Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Trüffeln

460

Türkis

kennzeichnenden  Geruch  und  Geschmack.  Es
enthält  8,580/0  Wasser,  89,350/0  Stickstoffsubstanz, ­
  0,980/0  Asche  und  Spuren  Fett  und  stickstofffreie ­
  Extraktstoffe  und  ist  daher  als  fast
reines,  aber  unlösliches  Eiweiß  zu  bezeichnen.
Der  mikroskopischen  Untersuchung  zufolge  besteht ­
  es  zu  etwa  Vg  aus  Muskelfasern,  während
2 /s  pflanzlichen  Ursprungs  sind.  T.  wird  für  sich
allein  und  im  Gemisch  mit  Kakao  oder  Suppenmehlen ­
  als  Kräftigungsmittel  benutzt.  Seiner
Verwendung  zur  Hebung  des  Eiweißverbrauchs
der  minderbemittelten  Bevölkerungskreise  steht
der  verhältnismäßig  hohe  Preis  entgegen.
Trüffeln  (frz.  Truffes,  engl,  Truffles)  bilden
eine  artenreiche  Gattung  unterirdisch  wachsender ­
  Pilze  (Tuber),  von  denen  mehrere  als
Speisepilze  geschätzt  werden.  Die  eßbaren  T.
kommen  in  Laubwäldern  vor  und  finden  sich
alljährlich,  oft  zu  Kreisen  angeordnet,  an  bestimmten ­
  Stellen,  sog.  Trüffelplätzen  (Truft
  ihr  es),  besonders  im  mittleren  und  südlichen
Frankreich  (Perigord  und  Poitou,  Departement
Dordogne,  Vaucluse,  Lot,  Drome).  Sie  lieben
mageren,  kalkhaltigen  Boden  sowie  mittleres,
nicht  zu  heißes  Klima  und  sind  an  das  Vorkommen ­
  gewisser  Bäume,  wie  Eichen  und
Buchen,  gebunden.  Die  Trüffeln  gehören  mit
zur  Jagdberechtigung  und  werden  mit  Hilfe  besonders ­
  abgerichteter  Jagdhunde  oder,  in  Frankreich, ­
  mit  Schweinen  aufgesucht.  Man  unterscheidet ­
  die  T.  nach  der  Farbe  in  schwarze  und
weiße  T.  Die  wichtigste  Sorte,  die  schwarze
oder  Winter-T.,  ist  von  schwarzbrauner  Farbe
und  erscheint  auf  dem  Durchschnitt  wie  marmoriert ­
  und  mit  rötlichen  bis  violetten  oder  rotbraunen ­
  Adern  durchzogen.  Die  weichen,  warzigen ­
  Knollen  erreichen  Walnuß-  bis  Apfelgröße. ­
  Am  geschätztesten  sind  Stücke  mit
einem  Gewichte  bis  zu  30  g.  Als  Unterabteilungen ­
  unterscheidet  man  I.  die  Muskat-Winter-T.
  aus  Perigord  und  der  Provence  mit  länglichrunden, ­
  warzigen  Knollen,  grausphwarzem,
weißlich  geadertem  Fleische,  rostbraunen  Keimkörpem
  und  moschusartigem  Geruch  und  Geschmack, ­
  2.  die  rostbraune  T.  aus  der  Champagne, ­
  Poitou,  Bourgogne  und  Oberitalien  mit
kleineren,  nußgroßen  Knollen  und  rostrotem,
wenig  geadertem  Fleisch.  Die  Marder-T.  besitzt ­
  ein  schwarzes,  wenig  warziges  und  stark
geadertes  Fleisch  mit  braunen  Keimkörpern  und
auffallendem  Geruch  nach  Bierhefe.  Die  weiße
Wintertrüffel  hat  ungeadertes  weißes  Fleisch
mit  roten  Keimkörpern,  die  weiße  Sommertrüffel ­
  marmoriertes  weißes,  später  ockerfarbiges ­
  und  gräuliches  Fleisch,  die  italienische ­
  oder  Sommertrüffel  endlich  glatte,  unregelmäßige ­
  Knollen  von  graugelber  bis  ockeriger
  Farbe  und  knoblauchartigem  oder  käsigem
Geruch.  Im  allgemeinen  erntet  man  die  Wintertrüffeln ­
  im  November  bis  Februar,  die  Sommertrüffeln ­
  von  Juli  und  September  an.  DieT.
werden  getrocknet  in  Fässer  oder  in  Papier  verpackt ­
  oder  in  Wein  gekocht  und  dann  in  Öl
eingemacht  in  den  Handel  gebracht.  Frische
T.  halten  sich  in  Sand  oder  Erde  in  guten  Kellern
länger  als  14  Tage.  Hinsichtlich  ihres  Nährwertes ­
  gilt  das  unter  „Pilze“  Gesagte.  Als  Verfälschungen ­
  hat  man  Beimischungen  von  Bovistscheiben ­
  beobachtet,  die  aber  an  ihrem  weißen

Rand  und  ihrem  blauschwarzen,  nicht  marmorierten ­
  Fleische  kenntlich  sind.  Weiter  werden
beschädigte  T.  mit  brauner  Erde  eingerieben
oder  durch  Eindrücken  von  Steinen  beschwert.
Trunksuchtmittel  sind  Schwindelerzeugnisse
meist  ausländischen  Ursprungs,  die  Enzian,
Brechweinstein  u.  dgl.  enthalten.
Tschuchiakabi,  eine  aus  Japan  stammende
Droge,  besteht  aus  der  Kapselfrucht  einer
Orchidee  und  wird  als  wirksameres  Ersatzmittel ­
  für  Kubeben  und  Kopaivabalsam  empfohlen. ­

Tuben  nennt  man  aus  Zinn  oder  dessen  Legierungen ­
  hergestellte,  röhrenförmige  Behälter,
meist  mit  Schraubenverschluß,  die  zur  Aufnahme
von  Farben,  Pasten,  Salben  usw.  dienen.  Dadurch, ­
  daß  man  den  Inhalt  durch  den  Deckel
wieder  fest  von  der  Luft  abschließen  kann,
eignen  sie  sich  namentlich  für  solche  Zuberei-'«
tungen,  die  leicht  verdunsten,  verharzen  oder
sonstwie  verderben.  Sehr  gut  bewährt  habensich ­
  auch  die  neuerdings  aus  Pergamentpapier
hergestellten  sog.  Kampratuben.
Tuberosenöl  (lat.  Oleum  tuberosae,  frz.  Essence
de  tubereuse,  engl.  Tuberose  oil).  Unter  diesem
Namen  kommt  ein  durch  Extraktion  der  Tuberosenblüten ­
  mit  Petroläther  oder  noch  besser
ein  nach  dem  Enfleurageverfahren  gewonnener
Riechstoff  in  den  Handel.  Die  aus  Ostindien
stammende  Tuberose  (Polianthes  tuberosa),
eine  Pflanze  aus  derFamilie  der  Amaryllidazeen,,
enthält  in  den  lilienähnlichen  Blüten  ein  sehr
feines  Aroma,  das  in  der  Parfümerie  zur  Herstellung ­
  verschiedener  Extraits  mitverwendet
wird.
Tuberkulin  (lat,  Tuberculinum).  Das  von
Koch  als  Mittel  gegen  Tuberkulose  in  die  Medizin ­
  eingeführte  T.  besteht  aus  dem  Glyzerinauszuge
  der  Reinkulturen  abgetöteter  Tuberkelbazillen ­
  und  kommt  als  eine  klare,  braune
Flüssigkeit  von  aromatischem  Geruch  und  alkalischer ­
  Reaktion  in  amtlich  versiegelten  Fläschchen ­
  zum  Verkauf.  Da  es  das  Befinden  der
Kranken  vielfach  zu  verschlechtern  scheint,  wird
es  bei  Menschen  kaum  noch  angewandt,  findet
aber  ausgedehnte  Verwendung  zur  Prüfung  von
Kühen  auf  Tuberkulose.  T.  darf  von  den  Apotheken ­
  zu  Heilzwecken  nur  auf  ärztliche  Verordnung ­
  abgegeben  werden.
Tuchrot,  ein  im  Jahre  1879  in  den  Handel  gebrachter ­
  Azofarbstoff  zum  Färben  von  Wolle,
findet  sich  in  zwei  Arten,  G  und  B.  Ersteres,.
ein  rotbraunes,  in  Wasser  ziemlich  schwer
lösliches  Pulver,  besteht  aus  dem  Natronsalze
der  Amidoazobenzol  -  a  -  naphtolsulfosäure,  die
Sorte  B,  ein  dunkelbraunes,  in  Wasser  mit  fuchsinroter ­
  Farbe  lösliches  Pulver,  aus  dem  Natronsalze ­
  der  Amidoazotoluolazonaphtholsulfosäure-‘
  Türkis,  ein  amorpher  und  undurchsichtiger
Schinuckstein  dritten  Ranges,  ist  trotz  seiner  geringen ­
  Härte  (6)  und  des  nur  schwachen,  wachsartigen ­
  Glanzes,  wegen  seiner  schönen  himmelblauen, ­
  mitunter  grünblauen  Färbung  recht  beliebt ­
  und  wird  der  angenehmen  Gegenwirkung
halber  gern  neben  Diamanten  und  Perlen  verwendet. ­
  Das  in  derben,  nierenförmigen  Stücken
auftretende  Mineral  besteht  aus  wasserhaltiger
phosphorsaurer  Tonerde  mit  einem  geringen
Gehalt  an  phosphorsaurem  Kupfer  und  Eisen,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.