Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Zitral

499

Zitronen

ein  Stoff  von  völliger  Unschmelzbarkeit  und  Unveränderlichkeit ­
  in  der  Hitze,  ist,  mit  Ton  zu
kleinen  Zylindern  geformt  und  gebrannt,  statt
des  Kalkes  als  Leuchtkörper  bei  der  Knallgasbeleuchtüng
  benutzt  worden.  —  Das  Metall,  Zr
=  90,7,  dient  zur  Herstellung  von  Glühfäden  in
elektrischen  Lampen.
Zitral,  der  riechende  Bestandteil  des  Zitronenöls ­
  (s.  d.),  hat  neuerdings  technische  Bedeutung
erlangt  als  Ausgangsmaterial  für  die  Darstellung
des  Jonons  (s.  d.).  Die  Hauptquelle  für  Zitral
ist  das  Lemongräsöl.
Zitronat  (Cedrat,  Sukkade,  lat.  Confectio
citri,  frz.  Citronat,  engl.  Candier  lemon  peel)
heißt  die  in  längliche  Stücke  geteilte,  sehr  dicke
und  schwammige,  in  Zuckersirup  eingekochte  und
zu  feinen  Bäckereien  gebrauchte  Schale  einer
großen  Zitrone,  der  Frucht  von  Citrus  medica
  macrocarpa  Risso.  Die  abgenommene
und  zerschnittene  Schale  wird  in  der  Regel  erst
einige  Zeit  in  Salzwasser  gelegt,  dann  gebrüht,
mit  dem  Zucker  gekocht  und  in  Fässer  eingelegt.
Die  in  Deutschland  meistgebräuchliche  Sorte  ist
nach  dem  Aufkochen  mit  Zucker  an  der  Luft
getrocknet,  aber  nicht  eingelegt  und  bildet  dann
ein  trockenes  Z.
Zitronellaöl  (ostindisches  Melissenöl,  lat.
Oleum  citronellae,  s.  melissae  ostindicura  s.  andropogonis
  Nardi,  frz.  Essence  de  citronnelle,
engl.  Citronella  oil),  ein  stark  melissenartig  riechendes, ­
  aus  Zeylon  und  Ostindien  kommendes
ätherisches  Öl,  wird  durch  wäßrige  Destillation
aus  dem  Zitronengras  oder  Kamelheu  (Andropogon
  Nardus,  Cymbopogon  Nardus),
und  zwar  sowohl  aus  der  wild  wachsenden,  als
der  für  diesen  Zweck  angebauten  Pflanze  dargestellt. ­
  Man  unterscheidet  im  Handel  zwischen
Zeylonzitronellöl  und  Javazitronellöl,  und
zwar  ist  das  letztere  die  wertvollere  Sorte.  Zeylonzitronellöl ­
  ist  eine  gelbe  bis  gelbbraune,
bisweilen  durch  Kupfer  grün  gefärbte  Flüssigkeit
vom  spez.  Gew.  0,898—0,920.  Javazitronellöl
ist  farblos  bis  blaßgelb  und  hat  ein  spez.  Gew.
von  0,885—0,901,  Die  Öle  lösen  sich  in  1—2  Teilen
8o°/oigen  Alkohols.  -Hauptbestandteile  sind  Geraniol ­
  und  Zitronellal,  sie  betragen  zusammen
beim  Zeylonöl  gewöhnlich  56—6o°/o,  beim  Javaöl
80  0/0  und  darüber.  Das  Öl  dient  besonders  zum
Parfümieren  von  Seifen  und  wird  hauptsächlich
in  den  Vereinigten  Staaten  verbraucht.
Zitronen  (lat.  Fructus  citri,  frz.  Citrons,  engl.
Lemons)  sind  die  bei  den  Italienern  Limonen
genannten  Früchte  des  Zitronenbaums,  Citrus ­
  medica,  Citrus  limonumR.,  der  wie  der
verwandte  Orangenbaum  (Citrus  Aurantiorum)
zu  der  Gattung  der  Rutazeen  (Aurantioideen)
gehört.  Er  soll  aus  Indien,  nach  anderen  aus
Medien  stammen,  wird  aber  jetzt  im  ganzen
Süden,  in  Portugal,  Spanien,  Italien,  den,  griechischen ­
  Inseln,  Nordafrika  und  Südfrankreich,
hier  allerdings  nur  an  wenigen  Punkten  angebaut
und  hat  infolgedessen  zahlreiche  Spielarten  gebildet. ­
  Auch  auf  den  Westindischen  Inseln  ist
die  Zitronenzucht  eingebürgert,  wenngleich  von
hier  keine  Früchte,  sondern  nur  Zitronensäfte
ausgeführt  werden.  Der  Zitronenbaum  ist  ein
höchstens  s  m  hoch  .werdendes  Holzgewächs  mit
rötlichen  Sprossen,  abwechselnden  lederartig-kahlen,
  immergrünen  und  schwach  kerbig-gesägten

Blättern  und  rötlichen  Blüten.  Die  dünnschaligen
Früchte  besitzen  eine  kugelige,  eiförmige  oder
längliche  Gestalt  mit  meist  zitzenförmigen  Endungen. ­
  Sie  sind  anfangs  grün,  in  der  Reife  aber
hellgelb  (zitronengelb)  gefärbt  und  enthalten  in
10—12  Fächern  je  2—3  Samen  und  einen  stark
sauren  Saft.  Nach  Mitteilung  von  W.  Leske  in
Cossebaude  und  Messina  erfolgt  der  Anbau  der
Z.  in  getrennt  liegenden,  gut  umzäunten  Gärten,
die  20  bis  zu  15  000  Bäume  enthalten.  Die  Gärten
liegen  in  Gebirgstälern  und  ziehen  sich  an  den
Bergen  bis  zu  einigen  hundert  Metern  Meereshühe
  hinauf.  Meist  sind  künstliche  Bewässerungsanlagen ­
  vorhanden,  durch  welche  ermöglicht
wird,  daß  die  Bäume  dafe  ganze  Jahr  hindurch
gleichzeitig  Knospen,  Blüten,  grüne  und  reife
gelbe  Früchte  tragen.  Der  Boden  muß  sorgfältig
bearbeitet,  gelockert  und  gedüngt  werden.  Der
Zitronenbaum  hat  ein  großes  Wärmebedürfnis
und  gedeiht  besonders  gut  auf  heißem,  vulkanischem ­
  Boden.  Neben  Kalabrien  und  Neapel
kommt  für  die  Massenerzeugung  hauptsächlich
Sizilien,  und  hier  in  erster  Linie  die  Provinz  Messina ­
  in  Betracht.  Jeder  Baum  liefert  vier  Ernten,
und  zwar  eine  im  Winter,  drei  im  Sommer.  Der
Winterschnitt,  der  im  November  erfolgt,  mit
Nachernten  bis  in  den  April  und  Mai,  liefert  die
gehaltreichsten  und  haltbarsten  Früchte  (Edel
Z.).  Die  Sommerfrüchte  zerfallen  in  die  weißlichgelbe
  BiancheiJi-Z.  (Hauptschhitt  April-Mai,
Nachernten  bis  Juni-Juli),  die  mehr  grünliche
Verdelli-Z.  (Hauptschnitt  Juli-August,  Nachernten ­
  bis  September-Oktober)  und  die  kleine
rundliche  Bastard-Z.  (Hauptschnitt  September,
Nachernten  bis  Dezember).  Der  Hauptschnitt,
für  den  man  die  Früchte  mit  besonders  reiner
und  glatter  Schale  auswählt,  -dient  fast  hur  für  die
Ausfuhr.  Diese  Früchte  werden  der  größeren
Haltbarkeit  wegen,  und  weil  sie  auf  der  Fahrt
noch  nachreifen,  grün  von  den  Bäumen  genommen ­
  und  zur  Versendung,  meist  mit  Papier  umwickelt, ­
  in  Kisten  zu  400—700  Stück  regelmäßig
eingeschichtet.  Für  den  Winterversand  in  kältere ­
  Gegenden  packt  man  eine  größere  Zahl
Kisten  in  Fässer  und  stopft  die  Zwischenräume
mit  warmhaltenden  Stoffen  aus.  Die  Z.  bedürfen
einer  Aufbewahrung  in  trockenen,  kühlen  Kellern
und.  häufiger  Besichtigung,  damit  alle  angegangenen ­
  und  fleckig  gewordenen  Stücke  sogleich
entfernt  werden  können.  Zweckmäßig  ist  es  unter
Umständen  auch,  die  Früchte  einzeln,  so  daß  sie
sich  nicht  berühren,  in  Kochsalz  einzubetten,
nachdem  vorher  die  Anhaftungsstelle  des  Stiels
mit  geschmolzenem  Paraffin  überzogen  worden
war.  —  Für  die  Zusammensetzung  der  reifen  Zitronen ­
  gibt  König  folgende  Zahlen  an:  82,64%
Wasser,  0,74  %  Stickstoffsubstanz,  5,39  %  Zitronensäure, ­
  0,37  %  Invertzucker,  10,30  %  stickstofffreie ­
  Extraktstoffe,  Rohfaser  und  Kerne,  und
0,56  °/o  Asche.  —■  Die  beim  Hauptschnitt  auf  den
Bäumen  zurückbleibenden  und  alle  sonst  für
die  Ausfuhr  nicht  geeigneten  Früchte  werden
an  Ort  und  Stelle  auf  Zitronenöl  und  Zitronensäure ­
  verarbeitet.  Die  Preßrückstände  finden
als  Ziegenfutter  Verwendung.  —  Die  Zitrone
wird  in  großen  Mengen  für  die  Zwecke  des
Haushalts,  der  Küche  und  Konditoreien,  zur
Herstellung  von  Limonaden,  Punsch  usw.  verbraucht. ­

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.