Staubbindemittel
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Stearin
Werden sowohl zu Trink- wie zu Badekuren
benutzt.
Staubbindemittel. Zur Bekämpfung der Staubplage
werden verschiedene mehr oder weniger
brauchbare Erzeugnisse in den Handel gebracht.
— Die der ersten Klasse angehörenden, die vermittels
Sprengwagens auf die Straße aufgetragen
werden, bestehen aus Emulsionen von Mineralund
Asphaltölen mit Wasser, wie Westrumit,
Antistoff, Standutin, und zwar wird der Zustand
der feinen Verteilung durch Zusätze von
Ammoniak, Kalilauge, Seife oder Mehlkleister
aufrecht erhalten. — Die zweite Klasse bilden
die sog. Fußbodenöle, Mineralöle oder Mischungen
von Mineralölen und Leinöl, mit denen
die Fußböden eingefettet werden. — Zu der
dritten Klasse gehören die sog. Kehrmittel,
fettig anzufühlende Pulver, die, wie früher angefeuchtete
Sägespäne oder Kaffeesatz, vor dem
Ausfegen auf den Boden gestreut werden und
so ein Aufwirbeln des Staubes verhindern. Sie
bestehen entweder wie das sog. Verrin aus Mischungen
von Holzschliff mit Talkpulver oder
Wie das patentierte Bronil aus Mischungen
von Zement, Sand oder Holzmehl mit Mineralölen.
Verschiedene ähnlich zusammengesetzte
Stoffe, wie Reesil, Perolin, Frottil u. a. sind
als Nachahmungen des Bronils anzusehen.
Staufenbrunnen bei Göppingen enthält in
1000 g nach H. Fresenius (1902): Bikarbonate
des Natriums 3,7893 g, Lithiums 0,0078 g, Ammoniums
0,0031 g, Kalziums 0,3356 g, Bariums
0,0009 g, Strontiums 0,0009 g, Magnesiums 0,4209 g,
Eisenoxyduls 0,0144 g, Manganoxyduls 0,0002 g;
Chlomatrium 0,5702 g; Bromnatrium 0,0014g;
Jodnatrium 0,00004 g; Sulfate des Kaliums
0,0536 g, Natriums 0,2378 g; Natriumphosphat
0,00005 g; Natriumnitrat 0,0131 g; Kieselsäure
0,0074g; freie Kohlensäure 1,5604g.
Stearin (lat. Acidum stearinicum, frz. Acide
stöarique, engl. Stearic acid). Diesen Namen
führt in der Chemie das Triglyzerid der Stearinsäure,
im gewöhnlichen Leben versteht man
hierunter jedoch den aus Talg und anderen
Fetten ausgeschiedenen festen, kristallisierbaren
Kerzenstoff, der seinen chemischen Eigenschaften
nach eine schwache Säure ist, nämlich die
Stearinsäure, C 18 H 3e 0 2 , selbst. Die Stearinkerzen
sind daher richtiger als Stearinsäurekerzen
zu bezeichnen. Sie bestehen jedoch niehials
aus reiner Stearinsäure, sondern enthalten
stets noch andere ähnliche Fettsäuren, namentlich
Palmitinsäure, die ebenfalls ein Bestandteil
der meisten Fette ist und sich von der
Stearinsäure durch den niedrigeren Schmelzpunkt
unterscheidet. Ein Gemisch beider schmilzt noch
leichter als jeder der einzelnen Stoffe für sich.
Eie Abscheidung des harten Kerzenstoffes aus
den Fetten kann nach verschiedenen Verfahren
ausgeführt werden. Die ursprüngliche Arbeitsweise,
die bei der Verarbeitung von Talg noch
jetzt in Gebrauch ist, besteht in einer Verseifung
des Fettes durch Kalk, Zersetzung der Seife
durch Säure und Trennung der erhaltenen Fettsäuren
durch Pressen, Zur Verseifung dient ein
kölzerner, mit Rührvorrichtung versehener Bottich
in dem ein gewundenes Dampfrohr liegt.
Eierin wird der Talg durch einströmenden Dampf
Geschmolzen, darauf das Rührwerk in Gang gesetzt
und eine Milch aus frisch gebranntem und
gelöschtem Kalk hinzugesetzt. Die anfangs flüssige
Masse wird während des Rührens und
Kochens immer zäher, und schließlich scheidet
sich die unlösliche Kalkseife in Klumpen aus.
Sie ist eine Verbindung der Fettsäuren des
Talges mit Kalk, während sich nebenbei Glyzerin
(s. d.) gebildet hat, das in der Flüssigkeit
gelöst bleibt. Die Verseifung dauert etwa einen
halben Tag. Die gebildete Kalkseife wird gewaschen
und die bröcklige Masse zwischen gerieften
Walzen in ein grobes Pulver verwandelt.
In einem mit Blei ausgeschlagenen Dampfbottich
ohne Rührwerk erwärmt man dann das Seifenpulver
unter Zusatz von verdünnter Schwefelsäure
durch Dampf. Die Säure zersetzt die Seife und
bildet mit dem Kalk Gips, während die freigewordenen
Fettsäuren wie ein dünnes Öl obenauf
schwimmen. Das letztere wird abgezogen,
durch gründliches Waschen mit immer erneuerten
Mengen von Wasser gereinigt und in
blecherne Kästen gebracht, in denen es zu viereckigen,
bräunlichen Tafeln erstarrt. Diese werden
in Wolltücher eingeschlagen und abwechselnd
mit eisernen Platten in hydraulischen
Pressen einem hohen Druck aufgesetzt. Die
nicht festen Fettsäuren fließen dabei als ölartige
Masse größtenteils ab, das Gemenge von Stearinsäure
und Palmitinsäure hingegen hinterbleibt
glänzend weiß und ganz trocken. An Stelle
des Kalks wird neuerdings vielfach Magnesia
angewandt. Zur Verarbeitung von Palm- und
Kokosnußöl sucht man diesen vor der Verseifung
das Olein durch Pressen zu entziehen,
indem man sie schmilzt, langsam abkühlen läßt
und auspreßt. — Eine andere, vielfach zur Anwendung
kommende Methode beruht auf der
Entdeckung, daß sich die Fette nicht nur
durch Alkalien, sondern auch durch starke
Schwefelsäure zersetzen lassen. Diese Säure verbindet
sich sowohl mit dem Glyzerin als mit
den Säuren der Fette. Die erstere Verbindung
ist löslich, die letztere nicht, wird aber durch
heißes Wasser leicht wieder in freie Schwefel
säure und freie Fettsäuren zerlegt. Das hierauf
gegründete neuere Verfahren führt schneller und
billiger zum Ziele und läßt sich auf alle möglichen
Fette bis herab zu dem Seifenwasser der
Wollspinnereien ausdehnen. Man bringt die Fette
nebst der Säure in einen eisernen, mit Blei ausgelegten
Behälter und läßt unter fortwährendem
Rühren Wasserdampf darauf wirken. Die zersetzte
Masse wird in einem anderen, großen Ge
fäße gründlich gewaschen und dann in große
Destillierblasen gebracht, welche durch freies
Feuer erhitzt sind, während im Inneren überhitzter
Dampf durch die Masse strömt. Sobald
die Temperatur bis auf 300 0 gestiegen ist, destillieren
die Fettsäuren mit den Wasserdämpfen
über, werden in einem Kühler verdichtet und
fließen als helle Flüssigkeit ab, die weiterhin
zu einer weißen Masse erstarrt. Die Spaltung
der Fette in Fettsäuren und Glyzerin kann auch
durch Anwendung von überhitztem Dampf allein,
ohne Beihilfe von Schwefelsäure, erfolgen. Das
S. ist in Tafeln und Täfelchen im Handel, wird
aber meist in den Fabriken gleich zu Kerzen
verarbeitet (s. d.). •— Das flüssige Fett, die
Ölsäure, Stearinöl, Olein (lat. Acidum olei’ni-