Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Seifenpulver 
411 
Selen 
flüssigen Masse zugesetzt. Zur Herstellung der 
besseren Toiletteseifen bedient man sich hin- 
gegen des Pilierens, d. h. man zerteilt gute 
Kernseife in feine Späne, welche dann mit den 
ätherischen Ölen sorgfältig verknetet werden. 
Die transparenten S. entstehen, wenn man S. 
bei gelinder Wärme in Alkohol löst und die 
weiche Masse nach dem Abdestillieren des über 
schüssigen Alkohols erstarren läßt. Medizini 
sche S. enthalten meist Marseiller S- oder selbst 
gefertigte Oliyennatronseife als Grundmasse. —• 
Der Wert einer Seife ist im allgemeinen von 
ihrem Gehalte an Fettsäuren abhängig, der daher 
für behördliche Ausschreibungen meist festgelegt 
wird. Weiter wird besonderes Gewicht auf Ab 
wesenheit von freiem Ätzkali, welches die Ge 
webe angreift, und von Füllmitteln gelegt. Die 
Anwesenheit der letzteren erkennt man durch 
Behandlung mit Alkohol, wobei die Seife in 
Lösung geht, Füllmittel aber Zurückbleiben. Über 
die schmutzlösende Wirkung der S. feind zahl 
reiche Theorien aufgestellt. Nach einigen soll 
die Seife beim Auflösen in Fettsäure und freies 
Alkali zerfallen, nach der wahrscheinlich rich 
tigsten Ansicht Knapps hingegen lediglich die 
Benetzbarkeit der Gewebe erhöhen. Aber völlig 
geklärt ist diese Frage noch nicht, und es er 
scheint daher wissenschaftlich unbegründet, wenn 
einigen Sorten ganz besonders hervorragende 
Eigenschaften gegenüber den normalen Talg- 
kernseifen zugeschrieben werden. Den zahl 
reichen Verfälschungen der S. suchen die Ver 
treter der Industrie selbst, und wie es scheint 
mit Erfolg, entgegenzutreten. Die während des 
Krieges nach Vorschrift des Kriegsausschusses 
für Fette und Öle allein hergestellte K.-A.- 
Seife bestand aus einem Gemisch von Ton 
mit etwa 200/0 Fettseife. 
Seifenpulver. Neben reiner pulver- oder spän- 
chenförmiger Kernseife finden sich im Handel 
zahlreiche sog. Wasch- oder S., die neben Seife 
mehr oder weniger erhebliche Mengen von Soda, 
Wasserglas und allen möglichen anderen Zu 
sätzen enthalten. Von den bekannteren Fabrik 
marken besteht: Lessive Phenix aus 34% 
Wasser, 6 °/o Seife, 5 °/o Wasserglas, 55 °/o Soda; 
Wöllners Waschpulver aus 30% Wasser, 
l 3 °/o Seife, 21% Wasserglas, 36% Soda; Min- 
los Waschpulver aus 38% Wasser, 3% Seife, 
5% Wasserglas, S4°/o Soda; Luhns Wasch 
extrakt aus 3S % Wasser, 390/0 Seife, 26°/o 
Soda; Waschpulver Reform aus 32 °/o Wasser, 
4°/o Seife, 9% Wasserglas, ^5% Soda. Die 
meisten derartigen Waschpulver sind unverhält 
nismäßig teurer als ein entsprechendes Gemisch 
v on Seife und Soda. 
Seifenwurzel (lat. Radix saponariae, frz. Ra 
cine de saponaire, engl. Soap root), ein viel 
gebrauchter Gegenstand des Drogenhandels, wird 
y on zwei Pflanzengattungen gewonnen. Die rote 
Seifenwurzel (Radix saponariae rubra) stammt 
v pm gemeinen Seifenkraut, Saponaria of- 
ficinalis, einer ausdauernden, durch das ganze 
mittlere und südliche Europa auf Wiesen, in 
Gebüsch und besonders gern auf Sandboden in 
der Nähe von Wasser wachsenden Karyophyl- 
' e e. Die im Herbst oder Frühjahr von nicht zu 
Jungen Pflanzen gesammelten Wurzeln oder Aus 
läufer bilden Strohhalm- bis federkieldicke Stücke 
von braunrofer Oberfläche, gelblichweißem Bruch 
und süßlich schleimigem, hinterher kratzendem 
Geschmack. Der wäßrige Auszug ist dickflüssig 
Und schäumt beim Schütteln wie eine Seifen 
lösung. Wegen ihres Gehaltes an Saponin be 
nutzt man die wäßrige Abkochung wie eine milde 
Seifenlösung in Fällen, in denen wirkliche Seife 
den Farben schaden würde, also für Seiden 
waren, Spitzen, Schals und andere zarte Gewebe. 
Die Handelsware kommt hauptsächlich aus Mittel 
europa, wo sie verschiedentlich angebaut wird. 
— Die sog. levantinische oder ägyptische 
S. (Radix saponariae alba), weiße Seifen 
wurzel im Handel genannt, stammt von Gyp- 
sophila Struthium und anderen Gypsophila- 
arten, die ebenfalls zu den Karyophylleen 
gehören und in der Levante und in Ungarn 
wachsen. Sie wird hauptsächlich in der Gegend 
von Smyrna gesammelt und über Triest ein 
geführt und bildet 3—4Vä dm lange, außen grau 
gelbe oder bräunliche, stark längsrunzelige und 
furchige, innen gelblichweiße Stücke. Die un 
garische Wurzel kommt in Form leichter weißer 
Scheiben in den Handel. Sie steht wie die 
levantinischen Wurzeln der roten S. an Saponin- 
gehalt und Wirksamkeit nach. 
Seignettesalz, nach seinemErfinder inRochelle, 
daher sonst auch Rocheller Salz genannt, ist 
ein Doppelsalz aus Weinsäure und den beiden 
Basen Kali und Natron, also weinsaures Na 
tronkalium oder Natronweinstein (lat. Tar 
tarus natronatus, Natrokali tartaricum, Kalium 
tartaricum natronatum, frz. Tartrate de soude et 
de potasse, Sei de seignette, engl. Tartarated. 
soda, Salt of seignette) und wird aus Weinstein 
und Soda in der Weise hergestellt, daß man 
eine Lösung von reinem kohlensauren Natron 
mit Weinstein versetzt, bis kein Entweichen von 
Kohlensäure mehr stattfindet. Nach dem Ein 
dampfen der filtrierten Lauge im Dampfbade 
bilden sich schöne, große, wasserhelle, rhom 
bische Säulen, die bei ganz gelinder Wärme ge 
trocknet werden, da sie sonst ihre Durchsichtig 
keit verlieren. Das Salz schmilzt beim Erwärmen 
in seinem Kristallwasser, ist aber sonst ziemlich 
luftbeständig. Es löst sich in sehr wenig Wasser, 
besitzt einen milden salzigen Geschmack und 
wird als ein kühlendes, gelinde abführendes 
Mittel, z. B. als Seidlitzpulver, sowie in der 
analytischen Chemie zur Bestimmung des Zuckers 
(Fehlingsche Lösung) angewandt. 
Sekt, abgeleitet von Vino secco, d. h. getrock 
neter Wein, hieß ursprünglich nur der Wein aus 
Trauben, die durch Umbrechen des Stieles und 
Eintrocknen am Stock einen großen Teil ihres 
Wassers verloren haben und deshalb besonders 
süß und gehaltreich sind. Jetzt gebraucht man 
die Bezeichnung fast ausschließlich für Schaum 
wein oder Champagner, während sie für Er 
zeugnisse aus Obstweinen nur unter deutlicher 
Kennzeichnung, z. B. Apfelsekt, zulässig ist. 
Selen (Selenium), ein dem Schwefel nahe 
verwandtes Element, Se==79, findet sich in 
einigen seltenen Mineralien: Sclenblei oder 
Klausthalit, Selensilberblei oder Nau- 
mannit, Selenkupferblei oder Zorgit, Se 
lenkupferthallium oder Crookesit, Selen 
kupfersilber oder Eukairit, Selenkupfer oder 
Berzelit, Selenquecksilber oder Tieman-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.