Zinnober
498 Zirkon
sich in England auf 24000 t, in Deutschland auf
19300 t.
Zinnober, das wichtigste Quecksilbererz (siehe
Quecksilbersulfid) mit 86,3 % Quecksilber und
13,7% Schwefel, findet sich auf Lagern und
.Gängen im Schiefer-, Übergangs- und Flözgebirge
und ist an seiner Farbe und anhängenden
Metalltröpfchen leicht kenntlich. Er kommt kristallisiert
in Rhomboedern und sechsseitigen Prismen,
ferner in Platten und derben, kleinkörnigen
bis dichten Massen vor, ist spaltbar, in Kristallen
halbdurchsichtig und metallglänzend und besitzt
eine koschenille- oder scharlachrote Farbe. Die
reinsten, besonders schön gefärbten Stücke werden
ausgesucht als Berg-Z. in den Handel gebracht,
die übrigen, sog. Stück-Z., ein- bis dreimal
gemahlen und nach Güte und Farbenton
sortiert. Als Farbe wird jetzt meist künstlicher.
Z. (s. Quecksilbersulfid) benutzt, während der
natürliche zur Darstellung von Quecksilber dient.
Zinnverbindungen. DasZinn bildet zweiReihen
von Verbindungen: Oxydul- oder Stannoverbindungen
und Oxyd- oder Stanniverbindungen
(Zinnsäureverbindungein).— Zinnchlorid (Zinntetrachlorid,
früher zweifach Chlorzinn genannt,
lat. Stannum bichloratum, frz. Deutochlorure
d’ötain, engl. Perchloride of tin) wird
durch Auflösen von Zinn in heißem Königswasser
oder durch Einleiten von Chlor in eine Zimnchlorüdösung
in Form weißer Kristalle mit fünf
Molekülen Kristallwasser erhalten, aber meist
in wäßriger Lösung in den Handel gebracht.
Wasserfreies Z., SnCl^, wird fabrikmäßig durch
Erhitzen von trockenem Zinnchlorür oder von
metallischem Zinn im Chlorstrome und nachfolgende
Destillation dargestellt. Es bildet eine
farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit, die
bei 114° siedet und beim Vermischen mit der
dreifachen Menge Wasser das obenerwähnte
wasserhaltige kristallisierte Salz, die sog. Zinnbutter,
Butyrum Stanni, liefert. Das Z. findet
Anwendung in der Färberei als Beize und als
Avivierungsmittel, ferner zum Beschweren von
Seide und zur Darstellung von Florentiner Lack,
Karmin- und anderen Farblacken. — Durch Fällung
von Z. mit Ammoniumchlorid oder Natriumchlorid
erhält man neutral reagierende Doppelsalze,
das Ammonium-Z. (Pinksalz, lat.
Stannum bichloratum ammoniatum, frz. Bichlorure
d’ötain ammoniacal, engl. Pink Salt) und das
Natrium-Z. (krist. Chlorzinn), die als Beizen
in der Färberei Anwendung finden. —• Zinnchlorür
(Zinndich 1 orid, einfach Chlorzinn,
lat. Stannum chloratum seu muriaticum,
frz. Protochlorure d’ötain, engl. Tin-salt) entsteht
beim Erwärmen von feinen Zinndrehspänen
mit 2$ tyoiger Salzsäure und Eindampfen bis zur
Kristallisation in Gestalt farbloser, meist etwas
feuchter Kristalle, die zwei Moleküle Kristallwasser
enthalten. Bei vorsichtigem Erwärmen
auf ioo° wird es wasserfrei, schmilzt bei 250 0
und destilliert bei 606 0 . Z., SnCJ 2 , löst sich in
salzsaurem Wasser und in Alkohol und wird
durch viel Wasser unter Abscheidung eines basischen
Salzes zersetzt. Es muß daher, vor der Einwirkung
von Luft und Feuchtigkeit geschützt,
vorsichtig aufbewahrt werden. Z. findet beschränkte
medizinische Anwendung, wird aber
unter dem Namen Zinnsalz in großen Mengen
als Beizmittel in der Färberei, zum Reduzieren
von Indigo, zur Darstellung von Goldpurpur
(s. d.) und zum Avivieren benutzt. Im Handel
findet es sich meist als i2t/ 2 °/oige (einfach
Chlorzinn) oder als2S%ige (doppelt Chlorzinn)
wäßrige Lösung. Eine gesättigte Lösung
in Salzsäure wird als Bettendorfs Reagens
zum Nachweise von Arsen, mit dem es sich
braun färbt, angewandt. Unter Zusatz von etwas
Salpetersäure hergestellte Zinnchloridlösungen
bilden die sog. Zinnkompositionen (Rosiersalz,
Barwood-, Blauholz-, Gelb-, Scharlachkomposition,
Bancrofts Beize).—Zinnoxyd
(Zinndioxyd, Zinnsäure, lat. Stannum
oxydatum, frz. Oxyde d’ötain, engl. Calcined tin),
Sn0 2 , entsteht beim Schmelzen von Zinn an der
Luft, wobei sich das Metall in ein graues Pulver
verwandelt. Durch Schlämmen läßt sich das
letztere in unverändertes Metall und weißes Oxyd
scheiden, das als sog. Zinnasche ?in ausgezeichnetes
Schleif- und Poliermittel, namentlich für
Stahl, ist. Außerdem erhält man das Z. durch
Behandlung von Zinn mit Salpetersäure und
durch Ausfällen von Zinnsalzlösung durch Alkali.
Zusätze von Schwerspat und Gips, mit denen das
gelblich- bis grauweiße amorphe Pulver häufig
verfälscht wird, lassen sich daran erkennen, daß
das Z. beim Schmelzen mit Ätznatron in wasserlösliches
zinnsaures Natron (Natriumstannat)
übergeht. Das letztere findet unter der Bezeichnung
Grundier- oder Präpariersalz Anwendung
als Beize zur Herstellung von Farblacken
auf der Faser, das Oxyd selbst zur Erzeugung
undurchsichtiger Milchgläser, weißer Kacheln
und Emails. — Zinnsulfid, SnS 2 , bildet
das sog. Musivgold (s. d.).
Zirbelnüsse (Arvennüsse, Pinien, lat. Semen
seu Nuces pinearum seu cembrae, frz. Noix
de pignon, engl. Pine kemels), die dreikantigen,
unter den Schuppen der Zapfen sitzenden Samen
der Arve (Pinus Cembra), einer in den Alpen,
Karpathen und Sibirien wachsenden Konifere,
werden namentlich in Sibirien in großen Massen
längs der Ufer des Ob gesammelt und unter dem
Namen Schischisch als Nahrungsmittel verbraucht.
Getrocknet dienen sie als Vogelfutter
für Papageien.
Zirkon (Hyazinth), ein Mineral, das aus
kieselsaurer Zirkonerde und etwas Eisenoxyd
besteht, findet sich an ziemlich zahlreichen
Fundorten in Böhmen, Norwegen, Frankreich
und im Rheinland (im Basalt), aber immer nur
in kleiner Menge, und nur an wenigen ' Stellen
in solcher Beschaffenheit, daß es als Edelstein
gelten kann. Die Hauptfarbe des Z. ist tiefrot
oder gelbrot, doch gibt es auch wasserhelle,
welche durch ihre lichtbrechende Kraft den Diamanten
nahe kommen. Die gelbroten Z. mit
7V2 Härtegraden heißen Hyazinthe. Andere
Farben, wie olivengrün, grau, braun und braungelb,
sind gewöhnlich nicht besonders lebhaft-Zeylon
und Madras liefern die schönsten roten
und farblosen Steine, schöne gelbrote finden sich
im Ilmengebirge (Ural) in Rußland und in
Australien. Die Z., die in schönen großen roten
und farblosen Steinen einen ansehnlichen Wert
haben, werden zu Ringsteinen, Einfassungen und
Garnierungen benutzt. — Die weiße Zirkonerde
(das Oxyd des Metalles Zirkonium), ZrOo,