Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Zimt 
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Zimt 
zusammenziehend und schleimig. Auf dem Quer 
schnitt zeigt die Rinde unter dem Mikroskop 
flache Korkzellen, die Mittelrinde große Schleim- 
zellen und schwach verdickte Steinzellen, die 
keinen geschlossenen Sklerenchymring 
bilden, sowie spindelförmige Bastfasern. Das 
Parenchym der Mittel- und Innenrinde, in dem 
zahlreiche Zellen zu Öl- bzw. Schleimzellen um- 
gewandelt sind, enthält meist reichlich Stärke 
und auch Oxalatnadeln. Die Innenrinde weist 
neben Bastfasern auch langgestreckte Steinzellen 
auf. Der wichtigste Bestandteil der Zimtrinde 
ist das zu ungefähr 2 % darin enthaltene äthe 
rische Öl (s. d.). Der chinesische Zimt, die offi- 
zinelle Sorte, kommt als fein, mittel, ordinär, 
kurz und lang in Rohrmatten oder Kisten, oder 
als Cassia vera in Bruchstücken starker Äste 
mit viel Kork und dunklem Bast in den Handel. 
— Der Zeylonzimt, echter Z. oder Kaneel 
(lat. Cortex cinnamomi ceylanici, oinnamomi acuti, 
frz. Canelle fine, engl. Ceylon cinnamora) von 
Cinnamomum ceylanicum Breynebzw.Lau- 
rus cinnamomum L., der auf Zeylon, sowie 
fast überall in den Tropen angebaut wird, gedeiht 
am besten um Kolombo, Negumbo und Matura 
auf etwa 14 Meilen Fläche im sandigen humus 
reichen Tonboden. Der kleine Baum, der in 
den Pflanzungen strauchig gehalten wird, hat 
ganzrandige, in der Jugend rote, später grüne, 
3 : —7nervige, lederartige Blätter und weiße Blüten 
stände von unangenehmem Geruch. Im Mai und 
Juni sowie im November und Dezember wird die 
Rinde von den 1V2—2 Jahr alten, buschartig ent 
wickelten Wurzelschößlingen gesammelt, indem 
man diese entlaubt, mit kreisförmigen, bis 1 m 
voneinander entfernten/ Einschnitten versieht, die 
Rindie der Länge nach aufschlitzt und in einem 
Stück abzieht. Dann schabt man die äußeren, 
bitterlich zusammenziehend schmeckenden Par 
tien sorgfältig ab, steckt 8—10 Röhren ineinander, 
schneidet sie zu Stücken von bestimmter Länge 
und trocknet im Schatten. Die sich dann leicht 
rollenden Rindenstücke packt man in Bündel 
(Fardelen) zu io—15 kg Gewicht und schnürt 
zum Versand je drei derselben zu einem Ballen, 
der mit Kongotuch, Fellen oder doppelter Lein 
wand umpackt wird. Die Rindenabfälle werden 
teils in die Bündel gesteckt, teils als „Bruch“ 
oder „Chips“ für sich in den Handel gebracht. 
Der Zeylonzimt stellt zweiseitig gerollte Röhren 
dar, die zu 8—10 ineinandergesteckt sind und bis 
2 cm Durchmesser haben. Die Dicke der Stücke 
beträgt gegen 0,5 mm. Die außen glatte, gelb- 
Rehbraune, längsstreifige Rinde besitzt kurz 
faserigen Bruch. Der Geschmack ist sehr ge 
würzhaft, nicht zusammenziehend und nicht schlei 
mig. Der innere Bau gleicht demjenigen des 
chinesischen Zimts, doch fehlen stets Kork und 
Mittelrinde. Nach außen ist die Rinde durch 
einen geschlossenen Sklerenchymring begrenzt. 
Auf der Oberseite zeigt sie zarte Längsstreifung, 
die Unterfläche ist dunkelbraun und feinwarzig. 
Auf dem faserigen Bruche erkennt man zahl 
reiche weiße Bastbündel. Der Z. von Zeylon 
(Plantagenkaneel) bildet die feinste Handels 
sorte. Der in botanischer Hinsicht zu ihm ge 
hörende Java-Z. ist wenig aromatisch und etwas 
dunkler, aber sonst kaum von ihm zu unter 
scheiden, Er gilt als zweite Sorte und wird be 
sonders nach Holland versandt. ■— Die Kulila- 
wanrinde von Cinnamomum Culilawan wird 
auf den Molukken angebaut. — Der Malabar 
zimt, Holzzimt, Holzkassia (lat. Cassia lignea) 
stammt teils von ostindischen Spielarten des 
Zeylonzimtes, teils von dem nach den Philippinen 
und den Sundainseln yerpflaftzten chinesischen 
Zimtbaum und stellt die geringste Sorte dar. Er 
besteht, da er auch von älteren Stämmen und 
Zweigen gewonnen wird, gewöhnlich aus stär 
keren Röhren und bräunlichen, plattenförmigen 
Stücken von ebenem Querbruch. Der Geruch 
ist schwach zimtartig, der Geschmack schleimig. 
M. wird in Kisten bis zu 30 kg in Vs'kg-Bündeln 
verpackt. Die verwandten Sorten: Tellicherry-, 
Kayenne- und Brasil-Z. kommen nur selten 
in den deutschen Handel. — Seychellen-Z. 
von einer auf den Seychellen angepflanzten 
Cinnamomumart, die anscheinend infolge des un 
geeigneten Klimas entartet ist, besteht aus gro 
ben, bis 7 mm dicken Stücken, die noch völlig 
von der Korkschicht bedeckt sind und mehr das 
Aussehen von Holz als von Rinden haben. Die 
sehr geringwertige Sorte, die nur 0,4 °/o ätheri 
risches Öl enthält, sollte nur unter Kennzeichnung 
verkauft werden. — Der Nelkenzimt (Nelken- 
rinde, Nel kenkassia, schwarzer Z., lat. Cas 
sia caryophyllata, frz. Canelle giroflöe, Canelle 
de Brasil, engl. Clove bark, Clove cinnamom) ist 
die Rinde einer brasilianischen Laurazee, 
Dicypellium caryophyllatum Nees, und 
kommt in 60 cm langen, 3 cm dicken, überein- 
andergerollten Röhren in den Handel. Die bis 
2 mm dicke, dunkelrotbraune Rinde ist an der 
Außenseite schilferig oder mit schwarzbraunen 
Blättchen bedeckt, an der Innenseite fein längs 
streifig. Sie riecht und schmeckt nach Nelken 
und Zimt und diente früher als Gewürz und zu 
Parfümerien, wird aber jetzt nur noch selten ge 
braucht. —• Der weiße Z, (weißer Kaneel, 
weiße Kaneelrinde, falsche Winterrinde, 
lat. Cortex caneUae albae, frz. Canelle blanche, 
engl. White canelle) stammt von einem auf den 
Antillen heimischen Baum oder Strauch, Ca- 
nella alba M., dessen Äste die von der Borke 
befreite Rinde liefern. Sie findet sich in Röhren 
oder rinnenförmigen Stücken von 2—4 mm Dicke, 
ist außen blaßrötlich, uneben, stellenweise mit 
einem hellbräunlichen Kork bedeckt und innen 
gelblichweiß. Der weiße Z. hat einen aroma 
tischen, zimtähnlichen Geruch und bitterlichen, 
scharf aromatischen Geschmack; in Amerika wird 
er als Küchengewürz benutzt, medizinisch findet 
er nur noch selten Anwendung. — Der Zimt ist 
schon seit vielen Jahrhunderten Gegenstand des 
Welthandels. Von 134° an wurde er aus Zeylon 
bekannt und zuerst von den Portugiesen, dann 
von den Holländern und zuletzt von den Englän 
dern in Form eines Monopols in den Handel 
gebracht. Die Holländer verbrannten zeitweise 
den Überfluß, um die Preise hochzuhalten, die 
Engländer erschwerten die Ausfuhr durch hohen 
Zoll, bis 1833 das Monopol und von 1853 ab der 
Zoll aufhörte. Jetzt wird in Zeylon der Anbau 
des Z. durch Kaffeepflanzungen mehr und mehr 
verdrängt, da man auch an anderen Orten viel Z. 
gewinnt. Die Bezugsorte für Z. sind, London, 
Hamburg und Bremen. Die Einfuhr von Cassia 
lignea in Hamburg betrug vor dem Kriege un
	        
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