verwendung im Haushalt und in der Technik, 
so zur Stärke- und Bierbereitung sowie zur Her 
stellung von Arrak und ähnlichen Getränken. 
Guter R. muß gleich große, ungebrochene, 
weiße, trockene und feste Körner enthalten, frei 
von Staub und Sand sein, beim Kochen gut auf 
quellen und nicht säuerlich schmecken. Grauer 
R. ist immer eine geringere oder seebeschädigte 
Ware. Der italienische R. hat derbe, runde, 
weiße Körner; der Bengalreis große, etwas röt 
liche, grobe und dickhülsige, der Patnareis 
kleine, langgestreckte, weiße, der Karolinareis 
(Amerika) lange, mattweiße und durchscheinende 
Körner. Arrakanreis ist eine geringere, Ran 
goon- oder Rangunreis eine mittlere, Java 
reis eine gute, kleine, weiße Ware, während 
Tafeireis die beste Sorte darstellt. Als unzu 
lässige Behandlung der geschälten Reiskörner 
gilt das künstliche Bleichen, das Ölen oder die 
Behandlung mit Stärkesirup, das Färben mit 
Ultramarin oder Indigo und das Überziehen mit 
Talkum oder Speckstein. 
Reismelde (Q uinoapflanze , chilenischer 
Gänsefuß), eine unserem einheimischen Gänse 
fuß ähnliche Pflanze, Chenopodium Quinoa, 
die in Chile und Peru noch in 4000 m Höhe als 
Getreide gebaut wird, liefert reisähnliche Samen 
mit rund ig°/o Stickstoffsubstanz, 5% Fett, 7«/« 
Holzfaser, 48°/» stickstofffreien Extraktstoffen und 
5 0/0 Asche. Die Versuche, während des Krieges 
Blätter und Samen zur Volksernährung heranzu 
ziehen. haben sich nicht bewährt, weil die kli 
matischen Verhältnisse dem Anbau ungünstig 
sind und der bittere Geschmack der Speisen 
nur schwer zu beseitigen ist. 
Reisstroh, Reiswurzeln. Außer dem Samen 
werden auch das Stroh und die Wurzeln viel 
fach verwertet. Das Reisstroh dient den Ost 
asiaten zur Herstellung von Gebrauchsgegen 
ständen, wie Sandalen, Besen und Matten, ferner 
auch von Papier und geschnitten, gleich Häcksel, 
als Viehfutter. — Die Reiswurzeln sind ein ge 
schätztes Material für Bürsten und Besen. Die 
Rispen verschiedener Hirsearten, namentlich 
aus der Familie Sorghum vulgare, Mohr 
oder Sorgho-Hirse, werden ähnlich der Reis 
wurzel verwendet. 
Renaszin, ein aus verschiedenen wertlosen 
Salzen bestehendes „Bluterneuerungsmittel“, vör 
dem mehrfach amtlich gewarnt wurde. 
Reseda (Reseda odorata) gehört zu den fein 
sten Duftpflanzen, welche bei der Darstellung 
von Parfümerien (s. d.) Verwendung finden. Ihr 
Gehalt an ätherischem öl ist aber so gering, daß 
es nicht durch Destillation, sondern nur durch
	        
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