Senf
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Sennesblätter
lischer S., Schnabelsenf, Rauken, Rockhelen,
Rockheit), Sinapis alba, eine einjährige, 6o bis
120 cm hohe Pflanze mit gelber Blumenkrone,
wenig behaartem Stengel und steifhaarigen
Schoten, wächst wild und angebaut in England,
Holland, Mittel- und Süddeutschland, besonders
Thüringen, Württemberg und am Rhein sowie
in Rußland und Kleinasien. Er wird vielfach
auch mit Dotter zusammen gebaut, und zwar am
liebsten auf Neubruch und Schlammboden, doch
auch auf trockenen Bodenarten. Die Pflanze ist
gegen Kälte weniger empfindlich als Raps, leidet
aber wie dieser, wenngleich in geringerem Grade,
von Erdflöhen und sonstigen Schädlingen. Als
mittlere Ernte rechnet man 14—24 hl Körner
und 10—is dz Stroh. Abgesehen von der Samengewinnung
dient er als Futter für Milchvieh
sowie zur Gründüngung. Die Samen oder Senfkörner
(lat. Semen sinapis albae, Semen erucae,
frz. Moutarde blanche, engl. White mustard) besitzen
die Form einer Kugel von 1I/2—2V2 mm
Durchmesser, eine gejbe Farbe und matte Oberfläche.
Das gelbe Pulver zeigt einen anfangs
öligen, später brennenden. Geschmack, aber auch
nach dem Anrühren mit Wasser keinen charakteristischen
Geruch. 2. Der schwarze, braune
oder grüne S., Brassica nigra, erreicht eine
Höhe von 1V2 m und besitzt kurze, dünngeschnäbelte,
zweifächerige Schpten mit 4—6
Samen in jedem Fach. Er wächst in Europa
und Vorderasien wild und wird im Elsaß, in
Böhmen, Holland, Belgien, England, Italien,
Griechenland und Amerika (Kalifornien) angebaut.
Die Pflanze gibt um 25 °/o geringere
Erträge an Samen und Stroh als der weiße Senf,
eignet sich als Grünfutter und -düngung gar nicht
und leidet auch sehr durch Samenausfall. Die
Samen werden hauptsächlich zur Ölgewinnung,
als Zusatz zu Speisesenf und zu medizinischen
Zwecken benutzt. Die schwarzen Senfkörner
(lat. Semen sinapis nigrae, frz. Moutarde noir,
engl. Mustard seeds) besitzen wie die weißen
Kugelform, aber weit geringeren (höchstens
1 mm) Durchmesser und dunkel- bis schwarzbraune,
innen grünlichgelbe Farbe. Die Oberfläche
erscheint unter der Lupe mit feinen Wärzchen
besetzt. Das Pulver zeigt, wenn die Schale
mitgestoßen wurde, eine grünliche, sonst eine
gelbe Farbe und ist im trocknen Zustande geruchlos,
nimmt aber beim Anrühren mit Wasser
nach einiger Zeit einen zum Tränen reizenden
Geruch an. 3. Der russische oder Sareptasenf,
Sinapis juncea, wird, in Nordafrika,
China, Indien und im südlichen Rußland, besonders
bei Sarepta, stark angebaut. Die hellbraunen
Samen, die in der Größe zwischen den beiden
anderen Sorten stehen, werden vor dem Pressen
entschält und liefern daher hellere Preßrückstände
als der schwarze Senf. Das Pulver zeigt
beim Anrühren mit Wasser den Geruch des
Senföls. 4. Der Ackersenf (Ackerkohl, Feld-Senf,
falscher Hederich, gelber Trill), Sinapis
atvensis, ein einjähriges, weit verbreitetes Unkraut,
wird in Amerika bisweilen als Zusatz zu
Speisesenf benutzt. — Die Senfsamen, von denen
die holländischen am höchsten, die russischen
at n geringsten bewertet werden, dienen zur Herst
ellung von Speisesenf und Senfmehl (s. d.)
sowie von ätherischem und fettem Öl (s. d.).
Senfmehl, Speisesenf. Das aus fetthaltigen
oder entfetteten Samen hergestellte Mehl, das
beim schwarzen S. meist gröber, beim weißen
Senf feiner erscheint, findet wegen seines Gehaltes
an wertvollen Inhaltsstoffen mannigfache
technische und medizinische Verwendung. Alle
Senfsorten enthalten beträchtliche Mengen. 28 bis
300/0, fettes Öl, 27—30 °/o Stickstoffsubstanz, 9 bis
to°/o Holzfaser und 4—5 °/o Mineralstoffe. Ihren
scharfen Geruch und Geschmack verdanken sie
einem schwefelhaltigen Öl, das aber nicht in
freiem Zustande, sondern in glykosidischer Bindung
vorhanden ist und erst bei der Behandlung
mit Wasser durch das Ferment Myrosin abgespalten
wird. Das im schwarzen und Sareptasenf
vorhandene Sinigrin (myronsaure Kalium),
zerfällt unter der Einwirkung des Fermentes
in Zucker, Kaliumbisulfat und Allylsenföl.
Der weiße Senf enthält einen scharfen,
aber geruchlosen Stoff, das Sinalbin, das in
Zucker, saures schwefelsaures Sinapin und Sinalbinsenföl
zerfällt. Das Sinapin ist ein Ester
des Cholins und der Sinapinsäure. — Zur Darstellung
des Speisesenfs (Mostrich) wird das
entölte oder fetthaltige Pulver des weißen oder
braunen Senfs mit Essig oder Wein angerührt
und meist mit verschiedenen Zusätzen, wie
Zucker, Piment, Nelken und anderen Gewürzen,
versehen. Eine Beimischung von Mehl und Farbstoffen
(Teerfarben, Kurkuma) ist ohne Kennzeichnung
unzulässig. — Das Mehl des schwarzen
Senfs findet in ganz oder halb entöltem Zustande
als Senfteig, Senfpflaster und Senfpapier
zur Hautreizung vielfache medizinische
Anwendung. Es muß für diese Zwecke vor
Feuchtigkeit geschützt und nicht zu lange aufbewahrt
werden.
Senföl. Das durch Auspressen der Senfsamen
erhaltene fette Öl (lat. Oleum sinapis pingue,
frz. Huile de moutarde, engl. Mustard seed oil)
ist gelb bis bräunlichgelb und von mildem Geruch
und Geschmack. Es enthält neben Glyzeriden
flüssiger Fettsäuren Behen- und Enikasäure.
Das spe?. Gew. beträgt 0,915—0,917, die
Verseifungszahl 170—180. In.dem Öl des schwarzen
Senfs ist stets Schwefel vorhanden. Fettes
S. wird als Speiseöl, Brennöl und als Schmiermittel
verwandt. — Das ätherische S. (lat.
Oleum sinapis aethereum, frz. Essence de moutarde,
engl. Mustard oil) wird durch Destillation
des mit Wasser längere Zeit angerühften
schwarzen Senfmehls mit Wasserdampf als ein
farbloses oder gelbliches, dünnflüssiges Öl vom
spez. Gew. 1,016—1,022 dargestellt. Es besteht
hauptsächlich aus Schwefe Izyanallyl, SCN .
C3H5, und kann auch künstlich durch Behandlung
von Allyljodid mit Rhodankalium erhalten
werden. Das S. besitzt einen scharfen, zu
Tränen reizenden Geruch, ist giftig und erregt
auf der Haut Brennen, Rötung und Blasenbildung.
Die alkoholische. Lösung (Senfspiritus)
findet medizinische Anwendung.
Sennesblätter (lat. Folia sennae, frz. Feuilles
de sene, engl. Senna leaves), eine als kräftiges
Abführmittel viel benutzte Droge, sind die Fiederblättchen
verschiedener Kassia-Arten, strauchartiger,
zu den Leguminosen gehöriger Gewächse
mit paarig gefiederten Blättern, die in
Ägypten, Abessinien und Arabien auf dürrem