Zellulose
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Zement
Kämme, Billardbälle, Manschetten, Halskragen,
Schirmgriffe, Pferdegeschirre, photographischer
Films usw., benutzt worden kann. Besonders
eigneres sich für künstliche Korallen. Zur Herstellung
des Z. löst man Dinitrozellulose in geschmcilzenem
Kampfer, indem man mit hydraulischen
Pressen einen starken Druck bei einer
durch Dampf erzeugten Temperatur bis zu 130 0
ausübt. Die frisch aus den Apparaten kommende
Masse ist nach dem Erkalten durchscheinend
und hornartig und wird erst durch Zusatz verschiedener
pulverförmiger Stoffe undurchsichtig.
Die aus Z. gefertigten Gegenstände haben den
Übelstand, daß sie sich bei Annäherung einer
Flamme bzw. bei der Vorführung in Lichtspieltheatern
durch Überspringen elektrischer Funken
sehr leicht entzünden und dann schnell verbrennen.
Auch besitzen sie einen schwachen
Kampfergeruch. Zur Vermeidung des letzteren,
sowie der Explosionsgefahr hat man zahlreiche
Ersatzstoffe für Kampfer in Vorschlag gebracht.
Zellulose (Cellulose, Zellstoff) im chemischen
Sinne nennt man die Verbindung von
der Zusammensetzung der Kohlenhydrate, C 6 .
H 10 O 6 , die entweder für sich allein oder im Gemenge
mit anderen Stoffen die Wandung der
Pflanzenzellen bildet. In reinem Zustande und
"geringerer Menge findet sie sich in den jungen,
zarten Geweben, reichlicher in älteren, harten
Pflanzenteilen, wie den Stämmen der Bäume,
dem Stroh und den Steinfrüchten. Zur fabrikmäßigen
Darstellung der Z. geht man meist von
dem Holze aus, das aber mit erheblichen Mengen
Lignin inkrustiert ist und daher einer chemischen
Behandlung unterworfen werden muß. Nach
dem älteren sog. Natronverfahren wird das
von der Rinde befreite und in Scheiben geschnittene
Holz in schmiedeeisernen Kesseln bei 6—10
Atmosphären Druck 2—3 Stunden lang mit
8 0/0 iger Natronlauge gekocht, darauf nach dem
Ablassen der braunen Lauge mit Wasser gewaschen
und schließlich im Bleichholländer gebleicht.
Eine wesentliche Verbesserung bedeutete
das von A. Mitscherlich u. a. ausgearbeitete
Sulfit-Zellulose-Verfahren, das auf der Behandlüng
des in Scheiben geschnittenen Holzes
mit einer sauren Kalziumsulfitlösung beruht. Die
erforderliche Sulfitlauge wird von den Z.-Fabriken
selbst durch Einwirkung von schwefliger Säure
auf Kalziumkarbonat und Wasser in auffallenden,
turmartigen Anlagen hergestellt und dann in
die verbleiten Kochapparate geleitet, in denen
sich das bereits vorher gedämpfte Holz befindet.
Man erhitzt bei etwa drei Atmosphären Druck
längere Zeit (1—2 Tage) auf 108—118 0 und
wäscht dann mit Wasser aus. Neuerdings hat
man auch mit Erfolg versucht, Z. mit Hilfe der
Elektrolyse zu gewinnen, indem man das Holz
in Kochsalzlösung bringt und den elektrischen
Strom hindurchleitet. — Neben dem Holz hat
nur noch das Espartogras eine gewisse Bedeutung
für die Plerstellung von Z., für die es
meist mit einem Gemisch von Magnesia und
wäßriger schwefliger Säure unter Druck gekocht
wird. — Die reine Z. zeigt unter dem Mikroskope
noch das pflanzliche Gefüge und im polarisierten
Lichte Doppelbrechung. Sie löst sich nur in
konzentrierten Säuren und Chlorzinklösung,
worauf die Herstellung von künstlichem Pergamentpapier
(s. d.) beruht, und besonders leicht in
Schweizers Reagens (Kupferoxydammoniak).
Aus der letzteren Lösung wird sie durch Wasser,
Säuren und Salze in Form amorpher Flocken
ohne irgendwelche Andeutung von pflanzlichem
Aufbau ausgefällf. Z. bildet den wichtigsten
Rohstoff zur Herstellung billigerer Papiere.
Zement. Unter dem Namen Z. versteht man
teils fertigen Wassermörtel, teils Stoffe, die
als Zuschläge dem gewöhnlichen Luftmörtei die
Eigenschaft verleihen, unter Wasser steinartig zu
erhärten. Wenn ein Kalk wenigstens 8 °/o Ton
enthält, also zur Klasse der Mergelkalke gehört,
so verhält er sich beim Brennen und Löschen
anders als gewöhnlicher Kalkstein. Er bildet
eine erdiggraue Masse, di© sich mit Wasser wenig
oder gar nicht erhitzt, und wird als hydraulischer
Kalk bezeichnet. Am besten sind hydraulische
Kalke mit einem Tongehalte von 20 bis
300/0. Als vorzügliche Zuschläge, die gewöhnlichen
Kalk in hydraulischen verwandeln, werden
seit langer Zeit verschiedene Tonerdesilikate
benutzt, die vulkanischen Ursprungs, und daher
von Natur bereits aufgeschlossen sind. Die wichtigsten
dieser, auch natürliche Z. genannten,
Mineralien sind die römische Puzzolanerde,
der neapolitanische Posilippotuff, die Santorinerde
und der rheinische Traß. Zu den
künstlichen, durch einen Brennprozeß erhaltenen
Z. gehören in erster Linie die hydraulischen
Kalke und der Roman-Z. Zu ihrer Darstellung
werden natürliche tonhaltige Kalke, wie sie sich
z. B. am Themseufer finden, bis zur Austreibung
der Kohlensäure, aber nicht bis zur Sinterung
gebrannt, so daß sie noch freien Kalk enthalten.
Die gebrannte Masse wird beim Roman-Z. gemahlen
und als ein bräunliches Pulver in den
Verkehr, gebracht, während sie bei den übrigen
hydraulischen Kalken durch bloße Behandlung
mit Wasser zerfällt. Der wichtigste Z., der englische
Portland-Z., der übrigens auch in gleicher
Güte von deutschen Fabriken hergestellt
wird, unterscheidet sich von den vorstehenden
dadurch, daß man natürliche oder künstliche
Gemische von Ton, Kalkstein oder Kreide bis
zur Sinterung erhitzt. Gewöhnlich wird das
geschlämmte Gemisch zu Ziegeln geformt, letztere
getrocknet und bis zur anfangenden hellen
Weißglut gebrannt. Bei zu schwacher Hitze ist
das Tonsilikat nicht genügend aufgeschlossen, bei
Überhitzung hingegen teilweise geschmolzen (totgebrannt).
Die Steine, die noch porös sein müssen,
werden fein gemahlen und geben dann ein grünlichgraues
Pulver, das beim Übergießen mit Salzsäure
gallertartige Kieselsäure abscheidet. Außer
den bereit^ genannten Stoffen verwendet man zur
Plerstellung des Portland-Z. eine Reihe von Zuschlägen,
die teils vor, teils nach dem Brennen
hinzugesetzt werden, wie Diabas, Eisenerz, Ziegelmehl
und mit besonders gutem Erfolge Hochofenschlacke.
— Der Z. dient zu Wasserbauten,
zum Auskleiden von Behältern und zur Herstellung
von Trögen, Röhren, Ornamenten und
Fußbodenplatten. Seine Verwendung beruht darauf.
daß sich der Kalk mit dem durch das
Brennen aufgeschlossenen Tone unter der Einwirkung
des Wassers zu einem unlöslichen Kaiktonerdedoppelsilikat.
vereinigt. Nach der Dauer
des Festwerdens unterscheidet man den gewöhn-