Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Zinn 
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Zinn 
mittein, wie Salpeter, röstet und dann auslaugt 
und die Lösung eindampft. In reinerer Form 
erhält man es durch Auflösen von metallischem 
Zink in verdünnter Schwefelsäure und Eindamp 
fen bis zur Kristallisation, sorgt aber, damit diö 
übrigen metallischen Verunreinigungen, wie Blei, 
Kupfer, Kadmium, Arsen, nicht in das Z. über 
gehen, dafür, daß ein Teil Zink ungelöst bleibt. 
Das Z., ZnS0 4 , bildet farblose Kristalle von 
scharfem, ekelhaft metallischem Geschmack. Es 
kristallisiert mit sieben Molekülen Wasser, das 
zum Teil bei gewöhnlicher Temperatur entweicht, 
so daß die Kristalle oberflächlich verwittern. 
Beim Erhitzen bis auf ioo° gehen sechs Moleküle 
Wasser fort, während das letzte Molekül erst bei 
schwachem Glühen unter teilweiser Zersetzung 
ausgetrieben wird. Das in heißem und kaltem 
Wasser leicht lösliche Salz wird in der Medizin 
äußerlich als Ätzmittel sowie zu Waschungen, 
Einspritzungen und Augenwässern, verordnet, muß 
aber, weil es giftig ist, vorsichtig auf bewahrt und 
angewandt werden. In der Technik dient es als 
weißer Vitriolstein, weißer Galitzenstein, 
weißer Kupferrauch als Klärmittel für Öle 
und Firnisse, zum Konservieren von Häuten und 
tierischen Abfällen, zum Imprägnieren von Eisen 
bahnschwellen, als Schutzmittel gegen Haus 
schwamm, zum Desinfizieren anstatt des Eisen 
vitriols, in der Färberei als Ersatz des Wein 
steins, in der Kattundruckerei als Beize, sowie 
endlich als Rohstoff zur Darstellung von Zink 
weiß und der übrigen Zinkverbindungen. 
Zinn (lat. Stannum, frz. Etain, engl. Tin) findet 
sich nur an vereinzelten Punkten der Erde, und 
zwar nie gediegen, sondern in Form weniger 
Verbindungen. Das einzige in Betracht kom 
mende Erz, der Zinnstein (Zinndioxyd), Sn0 2 , 
mit 78,6% Metall und 21,4 °/o Sauerstoff, hat 
seinen ursprünglichen Sitz in quarzreichen, kri 
stallinischen Massengesteinen, Granit, Porphyr, 
Gneis und Grünstein, sog. Zinnstöcken, und 
tritt hier entweder als schwerer, harter Stein oder 
in außerordentlich harten Kristallen (Zinngrau- . 
pen) von meist brauner, selten weißer Farbe auf. 
Zur Gewinnung des Melalles wird das Gestein 
mit Pulver gesprengt oder durch Feuersetzen 
mürbe gemacht, darauf zur Entfernung von Arsen 
und Schwefel geröstet, durch Pochen in ein 
feines Pulver verwandelt, nochmals geröstet und 
schließlich geschlämmt, bis der Zinngehalt 50 bis 
700/0 beträgt. In Sachsen kürzt man die Reini 
gungsarbeit durch Ausziehen des Pochmehls mit 
Salzsäure ab, wodurch Eisen, Kupfer und Wismut 
entfernt werden. Wesentlich einfacher gestaltet 
sich die Aufbereitung von sog. Wasch- oder 
Seifenzinn, das bereits durch Verwitterung in 
Pulverform übergeführt worden ist und lediglich 
geschlämmt 'zu werden braucht. Zur Reduktion 
des auf die eine oder andere Weise erhaltenen 
reinen Oxydes erhitzt man das letztere in Flam 
menöfen mit Kohle, meist mit gewissen Zuschlä 
gen, um die fremden Metalle zu verschlacken. 
Die Hauptmenge des Zinns kommt von der Ost- 
und Westküste der Malaiischen Halbinsel (Ma 
lakka-Z., Straits Tin), wo es in Form von Seifen 
mächtige-Anschwemmungen von 3—9 m Mächtig 
keit bildet, und von den benachbarten Inseln 
Banka und Billiton. Seitdem das englische 
und holländische Monopol aber durch die Auf- 
Mercks Warenlexikon. 
findung beträchtlicher Lager in Australien und 
Amerika durchbrochen wurde, sind die Zinn 
preise erheblich gesunken. In Europa wird Z. 
besonders in Cornwall und im Erzgebirge ge 
wonnen. Auch erhält man neuerdings erhebliche 
Zinnmengen durch Entzinnung vom verzinntem 
Eisenblech (Weißblech) mit Hilfe von Säuren 
oder Elektrolyse. — Im reinen Zustande ist das 
Z. ein dem Silber an Farbe und Glanz nahe 
kommendes Metall vom spez. Gew. 7,3 und vom 
Atomgewicht Sn =118,5. Es hat ein kristallini 
sches Gefüge und gibt beim Biegen ein eigen 
tümliches Geräusch („Zinngeschrei“) von sich. 
Bei länger andauernder Kälte zerfällt es in ein 
kristallinisches Pulver („Graues Zinn“) vom 
spez. Gew. 5,8 und verursacht hierdurch die bei 
Orgelpfeifen beobachtete Erscheinung der Zinn 
pest. Das Metall ist im übrigen ziemlich weich 
und dehnbar und läßt sich zu Blattform (Stan 
niol) auswalzen. Bei 200 0 wird es in hohem 
Grade spröde und pulverisierbar und zerfällt 
beim Schlagen mit Hämmern oder beim Her 
unterfallen in eine große Zahl rundlicher Stücke 
mit kristallinischen Flächen (Körnerzinn), Bei 
23t 0 schmilzt es und verwandelt sich bei Weiß 
glut (1600 0 ) in einen Dampf, der an der Luft 
zu Zinndioxyd verbrennt. Das Z. ist gegen feuchte 
und trockene Luft außerordentlich beständig, 
löst sich in heißer Salzsäure und in verdünnter 
Schwefelsäure unter Wasserstoffentwicklung und 
wird durch konzentrierte Salpetersäure in Zinn 
dioxyd (Zinnsäure) übergeführt. — Im Handel 
findet sich das Z. in gestempelten Blöcken, Bar 
ren, Kuchen, Brocken, Stangen und aufgerollten 
Tafeln. Das reinste Z. kommt von Malakka, 
Banka und Billiton in Form von Pyramiden, 
fingerdicken Stangen oder Blöcken von 20—25 
oder 60—65 kg Gewicht. Das nächstbeste ist das 
englische Ref ined Tin (Körner-Z., Grain Tin) 
mit 0,1—0,2% Eisen, jedoch ohne Blei, Kupfer 
und Arsen, während das englische Common tin 
etwa 0.2 °/o Eisen und 1% Kupfer enthält. Auch 
das sächsische und böhmische Z. ist von vorzüg 
licher Reinheit. — Das Z. findet außerordentliöh 
vielfache technische Verwendung. Zu Zinngieße 
reiwaren erhält es stets einen Zusatz von Blei, 
weil es dadurch leichter gießbar, geschmeidiger, 
härter und dauerhafter wird. Sog. vierstempe- 
liges Z. enthält auf 32 t Z. 1 t Blei, doch geht 
das Verhältnis bis zu gleichen Teilen Blei und 
Zinn (einpfündiges Z.). Für Eß-, Trink- und 
Kochgeschirr darf es höchstens 10 % Blei, für 
Stanniol und Innenverzinnung von Eßgeschirr 
höchstens i°/o Blei enthalten. Das Orgelzinn 
enthält meist 30 0/0, das Figurenzinn 500/0 Blei. 
Außer zu Kesseln, Pfannen, Destillierblasen ge 
braucht man das Metall zum Verzinnen von 
Kupfer, Eisen und Blei (Weißblech, Stecknadeln), 
zum Löten, in Form von Stanniol (Zinnfolie) 
zum Umhüllen von Schnupf- und Kautabak und 
Nahrungsmitteln (Schokolade), zum Belegen von 
Spiegeln und zur Herstellung von Salzen und 
Legierungen (s. Bronze, Letternmetall). Ein Ur 
teil über die Menge des im Jahre 1913 verbrauch 
ten Zinns gewähren folgende Zahlen: Ausfuhr 
aus Hinterindien 166000 t, aus Australien 
14900 t, von Banka 15000 t, Billiton 2200 t, 
Erzeugung Englands 22000 t, Deutschlands 
11 500 t. Der Verbrauch im Jahre 1913 belief 
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