Saccharose
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Säureester
des Krieges infolge des Zuckermangels wieder
Bedeutung als Versüßungsmittel erlangt. — Von
seinen Derivaten besitzt das als Kristallose be-
zeichnete S.-Natrium und das Mefhyl-S. eine
gewisse Bedeutung. — Der nächst dem S. wich
tigste künstliche Süßstoff, dasDulzin oder Sü-
krol, ist als Paraphenetolkarbämid, NH 2 .
CO . NH . C 6 H 4 . OC 2 H 5 , anzusprechen und ent
steht bei Einwirkung von Kohlenoxychlorid auf
Paraphenetidin und Behandlung des Reaktions
produktes mit Ammoniak als ein farbloses, glän
zendes Kristallpuiver vom Schmelzpunkt 173 0 .
Dulzin löst sich schwer in Wasser und Glyzerin,
hingegen leicht in Alkohol und schmeckt 200 mal
so süß als Zucker. Seine Verwendung unterliegt
ebenfalls dem Süßstoffgesetz.
Saccharose ist der wissenschaftliche Name für
diejenige Zuckerart, die aus Zuckerrohr, Zucker
rüben, Zuckerahorn und Palmensaft gewonnen
werden kann. Vgl. Zucker.
Saccharum ist Zucker, z. B. S. hordeatum, Ger
stenzucker; S. lactis. Milchzucker; S. saturni,
Bleizucker. — S. die betreffenden Aufsätze bzW.
Zucker.
Sadebaumkraut (Sevenbaumblätter, lat.
Herba seu Summitates. sabinae, frz. Sabine, engl.
Savine, Savine tops) nennt man im Drogenhandel
die getrockneten Zweige des Sade- oder Seven-
baums (Juniperus Sabina oder Sabina of-
ficinalis). Der in Südeuropa heimische, bei
uns als Ziergewächs gehaltene, immergrüne
Strauch oder kleine Baum aus der Familie der
Wacholder trägt meist in vier Reihen an die
schlanken Zweige angedrückte kleine Blätter, die
mit je einer Öldrüse auf der Rückseite besetzt
sind und infolgedessen einen starken, widrig
balsamischen Geruch und einen bitterharzigen
und ekelerregenden Geschmack zeigen. Die im
Frühjahr zu sammelnden und rasch zu trocknen
den jüngeren Triebe mit den Blättern sind offi
zineil und werden in kleinen Gaben innerlich
gegen Frauenkrankheiten benutzt. Wegen ihrer
bekannten Wirkung als Abortivmittel dürfen
sie im Kleinhandel nicht verkauft werden und
sollten ohne ärztliche Verordnung überhaupt
nicht abgegeben werden. Ebensowenig sollten
sie in Anlagen, wie dies oftmals unbegreiflicher
weise der Fall ist, angepflanzt werden, da sie ge
radezu zur Plünderung anreizen. Verwechs
lungen mit den Zweigen von Juniperus vir-
giniana sind leicht zu vermeiden, wenn map auf
die spitzeren Blättchen sowie darauf achtet, daß
diese nur an den jüngeren Zweigen vierzeilig, an
den älteren dreizeilig stehen. Überdies haben
diese Zweige einen angenehmeren Geruch als
die Sabinaspitzen. — Das Sadebaumöl (lat.
Oleum sabinae, frz. Essence de sabine, engl.
Savin oil) ist blaßgelb, rektifiziert farblos und
riecht höchst durchdringend und widerlich. Es
enthält neben mehreren Terpenen den Alkohol
Sabinol, löst sich in t/a Teil 9o°/oigem Alkohol
und ist rechtsdrehend, «„-4-38 bis +62°. Das
spez. Gew. beträgt 0,907—0,930.
Sämereien, die Samen von wild wachsenden
und von Kulturpflanzen verschiedener Art für
Gärtner, Land- und Forstwirte, bilden hoch
wichtige Handelswaren, die in großen Mengen
verbraucht und entweder von Kunst- und Han
delsgärtnern oder auch von Landwirten und in
Forstgärten gezogen oder von wild wachsenden
Pflanzen gesammelt werden. Der Sämerei
handel ist sehr lebhaft und erheischt geübte
; Fachleute, welche die Beschaffenheit der guten
Samen und besonders die Kennzeichen der ver
schiedenen Sorten genau kennen müssen. Um
vor Fälschungen oder schlechten Waren zu
schützen, sind Samenkontrollstationen ein
gerichtet worden, die erste 1869 in Tharandt
von Nobbe, deren Hilfe sich vorzüglich bewährt
hat. Man verlangt jetzt von den IJändlem
schriftliche Gewähr für gute Beschaffenheit und
hat sich über gewisse Grundsätze hinsichtlich
■des Begriffs der Fälschung geeinigt. Vor allem
darf je nach Art der S. nur ein bestimmter Ge
halt an fremden Samen oder diesen ähnlichen
Körpern und nur höchstens bis 3 °/o nicht keim
fähiger Körner vorhanden sein. Die Gärtner mit
ausgedehnter S.-Zucht verschicken ihre Preisver
zeichnisse und Waren direkt, und kaufen auch
S. von den .Einsammlern, um sie, besser sor
tiert und verpackt, wieder zu verkaufen. Sie
betreiben gleichzeitig Groß- und Kleinhandel.
Von guten Firmen kann man sicher sein, an
ständig bedient zu werden. Die Leiter der Kon
trollstationen, von denen sich in jedem Bundes
staate bzw. jeder Provinz mindestens eine, über
50 in Deutschland, befinden, übernehmen die
Prüfung und geben weitere Anleitungen. — Alle
S. müssen vollkommen trocken, kühl, aber auch
frostfrei aufbewahrt und in guter, vor Nässe
schützender Verpackung versandt werden. Nähere
Angaben finden sich bei den einzelnen Samen-,
arten.'
Säurebraun ist der Name zweier, durch die
Buchstaben G und R unterschiedener Teer
farbstoffe, von denen der erstere aus dem
Natronsalze der Anilinmetadiamidobenzolpara-
sulfosäure, der letztere aus dem Natrorisalze des
Naphtionsäureazochrysoidins besteht. Beide sind
braune, in Wasser mit brauner Farbe lösliche
Pulver, die Wolle in saurem Bade braun färben.
Säureester nennt man Verbindungen orga
nischer Säuren mit Alkoholradikalen. In der
Praxis versteht man hierunter aber meist die
jenigen Ester, die aus Harzsäuren und Alkohol
radikalen unter Wässeraustritt gewonnen und
als Harzsäureester oder Lackester bezeichnet
werden. Sie bilden neuerdings die Grundstoffe
für eine neue Sorte von Lacken, die man als
Esterlacke bezeichnet, und die vor den Kopai-
und Bernsteinlacken den Vorzug völliger Neutra
lität haben. Man kann daher Esterlacke mit den
verschiedensten Farben vermischen^ ohne ein
Verändern bzw. Nachdunkeln befürchten zu
müssen, und verwendet sie namentlich zum An
strich von Metallgegenständen, besonders als
Außenanstrich, u. a. wurde auch der Eiffelturm
in Paris mit farbigem Esterlack gestrichen. Den
Esterlacken steht jedenfalls eine große Zukunft
bevor, da der Anstrich schnell und hart auftrock
net, und die Ausgiebigkeit im Vergleich mit
Kopallacken um die Hälfte größer ist. Auch fällt
das bei Verwendung von anderen Lacken häufig
auftretende blaue Anlaufen weg, nur ist bei
Innenanstrich der Nachteil zu verzeichnen, daß
die Feuergefährlichkeit der Esterlacke durch die
Lösungsmittel, wie Benzol, Benzin und Ter
pentinöl erhöht wird. Die mit Benzin berge-