Wollengarne
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Wundklee
schaffen sind. Schließlich soll auch das einzelne
Haar an allen Stellen möglichst gleich dick
(„treu“) sein, da ein ungleichmäßig dickes und
gekräuseltes, sog. „zweiwüchsiges“, Haar we
niger wertvoll ist. Die beste W. sitzt auf den
Schulterblättern sowie an den Seiten des Leibes
und den Keulen. Unter „Stapel“ versteht man
den Bau des Vlieses und die Faserlänge (kurz-
oder langstapelig). Nach der Herkunft unter
scheidet man Rittergutswolle, von mehr oder
weniger veredelten, und Bauernwolle, von ge
wöhnlichen Landschafen. Die erstere wird meist
wieder in hochfein, fein und mittelfein ein
geteilt. Die meisten Schafe werden nur einmal
im Jahre, um Pfingsten, geschoren und liefern
die sog. Einschurwolle. Langwollige Schafe
werden hingegen zweimal geschoren, und zwar
Ende März (Winterwolle) und Ende September
(Sommerwolle). Ferner werden getrennt ge
halten: die feine seidenartige Lamm wo Ile von
einjährigen Schafen, die von Weißgerbern ge
lieferte Gerberwolle, die meist mit Kalk ver
unreinigt, aber zum Spinnen noch gut brauchbar
ist. und endlich, als schlechteste, die Sterbüngs-
wolle von krepierten Schafen. — Die W. kommt
meist gewaschen auf den Markt, und zwar wird
in Deutschland gewöhnlich die sog. Rücken- oder
Pelzwäsche am lebenden Tiere bei warmer trock-
ner Witterung in- weichem Fluß- oder Teich
wasser vorgenommen, während man in Spanien
vielfach das abgetrennte Vlies wäscht. Zur Er
leichterung des Waschens finden bisweilen Seifen
wurzel oder Quillayarinde Anwendung, wodurch
die W. 20—70 0/0 an Gewicht verliert. Der Ab
gang besteht aus Staub, Schmutz und dem sog.
Wollschweiß, einer in Wasser löslichen natür
lichen Kaliseife. Die weitere Verarbeitung der
W. nach dem Scheren besteht dann in einem
Kochen mit Soda und Seife, sowie in einer Be
handlung mit Tetrachlorkohlenstoff, wodurch das
Wollfett entfernt wird, und schließlich bisweilen
in einem Bleichprozeß mit schwefliger Säure.
Das sog. Karbonisieren, d. h. eine Erwärmung
mit Salzsäure, Chlorsäure, Aluminiumchlorid, be
zweckt die Zerstörung pflanzlicher Verunreini
gungen. — Die reine Wollenfaser erscheint unter
dem Mikroskope in Form sehr dicker Fäden mit
rundem Querschnitt und dachziegelförmigen Haut
schuppen, aber ohne inneren Hohlraum, und
kann daher von anderen Faserstoffen leicht
unterschieden werden. Zur quantitativen Bestim
mung pflanzlicher Beimengungen, besonders der
Baumwolle, bedient man sich der vom Bundes
rate vorgeschriebenen Methode, welche auf der
Unlöslichkeit der Baumwolle in Natronlauge
beruht.
Wollengarne zerfallen in die zwei Plaupt-
klassen Streichgarn (frz. Fil de la laine
cardee, engl. Cardet wool-garn) und Kamm
garn (frz. Fil de laine peignöe, engL Combed
wool-garn). Zu Streichgarn verwendet man kurze,
stark gekräuselte, zu Kammgarn möglichst lange,
schlichte oder nur schwach gekräuselte Wolle.
Hiernach und infolge der verschiedenen Behand
lung erscheint das Streichgarn im Faden weich,
rauh und wollig und dient zur Herstellung tuch
artiger, gewalkter Stoffe, während das Kammgarn
glatt, dichter von Körper ist und zu glatten
Zeugen gebraucht wird. Für Streichgarn wird
die gereinigte, auf Maschinen gelockerte und mit
Öl gefettete Wolle durch Krempel zunächst in
wattenartige Tafeln und dann in schmale Bänder
verwandelt, die sogleich zu losen, runden Fäden
zuSammengerolIt werden. Diese Lunte kommt
auf die Feinspinnmaschine oder passiert vorher
erst eine Vorspinnmaschine. — In der Kamm
garnspinnerei wird die Wolle nach gleichartiger
Vorbereitung gestreckt und dupliert und hierauf
der Kämmaschine übergeben, welche die kurzen
Fasern als Kämmlinge ausscheidet, während die
langen Fasern den Zug bilden. Die Kämmlinge
kommen mit zur Streichwolle. Je nach der Be
stimmung der Garne unterscheidet man Ketten
garn und Schußgarn. — Wird lange Wolle
nicht gekämmt, sondern nur gekratzt, im übrigen
aber wie Kammwolle weiter behandelt, so ent
steht das Halbkammgarn, das als Stick-,
Tapisserie- und Strumpfwirkergarn vielfach
Verwendung findet. Es ist billiger als Kamm
garn, und da lange und kurze Fasern nebenein
ander liegen, weniger glatt und fest.
Wollkraut (lat. Folia s. Herba verbasci, frz.
Feuilles de molene, engl. Mullein leaves) nennt
man die weichen, wolligen Blätter der in Europa
und Mittelasien heimischen Skrophulariazee
Verbascum Thapsus, die wegen ihres Ge
haltes an Schleim und Bitterstoff als Brusttee
Verwendung finden. Außer den Blättern werden
auch noch die Blüten, Königskerzenblüten
(s. d.), gesammelt.
WoIIscharlach, ein seit 1884 im Handel be
findlicher Teerfarbstoff, besteht aus dem Na
tronsalz der Xylidinazoalphanaphtoldisulfosäure.
Das braunrote, in Wasser mit gelbroter Farbe
lösliche Pulver färbt Wolle im sauren Bade gelb
lichrot.
WoIIschwarz, ein 1885 entdeckter Azofarb
stoff, besteht aus dem Natronsalze des Amidoazo
benzoldisulfosäureazoparatolylbetanaphtylamins.
Das blauschwarze, in Wasser mit violetter Farbe
lösliche Pulver färbt Wolle im sauren Bade blau
schwarz.
Wollstaub, in Staubform verwandelte, ver
schiedenartig gefärbte Wolle, dient zum Velou-
tieren von Tapeten.
Worcestershire Sauce. Zur Herstellung dieser
bekannten Speisewürze verwendet man ein Ge
misch von 7,0 g Piment, 3,5 g Gewürznelken, 3,5 g
schwarzem Pfeffer, 3,5 g Ingwer, 30,0 g Curry
Powder, 3,5 g Paprika, 60,0 g Senfsamen, 60,0 g
Schalotten, 60,0 g Salz, 40,0 g Zucker, 120,0 g Ta
marinden, 570,0 g Sherry, 1140,0 g Weinessig.
Die frisch zerkleinerten Gewürze werden eine
Stunde lang mit dem Essig gelinde gekocht,
darauf gibt man den Wein sowie etwas Karamel
hinzu, läßt eine Woche stehen, seiht die Flüssig
keit durch und füllt sie auf Flaschen,
Wundklee (Tannen-, Katzenklee, Berufs-,
Brust-, Katzenkraut, Wollblume), die be
kannte Papilionazee Anthyllis vulneraria,
wächst wild auf Kalk- und Mergelboden und wird
zum Anbau als Futterpflanze empfohlen. Er ist
unempfindlich gegen Kälte und Frost, verlangt
aber gute Bodenvorbereitung und wird besonders
da gebaut, wo Rotklee nicht mehr sicher fort
kommt. Die ausdauernde Pflanze wird bis 60 cm
hoch, hat liegende und aufsteigende Stengel,
langgestielte, länglich eiförmige untere, gefiederte