Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Süßholz 435 Süßstoffe 
ohne maschinelle Einrichtungen nur schwer zer 
kleinern läßt. Die Güte eines Süßholzpulvers 
wird hauptsächlich nach der Fafbe bewertet. Je 
reiner und intensiver das Gelb ist, als desto 
besser gilt die Sorte. Etwaige Verfälschungen 
lassen sich mikroskopisch und durch die Aschen 
bestimmung leicht erkennen. — Den wertvollsten 
Bestandteil der Süßholzwurzel bildet der Süß 
holzzucker, das Glyzyrrhizin, das sich als 
saures Ammoniumsalz zu 6—7 °/o vorfindet. Es 
ist ein unkristallisierbarer, gelblichweißer Stoff 
von stark süßem Geschmack, der sich beim 
Kochen mit verdünnten Säuren in Traubenzucker 
und eine harzige Substanz spaltet. Daneben ent 
hält die Süßholzwurzel noch Asparagin, Pflanzen- 
eiweiß, Farbstoffe, Zucker, ungefähr 7 0/0 Mineral 
stoffe, Stärke und ein braunes Harz. Das letztere, 
das den kratzenden Nachgeschmack verursacht 
und sich in der russischen Ware nur in sehr 
geringer Menge vorfindet, ist zwar an und für 
sich in Wasser unlöslich, wird aber doch beim 
Auskochen der Wurzel unter Vermittlung der 
übrigen Bestandteile mit ausgezogen. Die S. 
findet ausgedehnte Anwendung in der Pharmazie. 
Die ganze Wurzel wird häufig im Handverkauf 
als „Süßholz in Stangen“ verlangt, die ge 
schnittene ist ein Hauptbestandteil des Brusttees, 
und die gepulverte findet sich im Brustpulver 
(lat. Pulvis liquiritiae compositus) wieder. Letztere 
dient auch als Bindemittel zu Pillenmassen, wäh 
rend das geschnittene S. zur Herstellung des Süß 
holzextraktes, des Süßholzsirups usw. benutzt 
wird. Im allgemeinen gilt das S. als reizlindern 
des, die Tätigkeit der Schleimhäute anregendes, 
geschmackverbesserndes Mittel. — Die verschie 
denen Arzneibücher sind sich nicht einig, ob 
dem spanischen oder dem russischen S. der Vor 
rang gebührt. Während das deutsche Arzneibuch 
nur die Verwendung des letzteren gestattet, 
lassen andere Arzneibücher, z. B. das schweize 
rische und österreichische, beide Arten zu. —- 
Süßholzsaft, Lakritzensaft, Bärendreck 
(lat. Succus seu Extractum liquiritiae seu gly- 
cyrrhizae, frz. Suc ou Jus de reglisse, engl. Juice 
°f liquorice) heißt das durch Auskochen der 
Süßholzwurzel gewonnene Extrakt; es wird in 
allen Anbauländem des S., doch nicht immer 
*n gleich guter Beschaffenheit hergestellt. Be 
sonders Unteritalien, Sizilien, Südspanien und 
Südfrankreich erzeugen große Mengen. Die Ge 
sinnung geschieht in umfangreichen Siedereien. 
Die von den Pflanzern gekauften Wurzeln wer 
den frisch in kürzere Stückchen geschnitten, 
gewaschen, zu Brei zermalmt und in großen 
Kesseln mit Wasser auf freiem Feuer 4—5 Stun 
den ausgekocht. Die von dem Rückstand ab- 
geseihte und abgepreßte Flüssigkeit wird durch 
^bsetzenlassen geklärt und dann in Eisen- oder 
Kupferpfannen eingedampft, zuletzt unter bestän 
digem Umrühren, damit die Masse keine Klümp 
chen bildet, sondern eine gleichförmige Honig 
dicke erlangt. Aus dem Teige werden dann 
'(Unde oder flachgedrückte Stangen von verschie 
dener Länge und Dicke, seltener Kuchen oder 
°rote geformt. Der trockene Süßholzsaft bildet 
Schwarze oder schwarzbraune Stangen oder 
Massen von kurzem, stark glänzendem Bruch 
angenehm süßem Geschmack. Er enthält 
d'e wesentlichen Bestandteile der Wurzel in 
konzentrierter Form, ungefähr iS°/o Glyzyrrhizin, 
5 °/o Zucker, 150/0 gummöse Stoffe und 7 0/0 Mi 
neralbestandteile. Eine gute Ware hat kaum 
mehr als is°/o Wasser und hinterläßt beim Er 
schöpfen mit lauwarmem Wasser höchstens 25 °/o 
unlösliche Stoffe. Bei größerem Rückstand liegt 
der Verdacht vor, daß eine Verfälschung durch 
Stärke oder Mehl stattgefunden hat. Auf etwaigen 
Kupfergehalt prüft man durch Einleiten von 
Schwefelwasserstoff in die salzsaure Lösung 
der Asche, wobei keine Bräunung eintreten 
darf. Der gewöhnliche Süßholzsaft, im Handel 
als roher S. bezeichnet, findet als Brust- und 
Hustenmittel, ferner zu Tabakbeizen und auch 
wohl als Wasserfarbe Verwendung und dient vor 
allem zur Herstellung des gereinigten S. Die 
meist zylindrischen, etwa 15—20 mm dicken, 
10—15 cm langen Süßholzsaftstangen des Han 
dels stammen aus Unteritalien, Kalabrien, Sizi 
lien, Frankreich, Spanien und Südrußland und 
sind fast stets auf der Längsseite mit dem Ur 
sprungs- und Fabrikstempel versehen. Die Ver 
sendung geschieht in Kisten, mit Lorbeerblättern 
als Packmaterial, Nur Rußland verwendet Eichen 
blätter zur Verpackung. Die französische Ware 
bildet dünne Stengel, zu je 100 Stück, in Papp 
kasten von 1 kg verpackt. Kalabreser Lakritzen 
gelten auch heute noch als bevorzugte Sorte. 
Am höchsten wird die Marke Barracco ge 
schätzt, dann folgen die Marken: P, S. (Principe 
di Salerno), Martucci, Policoco, Corgiliano, Cas- 
sano und andere. Die beste französische Ware 
trägt den Stempel E. B. 60. Beim Einkauf der 
gezeichneten Stangemlakritzen ist genau auf den 
Namen zu achten, da manche Erzeuger (den 
selben mit geringen Abänderungen nachahmen. 
Die dünnen, unbezeichneten Stangen, die in 
Deutschland im Kleinhandel verkauft werden, 
sind größtenteils deutschen Ursprungs. — Der 
gereinigte Lakritzensaft (lat. Succus liqui 
ritiae depuratus) wird aus den gewöhnlichen 
Stangenlakritzen durch kaltes Ausziehen mit 
Wasser und Eindampfen der klaren Flüssigkeit 
bereitet. Zu diesem Zwecke schichtet man in 
einem Holzfaß abwechselnde Lagen von aus 
gewaschenem Stroh und Lakritzenstangen über 
einander, füllt mit Wasser auf und läßt mehrere 
Tage stehen, worauf man die Lösung abzapft 
ünd in gleicher Weise noch einen Auszug ent 
nimmt. Die durch Kolieren geklärten Auszüge 
werden im Wasserbade bis zum dicken Extrakt 
eingedampft. Zur Gewinnung von Lakritzen 
pulver setzt man das Eindampfen noch weiter 
fort, zieht die zähe Masse zu Bändern aus, trock 
net diese bei gelinder Wärme völlig und pulvert 
sie dann. Das kaffeebraune Pulver, das sehr 
hygroskopisch ist, wird in gut verschlossenen 
Gläsern aufbewahrt. Der gereinigte Süßholz 
saft stellt ein braunes, in Wasser klar lösliches, 
dickes Extrakt dar, das in den Apotheken zur 
Herstellung von Plustenmixturen, Brustelixier, 
gereinigten Stangenlakritzen. Lakritzentäfelchen, 
Cachou usw. vielfache Verwendung findet, wäh 
rend das gereinigte Lakritzenpulver einen Haupt 
bestandteil der Salmiakpastillen bildet. 
Süßstoffe. Als künstliche Süßstoffe faßt man 
eine Anzahl von Stoffen zusammen, die auf 
chemisch-synthetischem Wege künstlich hergestellt 
werden und eine höhere Süßkraft als raffinierter
	        
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