Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

nisse aber die deutliche Kennzeichnung „Ton- 
waschmittel“ tragen. Von einem näheren Ein 
gehen auf diesen Gegenstand kann abgesehen 
werden, weil alle vorgenannten Kriegserzeug 
nisse mit Eintritt normaler Verhältnisse zweifel 
los wieder verschwinden und den altbekannten 
W. aus Seife, Soda, Borax usw. den Platz 
räumen werden. 
Wasser. Obwohl einer der unentbehrlichsten 
Stoffe für Industrie und Haushalt und meist 
als freies, gemeinsames Besitztum aller Men 
schen angesehen, bildet das W. doch vielfach 
auch einen wichtigen Gegenstand des Handels 
und ist daher an dieser Stelle einer kurzen Be 
sprechung zu unterziehen. Chemisch reines W., 
HpO, d. h. eine Verbindung von einem Ge 
wichtsteil Wasserstoff und acht Gewichtsteilen 
Sauerstoff, die durch Elektrolyse und Reduk 
tion in ihre Einzelbestandteile zerlegt wird, fin 
det sich in der Natur nicht vor, sondern kann 
nur auf chemischem Wege, u. a. durch Ver 
brennen von Wasserstoff in Sauerstoff, herge 
stellt werden; fabrikmäßig erzeugt man es 
durch Destillation des natürlich vorkommenden 
Wassers. Von letzterem stellt das Regen- und 
Schneewasser die reinste Form dar, weil es 
nur etwa 3 Vol.-o/o fremder, gasförmiger Be 
standteile (Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensäure) 
aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Fluß- 
und Quellwasser enthält wechselnde Mengen 
von Mineralstoffen, hauptsächlich Kalk- und 
Magnesiasalze, die es auf seinem Wege durch 
die Bodenschichten aufgelöst hat. Wässer mit 
hohem Gehalte an diesen Stoffen, sog. harte 
W'., sind für viele Zwecke der Technik weniger 
geeignet als weiche W. Die Mineralwässer, 
die sich durch große Mengen gelöster fester 
und gasförmiger Beimengungen auszeichnen, 
sind in einem besonderen Aufsatze besprochen. 
Das reine W. ist in allen drei Aggregatzustän 
den, als Dampf, flüssiges W. und Eis oder 
Schnee bekannt. In flüssigem Zustande ist es 
in dünneren Schichten farblos, in dickeren hin 
gegen blau. Seine größte Dichte hat es bei 
-)-4 0 und dehnt sich sowohl beim Erwärmen 
wie beim Abkühlen aus. Das Gewicht eines 
Kubikzentimeters Wasser bei —j— 4 0 wird als 1 g 
bezeichnet. Als Plandelsware kommen nur Trink 
wasser und destilliertes W. in Frage. 1. Trink 
wasser. Die Beschaffung einwandfreien Trink 
wassers gehört zu den wichtigsten Aufgaben 
der Gesundheitsbehörden, und zwar hauptsäch 
lich der Gemeindeverwaltungen. Als grund 
legende Anforderungen an ein gutes Trinkwasser 
können folgende angeführt werden: W. soll 
klar, farblos und geruchlos sein und keinen 
fremdartigen Beigeschmack besitzen. Die Tem 
peratur muß für unsere Verhältnisse etwa der 
mittleren Jahrestemperatur entsprechen, mög 
lichst beständig sein und möglichst unter 12 0 
liegen. Das Wasser darf innerhalb 24 Stunden 
keinen nennenswerten Bodensatz liefern, auch 
ist im Hinblick auf die meisten Verwendungs 
zwecke eine zu hohe klärte unerwünscht. Die 
wichtigste Forderung ist aber, daß es nicht 
durch Zuflüsse menschlicher oder tierischer Ab 
fallstoffe verunreinigt wird und möglichst wenig 
Bakterien enthält. Der letzten Voraussetzung 
entspricht ohne weiteres fast nur das Grund 
wasser, das neuerdings von den meisten Ge 
meinden zur Wasserversorgung herangezogen 
wird. Reines Grundwasser aus nicht verunrei 
nigten Bodenschichten enthält bei tadelloser 
Anlage im allgemeinen weniger als 50 Keime 
in 1 ccm und ist vielfach sogar völlig keimfrei. 
Das von einigen Großstädten herangezogene 
Oberflächenwasser aus Flüssen und Talsperren 
muß durch Filtrationsanlagen vorerst keimfrei 
gemacht werden. In beiden Fällen ist bei eisen 
haltigem W. eine Entfernung des Eisens durch 
Lüftungsanlagen erforderlich. Zur völligen Klä 
rung des W., die für gewisse pharmazeutische 
und technische Zwecke (Herstellung photo 
graphischer Trockenplatten) unentbehrlich ist, 
bedient man sich besonderer Filtrierapparate 
nach Berkefeld (mit Infusorienerde), oder der 
mit feinen Asbestnädelchen (Mikrolithen) ge 
füllten Beyerschen Mikromembranfilter, 
oder der aus unglasiertem Porzellan hergestell 
ten Chamberlandschen Filterkerzen und 
anderer Einrichtungen. Im Hinblick auf die 
bleilösenden Eigenschaften vieler Wässer sind 
Leitungsröhren aus Blei in vermeiden. Aus der 
Tatsache, daß Trinkwasser ein Gegenstand des 
Handels und ein Nahrungsmittel ist, folgt in 
Übereinstimmung mit dem aufsehenerregenden 
Urteil des Landgerichts in Gelsenkirchen, daß 
ein Zusatz von unfiltriertem Flußwasser eine 
strafbare Verfälschung darstellt. 2. Destillier 
tes W. (lat. Aqua destillata. Aqua stillatitia, 
frz. Eau distillöe, engl. Destilled water) muß 
von den gewöhnlichen Verunreinigungen des 
Trinkwassers, Salzen und Gasen, praktisch frei 
sein. Zu seiner Herstellung versetzt man 
das W. zur Bindung von Ammoniak mit etwas 
Alaun und destilliert, indem man die ent 
stehenden Dämpfe zunächst xo Minuten lang, 
ohne zu kühlen, entweichen läßt. Nach Anstel 
lung des Kühlwassers prüft man das Destillat 
so lange mit Silbernitrat, bis es völlig chlorfrei 
ist, und fängt erst dann auf. Um das spätere 
Abspalten von Salzsäure aus etwa vorhandenem 
Magnesiumchlorid zu verhindern, ist es zweck 
mäßig, etwas Natriumphosphat in die Destillier 
blase zu schütten. Zur Beseitigung eines an 
haftenden Geruchs filtriert man schließlich über 
Holzkohle. Reines destilliertes W. muß ohne 
Rückstand verdampfen. Es darf mit Neßlers 
Reagens keine Gelbfärbung (Ammoniak), mit 
Silbernitrat kein Opaleszenz (Chlor) und mit 
Kalkwasser keine Trübung zeigen (Kohlen 
säure). Beim Erhitzen von 100 ccm W. mit 
x ccm Schwefelsäure und 0,3 ccm Kaliumper 
manganatlösung (1:1000) muß die rote Farbe 
bestehen bleiben, da sonst zuviel organische 
Stoffe vorhanden sind. Das destillierte W. wird 
in großen Glasballonen verschickt und muß gut 
verschlossen und, vor Sonnenlicht geschützt, kühl 
aufbewahrt werden. Es findet in der Chemie 
und Pharmazie ausgedehnte Anwendung als 
Lösungsmittel. 
Wasserfenchel (Roßfenchel, Pferdefen 
chel, Pferdekümmel, lat. Fructus phellandrii 
seu foeniculi aquatici, frz. Fruits de phellandrie, 
engl. Water fennel seeds), die getrockneten 
Früchte einer in Sümpfen und Gräben wach 
senden Umbellifere, Oenanthe Phellan- 
drium, besteht aus länglichen, nach obenhin 
41.
	        
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