Benzoin
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Bergblau
engl. Benzoic acid), eine in vielen Balsamen
und Harzen, besonders in der Benzoe enthaltene
organische Säure, welche in chemischer Hinsicht
als Benzolkarbonsäure, C 6 H 6 .COOH, aufzufassen
ist. Zu ihrer Darstellung wird zimtsäurefreies
Benzoeharz entweder mit Kalkmilch ausgekocht
und die Lösung mit Salzsäure gefällt, oder das
Harz wird einfach der Sublimation unterworfen.
Zu pharmazeutischen Präparaten darf nur die
sublimierte Säure benutzt werden. Für technische
Zwecke bediente man sich früher als Ausgangs
material vielfach des Harns von Pferden und
Rindern, deren Hippursäure bei geeigneter Be
handlung in B. übergeht. Neuerdings wird die
Säure jedoch meist synthetisch aus phtalsaurem
Kalzium oder Toluol dargestellt. Die B. kristalli
siert in schön glänzenden Blättchen, die, wenn
aus dem Harz gewonnen, bräunlich aussehen und
schwach aromatisch riechen, sonst färb- und ge
ruchlos sind. Sie ist wenig in kaltem, leichter in
heißem Wasser löslich, schmilzt bei 120 0 und
Siedet bei 250° unter Entwicklung hustenreizen
der Dämpfe. Im Hinblick auf das Fehlen cha
rakteristischer Reaktionen stellt man zum Nach
weise der B. am zweckmäßigsten den charakte
ristisch riechenden Äthylester dar. B. findet An
wendung als Heilmittel, ferner zur Herstellung
v °n Teerfarben und neuerdings auch, an Stelle
der durch das Fleischbeschaugesetz verbotenen
Stoffe (Salizylsäure. Borsäure usw.), zur Konser
vierung für Fleischwaren. Obschon sie nach
neuen pharmakolog. Untersuchungen für den
menschlichen Organismus nicht oder doch nicht
nachweisbar schädlich ist, muß letztere Ver
wendung als unerwünscht bezeichnet und zum
mindesten eine deutliche Deklaration verlangt
Werden. Von den Verbindungen der B. mit Basen,
Benzoaten, hat das Natriumsalz hauptsächlichste
Bedeutung.
Benzoin, Bittermandelölkampf er, eine che
mische Verbindung von der Formel des Benzoyl-
Phenylkarbinols, C 6 H 5 .CH(OH).CO .C 6 H 5 , wird
durch Behandlung von Benzaldehyd mit Zyan-
Kalium dargestellt und bildet farblose, bei 134 0
schmelzende Prismen, welche als Antiseptikum
Anwendung finden.
Benzol, ein im Steinkohlenteer enthaltener
Kohlenwasserstoff, C 6 H 6 , welcher sich neben To-
Uof, Xylol u. a. auch im Rohbenzol und Stein-
phlenbenzin vorfindet und daraus durch fraktio-
mrte Destillation gewonnen wird, erscheint in
e metn Zustande als eine farblose, stark licht-
re chende Flüssigkeit vom spez. Gew. 0,884 und
d ^m Siedepunkte 80,5°. B. brennt mit leuchten-
u e K stark rußender Flamme, mischt sich mit Al-
oti°i, Äther, Petroläther, Holzgeist und Azeton,
in r| a ^ er ' n Nasser unlöslich. Man ber utzt es
j, der Industrie als Lösungsmittel für Fette und
st p tsc BuL un d als Ausgangsmaterial für die Dar-
Pa K S ^ es Anilins und zahlreicher künstlicher
rbst °ffe, besonders des Indigos. Vielfach wird
fji aac h an Stelle des Benzins als Betriebsstoff
Automobile verwandt.
j ^nzopurpurin, drei Azofarbstoffe, welche
Werd ^' e ^ e ‘ cben I B, 4 B und 6 B unterschieden
lösbu ’ kommen als braune oder rote, in Wasser
im c e Pu Her in den Handel, die Baumwolle
w hmdenbade rot färben. B. 1 B und B. 6 B
e n durch Einwirkung von diazotiertem Toli-
Mercks Warenlexikon.
din auf Alpha- oder auf Betanaphtylaminmono-
sulfosäure erhalten, während die Sorte 4 B durch
Einwirkung von Naphtionsäure auf diazotiertes
Tolidin entsteht. b-Purpurin s B und &-Pur-
purin ;B (Diaminrot) Werden ebenfalls aus
Tolidin durch Verkuppelung mit anderen Naph-
tylaminsulfosäuren dargestellt.
Benzosol, Guajakolbenzoat, C 6 H 4 (OCH 3 ).
OOC.CgHj, ein neues Medikament, das durch
Behandlung von.Guajakol mitÄtzkali undBenzoyl-
chlorid als farbloses Kristallpulver vom Schmelz
punkt 56° gewonnen wird. Es wird bei Phthisi
kern und als Darmantiseptikum an Stelle von
Guajakol und Kresol, vor denen es den Vorzug
der Geschmacklosigkeit besitzt, verordnet.
Benzylviolett (Violett s B, Pariser Violett
6 B), ein in Wasser mit violetter Farbe löslicher
Teerfarbstoff, wird zum Färben von Seide, Wolle
und Baumwolle benutzt und besteht im wesent
lichen aus salzsaurem Pentamethylbenzylpararos-
anilin.
Berberin (lat. Berberinum, frz. Berberine, engl.
Berberin), eine stickstoffhaltige Base, C 20 H 19 NOg,
die man in vielen Pflanzen aufgefunden hat, so in
allen Teilen, namentlich aber in der Wurzel des
Sauerdorns (Berberis vulgaris), ferner in der
Kolombowurzel und dem Kolomboholz, der jamai
kanischen Wurmrinde, der Wurzel von Hydrastis
canadensis, bildet glänzende gelbe Kristallnadeln
von bitterem Geschmack, die in kaltem Wasser
nur sehr wenig, in heißem leicht löslich sind.
Die Verbindungen des B. mit Säuren, die Ber
berinsalze, sind meistens ebenfalls gelb und
schwer löslich und finden wie die freie Base be
schränkte medizinische Anwendung.
Berberitzen (Sauerdornbeeren, lat. ßaccae
berberidis, frz. Bayes de vinetier, Bayes d’Epine-
vinette, engl. Bcrber-berries), die länglichrun
den, fast zylindrischen, scharlachroten Früchte
des Berberitzenstrauchs, Berberis vulgaris(L.),
sind reich an Äpfelsäure und waren früher Ar
tikel des Drogenhandels. Man verwendet sie zur
Herstellung von Berberitzensirup und B.-Mus, so
wie den Saft als rote Farbe in der Lederfabri
kation.
Bergamottöl (lat. Oleum bergamottae, frz. Es-
sence de bergamote, engl. Oil of bergamot), ein
sehr wohlriechendes ätherisches Öl, wird aus den
Fruchtschalen der Bergamotten, der Früchte von
Citrus Bergamia, einer Orangenart, durch Aus
pressen gewonnen. Das bräunlichgelbe oder we
gen seiner Versendung in Küpfergefäßen meist
grünliche Öl ist anfangs trübe, klärt sich aber
bald und enthält neben Links-Linalool, CioHjgO,
und Rechts-Limonen, C 10 PI 1G , als wertbestimmen
den Bestandteil etwa 3S°/o Linalylazetat, c 10 h 17 o .
CHj.CO. Das spez. Gew. beträgt 0,881—0,886,
die Rechtsdrehung im too-mm-Rohre -j- 8 bis
+ 22 0 . In seinem halben Volumen Alkohol
muß sich das Öl klar lösen. Mit Hi’.fe dieser
Eigenschaften und der Verseifungszahl kann
der Nachweis von Verfälschungsmitteln wie
Terpentinöl, Olivenöl und Zitronenöl leicht ge
führt werden. Das meiste B. kommt aus Reggio
in kupfernen Ramiferen von 5r—50. kg Inhalt.
Bergblau (frz. Bleu de montagne, engl. Moun-
tain-blue) besteht aus fein gemahlener und ge
schlämmter Kupferlasur (s. d-) und kommt nur