Terpinhydrat
448
Theobromin
für manche Zwecke verwendbar sind. Sie ver
ringern .aber wegen zu großer Flüchtigkeit die
Haltbarkeit der Lackanstriche und haben den
Nachteil des üblen Geruchs und der -Feuer
gefährlichkeit. Zu ihrem Nachweise genügt die
Bestimmung des spez. Gew., des Entflammungs
punktes und besonders der Refraktion, — Da die
Einfuhr von amerikanischem und französischem
T. in den letzten Jahren den Bedarf nicht decken
konnte und eine ungewöhnliche Preissteigerung
die Folge war, die Schwierigkeiten im Laufe
des Krieges durch die mangelnden Zufuhren
naturgemäß noch zltnahmen, sind in Deutsch
land und Österreich zahlreiche Versuche zur
Steigerung der eigenen Erzeugung gemacht wor
den. Die Einführung des Flaschenverfahrens
zur Gewinnung des Harzes und die Extraktion
des kiefern- (Stubben-) Holzes haben die inlän
dischen Ertragsziffern zwar bedeutend erhöht, es-
erscheint aber zweifelhaft, daß der ungefähr
300000 dz betragende Bedarf im Inlande ge
deckt werden kann. — Außer dem französischen
und amerikanischen T. ist das deutsche (rus
sisch-polnische) T., das richtiger als Kien
öl (lat. Oleum pini, seu terebinthinae germani-
cum, frz. Essence de pin, engl. Pine oil) be
zeichnet wird, eine wichtige Handelsware. Es
wird bei der Teerschwelerei aus dem Wurzel
holze der Kiefer, Pinus silvestris, ge
wonnen, zeigt eine gelbliche Farbe, sowie ziem
lich starken, unangenehmen Geruch und trocknet
nicht so schnell wie amerikanisches oder fran
zösisches T. Das Kienöl ist daher zum Mischen
mit Lacken nicht geeignet, für Ölfarben nur,
wenn es sich um äußere VVnstriche handelt,
da sein Geruch zu unangenehm wirkt. Es
kommt aus Polen, Ostpreußen und Österreich
in den Handel. — Des weiteren seien noch
spanisches, griechisches, österreichi
sches, 1 venetianisches und indisches
T. als besondere Sorten genannt. Das spani
sche T. stimmt mit dem französischen überein
und hat neuerdings an Bedeutung gewonnen.
Das griechische T„ aus dem Terpentin det
Aleppoföhre, Pinus halepensis Miller, ist
durch starke Rechtsdrehung ausgezeichnet («u
etwa -{-40°). Das österreichische (Neustädter)
T. stammt von der Schwarzkiefer, Pinus
Laricio Poiret, das venetianische vom
Lärchenbaum und. das indische von Pinus
longifolia Roxb. Im Gegensatz'zu den übrigen
Terpentinölsorten enthält das indische T. nur
wenig Pinen, dagegen als Hauptbestandteil Syl-
vestren. — Dem Terpentinöl verwandte öle sind:
1. Templin- oder Edeltannenzapfenöl, das
aus den Zapfen von Abies alba Milk ge
wonnen wird (lat. Oleum templinum, frz. Essence
de templinum, engl. Templin oil). Als Her
kunftsländer kommen die Schweiz und Thüringen
in Betracht. Es hat ein spez. Gew. von 0,851
bis 0,87,0 und eine Drehung von —60 bis ■—84°
und besteht zum größten Teil aus Linkslimonen.
2. Edeltannennadelöl siehe unter Tannen
nadelöl. 3. Latschen- oder Krummholzöl
(s. d.). 4. Fichtennadel- oder Kiefernnadel-
pl (s. d.). Diese vier Öle werden mehr in der
Parfümerie und als Einreibungsmittel verwandt.
Terpinhydrat (lat. Terpinum hydratum, frz.
Terpine hydratde, engl. Terpin Hydrate), C 10 H 18 .
(OH) 2 .H 2 0, nennt man die farblose, durchsich
tige und geruchlose Kristallmasse, die sich bei
längerem Stehen aus einer Mischung von Ter
pentinöl, wasserhaltigem Alkohol und Salpeter
säure abscheidet. Das T. schmilzt bei 116—117 0 |
und geht dabei unter Verlust von Wasser in
weißes kristallinisches Terpin über. Man ver
wendet es seit einiger Zeit medizinisch bei Lungen
affektionen und Diphtherie.
Terra, die lateinische Bezeichnung für Erde,
wird im Drogenhandel für folgende Stoffe ge
braucht, die jedoch nicht immer Erden im ge
wöhnlichen Sinne des Wortes sind: T. japonic.a,
ein Pflanzenstoff, s. Katechu; T. di Siena,
s. Sienaerde; T. tripolitana, s. Tripel; T.
viridis, Grüne Erde.
Terrakotten sind aus gewöhnlichem, doch fein
bearbeitetem Ton gebrannte, unglasierte Stein
gutwaren von künstlerischer Ausführung, die we
niger zum Gebrauch in Haushaltungen, sondern
mehr zur Verzierung von Gebäuden. Gärten usw.
dienen. Schon in der römischen und vorrömi
schen Zeit (etruskische Vasen) sowie später im
15. und 16. Jahrhundert stand dieser Zweig des
Kunstgewerbes in hoher Blüte, doch hat man
sich ihm auch in neuerer Zeit wieder mit einer
gewissen Vorliebe zugewandt. Die T. finden
nicht nur als Bauverzierung häufige Verwendung,
sondern auch, selbständige Figuren und ganze
Gruppen, bis zu lebensgroßen Statuen und Tier
stücken, große Vasen und Kandelaber werden
vielfach in T. hergestellt. Die Farbe ist, je
nachdem der Ton sich brennt, dunkler oder
heller braun, gelblich oder ganz weiß.
Tetrapol ist eine tetrachlorkohlenstoffhaltige
Seife.
Teufelsabbiß Wurzel (lat. Radix morsus diaboli
s. succisae, frz. Racine de succise, engl. Succise
root), der dunkelbraune mit Seitentrieben be
deckte Wurzelstock der in Europa heimischen
Komposite Succisa pratensis, der 3—5 cm
lang und 1 cm dick wird, enthält Gerbstoff und
findet in der Volksmedizin gegen Durchfall Ver
wendung.
Thallin (Tetrahydroparachinanisol), C 9 -
H]oN(OCH 3 ), wird durch Erhitzung von Par-
amido- und Paranitroanisol mit Glyzerin und
Schwefelsäure auf 150° .und Reduktion des bei
der Destillation mit Wasserdämpfen übergehen
den Parachinanisols mit Zinn und Salzsäure
dargestellt. Es bildet eine farblose ölige Flüssig
keit von kumarinähnlichem Geruch, die sich in
Wasser, Alkohol und Äther löst und sich mit
Eisenchlorid tiefgrün färbt. Das Thallinsulfat
(lat. Thallinum sulfuricum, frz. Sulfate thalli-
nique, engl. Thalline .Sulphate), ein nach Kuma
rin riechendes, gelblichweißes Pulver von säuer
lich-salzigem und gleichzeitig bitterlich-gewürz-
haftem Geschmack sowie das ganz ähnliche
weinsaure Salz, Thallintartrat (lat. Thallinum
tartaricum, frz. Tartrate thallinique, engl. Thal-
line Tartrate), dienten einige Zeit als Chininersatz,
werden wegen ihrer Giftigkeit aber jetzt nur
noch als Antiseptikum bei Tripper angewandt-
Beide müssen vor Licht geschützt aufbewahrt
werden.
Theobrotnin, der anregende Bestandteil des
Kakaos, ist dem Koffein (Teein) nahe verwandt
und in chemischer Hinsicht als Dimethyl'